Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Schilddrüsenunterfunktion ist nicht gleich Schilddrüsenunterfunktion!

Von einer Schilddrüsenunterfunktion spricht man dann, wenn die Schilddrüse weniger Schilddrüsenhormon produziert als der Körper benötigt. Der Fachbegriff der Schilddrüsenunterfunktion lautet Hypothyreose.

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse produziert aus Eiweiß und Jod das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4). Im Körper entsteht aus T4 das aktive Schilddrüsenhormon Trijodthyroxin. Die Wirkung der Schilddrüsenhormone ist vielfältig und steht auch mit der Wirkung anderer Hormone in enger Verbindung. So beeinflussen die Schilddrüsenhormone über den Sauerstoffverbrauch der Zelle, die Verstoffwechslung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen den gesamten Energiestoffwechsel. Sie stehen deshalb in enger Verbindung zur Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Traktes.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich meist schleichend. Die Symptome sind vielfältig, da die Schilddrüse viele Körperfunktionen beeinflusst.

Mögliche Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion können sein:

  • Abgeschwächte Muskeleigenreflexe
  • Antriebsarmut
  • Appetitlosigkeit
  • Blasse, kühle und trockene Haut
  • Brüchige Nägel
  • Brüchiges, strohiges Haar
  • Chronische Verstopfung
  • Desinteresse
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Erhöhtes Kälteempfinden
  • Frühzeitig einsetzende Arterienverkalkung (Arteriosklerose) aufgrund erhöhter Cholesterinwerte
  • Gedächtnisschwäche, depressive Verstimmungen
  • Gewichtszunahme (verringerter Grundumsatz)
  • Gewichtszunahme und ein erhöhter Cholesterinspiegel
  • Heisere, tiefe Stimme; langsame, verwaschene Sprache
  • Kälteempfindlichkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kühle, trockene, schuppige, blassgelbe Haut
  • Leistungsabfall: Müdigkeit und gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Muskelschwäche und Muskelsteifigkeit
  • Raue, heisere Stimme
  • Spröde, brüchige Haare, vermehrter Haarausfall, brüchige Nägel
  • Störungen von Fruchtbarkeit, Libido und Potenz
  • Verlangsamte Reflexe
  • Verlangsamter Herzschlag, erniedrigter, selten erhöhter Blutdruck
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Zyklusstörungen (bei Frauen)

Die drei Stadien der Schilddrüsenunterfunktion

Stadium 1

Symptome sind vorhanden, Laborwerte sind aber in der Norm

Exkurs Normwerte

TSH-Werte von 0,22.4,4 µlU/ml gelten in Deutschland als Normwerte. Aufgrund einer großangelegten Studie von Zöphel, Klaus (2004) et. al. wurde allerdings angeregt, den oberen Grenzwert für TSH auf 3,35 µlU/ml abzusenken. Werte ab 3,35 µlU/ml weisen demzufolge darauf hin, dass eine subklinische Hypothyreose vorliegen kann. Dieser Empfehlung wurde bisher noch keine Rechnung getragen, so dass noch immer höhere TSH-Werte als normwertig gelten. https://www.researchgate.net/publication/260096511_Wo_beginnt_die_subklinische_Hypothyreose_Implikationen_zur_Definition_der_oberen_Referenzgrenze_fur_Thyreotropin

Wenn Sie trotz normwertigem TSH Symptome haben, suchen Sie sich einen naturheilkundlich arbeitenden Arzt oder Therapeuten, der Ihnen hilft, Ihre individuellen Ursachen für die subklinische Hypothyreose zu erkennen. In diesem Stadium ist es noch relativ einfach, die normale Funktion der Schilddrüse wieder herzustellen. Häufig reicht eine Ernährungs- und Verhaltensumstellung aus.

Stadium 2

Diagnostisch nachweisbare Hypothyreose

In diesem Stadium lässt sich aufgrund der Laborwerte eindeutig eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostizieren. Nun ist es wichtig, diagnostisch zu bestimmen, aus welchen Gründen die Schilddrüsenunterfunktion besteht.

