Chronische Schmerzerkrankungen

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Was ist chronischer Schmerz?

Schmerz ist eine sinnvolle und überlebenswichtige Empfindung unseres Körpers, denn er dient uns als Warnsignal indem er uns auf eine Verletzung oder Gewebezerstörung hinweist.

Neben diesem sinnvollen, lebenswichtigen akuten Schmerz gibt es jedoch noch den chronischen Schmerz, der sich verselbständigt hat und nicht mehr mit einem zeitnahen Auslöser in Verbindung steht.

Von einem chronischen Schmerz spricht man, wenn der Schmerz länger als drei bis sechs Monate besteht und nicht mehr auf ein akutes Geschehen zurückgeführt werden kann, dennoch eine medizinische Ursache vorliegt. Beispiele hierfür finden wir bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen oder bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen.

Die zweite Form der chronischen Schmerzerkrankungen sind die, bei denen es keinerlei diagnostisch nachweisbaren Erkrankungen mehr gibt. Häufig ging diesen chronischen Schmerzen zwar eine Verletzung voraus, die aber komplikationslos ausgeheilt ist. Nach Abklingen der akuten Symptomatik hört der Schmerz aber nicht auf, der Schmerz hat sich verselbständigt. In diese Gruppe der chronischen Schmerzerkrankungen fallen auch die Patienten, bei denen keine körperliche Vorbelastung vorliegt. In diesen Fällen spricht man von einem Schmerzgedächtnis.

Schmerzgedächtnis

Der Körper vergisst nicht

Ein Schmerzgedächtnis kann sich sowohl aufgrund von physischen, als auch psychischen Verletzungen ausbilden. Die Ereignisse haben sich im zentralen Nervensystem eingeprägt und lassen ein überempfindliches Nervensystem zurück, das selbst auf harmlose Reize wie Berührung oder Temperaturwechsel mit einem Schmerzsignal reagiert. Bildet es sich ohne körperliches Ereignis aus, beginnt für den Betroffenen eine Odyssee durch viele Praxen und Untersuchungen. Zum Schluss hat er den Stempel Simulant oder psychisch krank.

Dies ist auch der Grund dafür, dass viele Betroffene sehr froh sind, wenn ein körperlicher Grund gefunden wird. Viele Patienten musste ich schon in dieser Situation begleiten. Endlich hat eine Untersuchung den vermeintlichen Grund für die Rückenschmerzen entdeckt, einen leichten Bandscheibenprolaps oder ein verengter Spinalkanal etc. Nachdem die manuellen Therapien dennoch keine Schmerzverbesserung bringen, entschließen sich viele, in dieser Situation eine Operation in diesem Bereich durchführen zu lassen. In den meisten Fällen leider erfolglos, die Schmerzen sind weiterhin vorhanden und haben sich aufgrund des Eingriffs häufig sogar noch erheblich verstärkt. Dennoch verlassen sehr viele Betroffene diesen Weg nicht. Eine Patientin sagte einmal zu mir, „ja jetzt habe ich noch mehr Schmerzen, aber ich habe auch eine plausible Erklärung dafür, die ich meiner Familie, meinen Freunden etc. präsentieren kann. Es hat sich für mich gelohnt.“ Welche Not aus diesen Worten spricht!

Das emotionale Schmerzgedächtnis

Eine zentrale Bedeutung beim chronischen Schmerz kann auch das emotionale Schmerzgedächtnis haben. Gefühle, die bei einem früheren Schmerzgeschehen eine Rolle spielten. können bei einem neuen akuten Schmerzgeschehen zur Installation des chronischen Schmerzes führen.

Ein Kind, das durch Schläge auf die Hände bestraft wurde verbindet mit diesen Schlägen wahrscheinlich neben dem Schmerz die Gefühle von Angst, Unzulänglichkeit, Scham, Hass und vieles mehr auf den Peiniger. Als Erwachsener verletzt sich dieser Mensch bei einem Unfall die Hand. Die abgespeicherten Emotionen werden nun durch den reaktivierten Handschmerz im Gehirn reaktiviert. Obwohl die Verletzung der Hand schnell und gut verheilt, bleibt dennoch der Handschmerz zurück. Keine Untersuchung kann nun eine körperliche Ursache für den Schmerz finden. Auch hier ist eine EMDR Schmerztherapie eine hervorragende Therapieoption.

Bildet jeder ein Schmerzgedächtnis aus?

Ich glaube nicht. Ich selber litt 37 Jahre an einer hormonbedingten Migräne und habe kein Schmerzgedächtnis entwickelt. Es gab Zeiten, in denen ich 6 Monate am Stück täglich, aufgrund der Antibabypille, unter Migräne litt. Als die Hormone versiegten, war die Migräne verschwunden. Dies liegt allerdings an meinem speziellen psychologischen Wesen.