Stadium 3

Autoimmunthyreoiditis oder Hashimoto-Thyreoiditis

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis tritt die Schilddrüsenunterfunktion aufgrund von autoimmunen Entzündungsschüben auf. Sehr häufig gingen der Hashimoto-Thyreoiditis aber die Stadien 1 und 2 voraus, sie können deshalb aus meiner Sicht als Auslöser interpretiert werden.

Eine Hashimoto-Thyreoiditis kommt in Schüben, sodass nicht immer Autoimmunwerte im Labor nachweisbar sein müssen. Ermittelt man ein einer nicht aktiven Phase können sie durchaus normwertig sein.

Differenzierung der Schilddrüsenunterfunktion

Schulmedizinisch wird  zwischen einer primären, einer sekundären und einer tertiären Schilddrüsenunterfunktion unterschieden.

Die naturheilkundliche Praxis unterscheidet  auch nach Ursachen

Primäre Schilddrüsenunterfunktion

Die Funktion der Schilddrüse selbst ist betroffen. Diese Funktionsstörung lässt sich wirksam mit Schilddrüsenhormonen behandeln. Eine ärztliche Behandlung mit Schilddrüsenhormonen ist notwendig. Ein Heilung ist durch naturheilkundliche Interventionen (Ernährungsumstellung, orthomolekulare Therapie, Phytotherapie u.v.m.) möglich.

Sekundäre Schilddrüsenunterfunktion

Die Hypophyse ist in ihrer Funktion eingeschränkt. Bei einer sekundären Unterfunktion ist der TSH-Wert niedrig, wie normalerweise bei einer Schilddrüsenüberfunktion.

Das Labor bringt demnach keine Klarheit! Typische Beschwerden sind Müdigkeit, Energielosigkeit, Verstopfung, Traurigkeit bis hin zu einer Depression.

Diese Patienten werden meist nach einer gewissen Zeit entweder nicht mehr ernst genommen, oder sogar als psychisch krank eingestuft. Denn ihre Symptome laufen den Laborwerten entgegen. Ursächlich für diese Schilddrüsenunterfunktion sind:

  • Chronische Entzündungen
  • Erschöpfte Nebennieren
  • Falsche/schlechte Ernährung
  • Hektik und Stress
  • Aufputschende Getränke (Kaffee, Schwarztee, Cola etc.)
  • Zu viel Sport (Leistungssport)
  • Wenig Schlaf

Medikamente können als Auslöser fungieren, Schilddrüsenhormongaben verstärken häufig das Problem. Werden in dieser Situation Schilddrüsenhormone substituiert, erreicht man häufig ein Stadium, in dem die Schilddrüse nicht mehr einstellbar ist. Ich sehe in der Praxis Patienten mit extrem hohen TSH Werten, die natürlich auch alle Unterfunktionssymptome aufweisen. Steigern sie die Schilddrüsenhormone aber, kommen sie trotz immer noch erhöhtem TSH-Wert in eine gefühlte Schilddrüsenüberfunktion.

Chronische Nebennierenschwäche

In meiner Praxis ist das die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion. Meist ist am Anfang der Schilddrüsenunterfunktion aufgrund der chronischen Nebennierenschwäche der TSH-Wert normal. Eine Nebennierenschwäche ermüdet das gesamte hormonelle System. Bei Nebennierenschwäche kommt es häufig zu einer Umwandlungsstörung von T4 zum wirksamen T3. Das ist auch der Grund dafür, dass die Substitution von T4-Präparaten hier überhaupt keinen Nutzen hat.

Erhöhte Testosteronwerte bei Frauen

Frauen, die erhöhte Testosteronwerte aufweisen, weisen auch erhöhte T3-Werte auf. Ein zu viel an stoffwechselaktivem T3 überfordert die Zellen. Es entstehen Beschwerden wie bei einer Schilddrüsenunterfunktion.