Bei den meisten Menschen sind allerdings ungute Gefühle, negative Gedanken und Bewertungen mit dem Schmerz verknüpft, so dass die Gefahr ein Schmerzgedächtnis auszubilden, sehr groß ist. Psychotherapeutische Maßnahmen, die auf die Veränderung dieser negativen Gedanken und Bewertungen abzielen, sind gut geeignet das Schmerzgedächtnis zu regulieren und so die Schmerzwahrnehmung abzusenken.

Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Schmerzempfinden ist nicht objektivierbar

Schmerz wird von jedem Menschen anders empfunden. Schmerz wird sogar von ein und demselben Menschen in verschiedenen Stimmungen anders empfunden.

Tritt ihr Schmerz in einer Situation auf, die sie als freudig empfinden, dann bewerten sie ihn wahrscheinlich auf einer Schmerzskala deutlich niedriger als in einer unerfreulichen, belastenden Situation. Es sind also auch unsere Gedanken, Gefühle und Bewertungen, die die Schmerzstärke bestimmen. Beim chronischen Schmerz, egal ob ihm eine Verletzung, eine Erkrankung vorrausging oder nicht, sind also die begleitenden Gedanken, Gefühle und Bewertungen von zentraler Bedeutung.

Eine Untersuchung von Hasenbring im Jahr 2000 konnte zeigen, dass die Bewertung maßgeblich das Schmerzempfinden beeinflusst.

Den Versuchspersonen in dieser Untersuchung wurden die Hände in Eiswasser getaucht. Wurde ihnen im Vorfeld suggeriert, dass das kalte Wasser sehr gut für ihr Gesundheit sei, empfanden sie deutlich weniger Schmerz.

Auch durch die Wortwahl,die die Stärke des Schmerzes beschreibt, kann diese beeinflusst werden. Spricht man z.B. von „quälenden“ oder „unerträglichen“ Schmerzen, dann erzeugt dies in den entsprechenden Hirnarealen eine verstärkte Schmerzwahrnehmung.

Leider verstärkt auch Mitgefühl den Schmerz! Eine Studie von Knost et. al. zeigte, dass Anteilnahme, Aufmerksamkeit und Mitleid die Schmerzwahrnehmung verstärkt.

All diese Fakten zeigen deutlich, dass chronische Schmerzerkrankungen von einer psychologischen Schmerztherapie profitieren.


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Schmerzauswirkung auf unser Gehirn

Chronische Schmerzen verändern das Gehirn

Intensive lang anhaltende Schmerzen, insbesondere wenn sie von starken Gefühlen und Stress begleitet werden (und welcher chronische Schmerz tut das nicht?), führen zu Veränderungen im Gehirn. Diese neuronalen Veränderungen werden als Schmerzgedächtnis  bezeichnet. Der langanhaltende chronische Schmerz verändert die Nervenzellen dahingehend, dass die Sensitivität auf einen erneuten Schmerzreiz erhöht wird.

Migränepatienten z.B. haben ständig Angst (Gefühl) vor dem nächsten Anfall. Der Körper wird ständig auf die kleinsten Anzeichen für eine erneute Schmerzattacke hin durchleuchtet (Stress). Die Umweltbedingungen werden ohne Unterlass darauf geprüft, ob es einen Hinweis darauf gibt, dass sie der Auslöser für die nächste Attacke sein könnten (Angst, Stress). Soziale Kontakte werden gemieden, da man Angst (Gefühl) hat, bei diesem Besuch einen neuen Anfall zu erleiden. Diese Liste lässt sich noch deutlich länger gestalten, dies soll aber zur Verdeutlichung ausreichen. Um aus dieser Spirale auszubrechen, ist eine EMDR Schmerztherapie eine geeignete Therapieform.


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Therapiemöglichkeit

EMDR-Schmerztherapie

Dass chronischer Schmerz die Psyche des Betroffenen stark belastet, ist unumstritten. Schmerz beeinflusst die Leistungsfähigkeit, ängstigt und schränkt in vielen Lebensbereichen die Lebensfreude extrem ein. Die Angst vor dem Schmerz hat die Betroffenen im Griff. Der eigene Körper ist zum Feind geworden. Außerdem müssen Gefühle wie Verzweiflung, Enttäuschung, Hilflosigkeit, Wut bis zum Selbsthass zusätzlich zum Schmerz verarbeitet werden.

Der Einfluss unserer Psyche auf das Schmerzempfinden ist uns meist nicht so bewusst. Aber genau hier liegt eine große Chance für die Therapie. Wie wir mit Schmerz umgehen, beeinflusst stark das Schmerzempfinden. Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass durch Reduktion der psychischen Beschwerden es zu einer Verbesserung, bis hin zum Verschwinden der Schmerzen kommen kann.

Bei chronischen Schmerzen wird der Körper zum Feind, er lässt uns im Stich, ängstigt und peinigt uns. Die psychischen Belastungen durch chronischen Schmerz ähneln denen eines psychischen Traumas. Trotzdem scheuen viel Schmerzpatienten davor zurück, sich psychologische Hilfe zu suchen. Durch das chronische Schmerzsyndrom, welchem häufig keine greifbare sichtbare körperliche Erkrankung zugrunde liegt, sind sie ja schon ausreichend stigmatisiert. Wer will da noch psychische Probleme zugeben?

Mit EMDR (Eye Movement and Desensitization and reprocessin) steht eine psychologisch wirksame Therapie bei chronischen Schmerzen zur Verfügung (siehe auch EMDR-Trauma-Therapie).
EMDR wurde von Frau Dr. Francine Shapiro entwickelt und gilt als wirksame Psychotherapiemethode in der Trauma- und Schmerztherapie. Das Ziel der EMDR-Behandlung ist neben der Stabilisierung der Psyche die Schmerzreduktion.

Informationen finden Sie auch hier:

http://annette-pitzer.de/integrative-schmerztherapie/rative_schmerztherapie.html

 

 

 

 

13 Antworten auf „Chronische Schmerzerkrankungen“

  1. Hallo ^_^
    Vielen Dank für diese tolle Übersicht. Ich finde das Thema sehr interessant und habe mich auch schon öfter damit befasst (Psychologiestudentin ^^). Trotzdem fand ich ihn sehr interessant zu lesen.
    Liebe Grüße,
    Melanie =^_^=

  2. Hallo! Das hört sich ja wirklich nach einer enormen Lebenseinschränkung an! Wie furchtbar! Wie schrecklich dass ein überempfindliches Nervensystem zurück bleiben kann, das so heftig reagiert! Dann bleibt zu hoffen, dass die Betroffenen, ihren individuellen Grund für die Erkrankung finden und die Therapie anschlägt! Viele Grüße! Sirit

  3. Super spannendes Thema, auch wenn ich mich bislang noch nicht damit beschäftigen musste. Aber wer weiß was morgen ist. Von einem Schmerzgedächtnis habe ich ehrlich gesagt noch nie was gehört, davon, dass Schmerz aber unterschiedlich wahr genommen wird schon.
    Vielen Dank für die übersichtliche Erklärung.

    Viele Grüße
    Isabelle von lustloszugehen

  4. Das ist ein super Beitrag für einen ehemaligen Kollegen von mir. Seit fast 20 Jahren hat er Gesichtsschmerzen. Alle möglichen Therapien und Behandlungen hat er machen lassen. bis hin zu OPs am Hirn um einen Trigger einbauen zu lassen, der sich auf das Schmerzzentrum auswirkt und den Schmerz mittels Knopfdruck ausschalten lässt. Nichts hilft. gefunden werden kann immer nichts und er wird von Facharzt zu Facharzt geschickt. immer macht man ihm mal wieder Hoffnung und dann wars doch nix. Dazu immer wieder viele Ärzte die ihn einfach nicht ernst nehmen.
    Da wird man echt verrückt.
    Liebe Grüße,
    Tama <3

  5. Wirklich interassante Erkenntnisse und spannende Ansätze. Danke Dir für dieses informativen Artikel!
    Ich werde mal schauen, ob ich das für meine Hand anwenden kann, die auch anch der Operation im letzten Jahr nicht wieder gut ist…

  6. wieder ein sehr informativer Beitrag liebe Annette! es stimmt, der Körper oder vielmehr das Gehirn vermisst nicht … geht leider sogar soweit, dass z.B. manche Chemopatienten, die mit Übelkeit zu kämpfen hatten, nur beim Anblick von einer Klinik schon Übelkeit bekommen :/

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com

  7. Vielen Dank für die vielen Infos und einen interessanten Beitrag. Ich bin schon öfters auf die Situationen gestoßen, wenn jemand lange Schmerzen hatte, aber von den Ärzten nichts gefunden wurde.

  8. Ein interessanter Beitrag für mich! Ich leide ja aufgrund meiner Rückenerkrankung seit Monaten unten starken Schmerzen … diese werden schön langsam chronisch und es helfen nur mehr starke Morphine. Da kommt mir gerade jede Info recht.

    lg
    Verena

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