Schwankende Blutzuckerwerte

Eine gut funktionierende Schilddrüse benötigt einen stabilen Blutzucker. Nach großen Kohlenhydratreichen oder zuckerreichen Mahlzeiten produziert der Körper Insulin, um den Blutzuckeranstieg in der Norm zu halten. Essen wir über viele Jahre sehr kohlenhydrat- und zuckerreich, erschöpft sich die Bauchspeicheldrüse und unser Blutzuckerspiegel geht hoch. Ein chronisch hoher Blutzucker schwächt die Nebennieren. Die wiederum die Schilddrüse beeinflussen. Mit einer entsprechend angepassten Diät kann der Blutzuckerspiegel und so die Schilddrüse beeinflusst werden.

Hormoneinnahme

Kommt es aufgrund langjähriger Einnahme der Antibabypille, oder durch eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren zu einer Östrogendominanz, hat das Auswirkungen auf das gesamte Hormonsystem, auch auf die Schilddrüse. Auch eine natürliche Östrogendominanz hat diese Wechselwirkung. Allerdings sind künstliche Hormone in ihrer Auswirkung weitaus stärker. Denn aufgrund ihrer chemischen Struktur sind sie schwerer in der Leber abbaubar. Es kommt deshalb zu einer starken Überlastung der Leber. Eine überlastete Leber ist ein häufiger Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion, denn 60% des T4 werden in der Leber zum aktiven T3 umgewandelt.

Der Körper bildet reverse T3

Aufgrund von Stress, Leberproblematiken, chronischen Entzündungen oder Diabetes kann es zu einer Umwandlungsstörung von T4 zu T3 kommen. Dabei entsteht ein „falsches“ nicht verwertbares reverseT3. Dieses rT3 kann seine Aufgaben nicht erfüllen, da es nicht von den Zellen aufgenommen werden kann.

Tertiäre Schilddrüsenunterfunktion (äußerst selten)

Es liegt eine Hypothalamusstörung vor.

Aufwachtemperatur Test

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden? Machen Sie doch den Aufwachtemperatur Test

Die Aufwachtemperatur kann einen Hinweis darauf geben, ob Sie an einer Schilddrüsenunterfunktion leiden. Gemessen wird die Temperatur direkt nach dem Aufwachen (Basaltemperatur). Um eine gesicherte Aussage zu bekommen, sollten Sie die Basaltemperatur mindestens vier Tage hintereinander messen. Gut ist es immer zur gleichen Zeit am Morgen zu messen. Die vier Messungen müssen nicht zwingend an hintereinanderliegenden Tagen erfolgen.

Messen Sie die Temperatur direkt nach dem Aufwachen. Also nicht aufstehen vor der Messung. So erhält man die niedrigste Temperatur des Tages, die eng mit der Schilddrüsenfunktion in Zusammenhang steht.

Die normale Körpertemperatur liegt nach dem Aufwachen zwischen 36,6°C und 36,8°C. Liegen alle Ihre Werte unter 36,6°C, kann dies auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen.

Was kann die Messung verfälschen?

  • Bei Frauen die Eisprungphase
  • Entzündliche Erkrankungen
  • Fieber
  • Heißes Klima
  • Jetlag
  • Stress, vermehrte Ausschüttung von Adrenalin
  • Unterschwellige oder akute Erkältung
  • Viruserkrankungen, z.B. Epstein-Barr-Virus
  • Wechseljahre
  • Zu langes oder zu kurze Schlafzyklen

Aufwachtemperatur zu niedrig, was nun?

Suchen Sie sich einen kompetenten Therapeuten, der Ihnen Ihre Optionen erläutert.

Gerne stehe ich Ihnen in meiner Praxis zur Verfügung. Vereinbaren Sie einen Termin (Tel. Nr. 02771-833434, Email: annette.pitzer@gmx.de).

Mehr unter: http://www.annette-pitzer.de/html/01_10_schilddruese.html

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