Zöliakie – Glutenunverträglichkeit

Gar nicht so selten die Glutenunverträglichkeit

1 % aller Europäer, das sind immerhin 5 Millionen Menschen leiden an einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Realistisch gesehen sind es wahrscheinlich mehr, da es eine ganze Menge nicht diagnostizierte Zöliakiebetroffene gibt.

Sind Sie überempfindlich gegen Gluten?

Ein Phänomen der letzten Jahre ist die Glutenunverträglichkeit und die Glutensensitivität, unter der immer mehr Menschen leiden. Die Glutenunverträglichkeit ist genetisch bedingt und wird als Zöliakie bezeichnet.

Zöliakie Glutenunverträglichkeit

Was ist Gluten?

Gluten ist ein Sammelbegriff für Klebereiweiße. Klebereiweiße finden sich im Mehl der glutenhaltigen Getreide. Sie ermöglichen es einen Teig herzustellen, der backfähig ist. Fehlt Gluten, haftet das Mehl beim Verarbeiten nicht zusammen. Doch nicht alle Glutene haben dieselben chemischen Eigenschaften. Die Gliadine des Weizens sind besonders problematisch. Deshalb werden sie häufig auch von Menschen, die nicht unter Zöliakie leiden, nicht gut vertragen. Mehr dazu im nächsten Blogartikel.

Zöliäkie

Zöliakie ist eine Allergie, die eine  Autoimmunerkrankung auslöst. Auslöser ist das Klebereiweiß Gluten. Wird glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Roggen, Dinkel und Gerste, gegessen kommt es infolgedessen zu einer Entzündung des Dünndarms.

Gluten, und das in glutenhaltigem Getreide enthaltene Gliadin, richtet bei den Betroffenen im Dünndarm große Schäden an. Werden glutenhaltige Nahrungsmittel verzehrt, kommt es hierdurch zu Entzündungen im Darm und die Dünndarmzotten atrophieren (verkümmern). Der Dünndarm kann aus diesem Grund seiner Aufgabe Nährstoffe aufzunehmen nicht mehr nachkommen. Auf Grund der Malabsorption, eine mangelhaften Aufnahme von Nährstoffen aus dem Nahrungsbrei, entshen Mangelerkrankungen.  Siehe hierzu auch https://blog.annette-pitzer.de/wenn-brot-getreide-krank-machen/#more-1029

Auch der Dickdarm leidet mit der Zeit, da der unverdaute Nahrungsbrei zu einem Gärstoffwechsel führen kann. Die Konsequenz sind Gasbildung (Blähungen), Durchfälle, Bauchschmerzen – und wenn der Zustand länger anhält – eine Leberbelastung.


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Zöliakie nennt man beim Kind Sprue

Die Zöliakie wurde noch vor wenigen Jahren als Erkrankung betrachtet, die hauptsächlich in der Kindheit diagnostiziert wurde. Beim Kind nennt man Zöliakie Sprue. Dies hat sich grundlegend geändert. Immer mehr Fälle treten erstmals im Erwachsenenalter auf, was die Diagnostik erschwert, da es so häufig als Erkrankung gar nicht in Betracht gezogen wird.

Warum ist das so?

Aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen werden Getreidesorten immer glutenhaltiger gezüchtet, denn das macht die Backwaren backfähiger und lockerer. Auch wurden noch nie zuvor so viele Backwaren verzehrt wie in unserer Zeit. Als Konsequenz daraus kommt es immer häufiger zu Unverträglichkeiten, bis hin zu einer Zöliakie.

Was haben Gene damit zu tun?

Zöliakie tritt bei Menschen auf, die eine Variante des Gens HLA-DQ2 und HLA-DQ8 aufweisen. 30-35% der Bevölkerung sind Träger dieser Genvariante. Nur 1% der Bevölkerung hat aber die Diagnose Zöliakie. Ein Grund hierfür liegt an der problematischen Diagnostik. Die Krankheit muss weit vorgeschritten sein, um mithilfe von Blut- und Stuhltests, oder einer Biopsie, diagnostiziert werden zu können.

Da die Zöliakie vererbt werden kann, sollten Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) auch ohne Symptome auf Zöliakie getestet werden.

Überdies benötigt die Erkrankung einen zusätzlichen Faktor, um voll zum Ausbruch zu kommen. Häufige Auslösefaktoren sind die Einnahme von Antibiotika oder Cortikoiden. Aber auch Impfungen, Stress, eine Dysbiose des Darms können der Auslöser sein. Maßgeblich sind aber auch der erhöhte Glutengehalt der modernen Getreide und der übermäßige Verzehr von Backwaren an einer Sensibilisierung oder dem Anschalten der verantwortlichen Gene beteiligt.

Die Zöliakie tritt klinisch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Es gibt eine sogenannte typische Verlaufsform, die ca. 55%  der Fälle ausmacht. Daneben findet sich die atypische Verlaufsform, die ca. 45% der Fälle charakterisiert.

Typische Form

Die typische Form ist durch gastrointestinale Symptome gekennzeichnet. Sie setzt im 6. bis 24. Lebensmonat ein, nachdem glutenhaltiges Getreide in die Nahrung eingeführt wurde. Es kommt dadurch zu:

  • Einem verzögerten Wachstum
  • Gewichtsverlust
  • Chronischem oder wiederkehrendem Durchfall
  • Erbrechen
  • Aufgeblähtem Bauch
  • Muskelhypotonie
  • Anorexie
  • Reizbarkeit

In sehr schwereren Fällen sind sogenannte Zöliakiekrisen mit „explosivem“ Durchfall, ausgeprägtem, aufgeblähtem Bauch, Dehydratation, Störungen der Elektrolyte, Hypotonie und Lethargie zu beobachten.

Atypische Form

Demgegenüber kann die atypische Form  in jedem Lebensalter auftreten. Die Symptome reichen genauso wie bei der Zöliakie von Verdauungsstörungen, sich wiederholenden Bauchschmerzen, wiederkehrende Durchfälle, Übelkeit, Erbrechen, Flatulenz, Blähungen bis zu Verstopfung. Häufiger zeigen sich aber Symptome, die nicht mit dem Verdauungstrakt in Zusammenhang gebracht werden. Dazu gehören:

  • Anämie durch Fehlen von Vitamin B12 oder Folsäure
  • Aphthöse Stomatitis
  • Arthritis
  • Arthrose
  • Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose, Hashimoto Thyreoiditis)
  • Beklemmung und Depression
  • Dermatitis
  • Eine nicht auf Behandlung ansprechende Eisenmangelanämie
  • Gelenkschmerzen
  • Hormonstörungen (verzögerte Pubertät, Schilddrüsenstörungen, Fertilitätsstörungen etc.)
  • Kopfschmerzen
  • Osteopenie oder Osteoporose
  • Störungen der Leber (anhaltend hohe Transaminasewerte)
  • Störungen des Zahnschmelzes
  • Vitamindefizite
  • Zerebellare Ataxie

Die Zöliakie kann sich aber auch durch ein breites Spektrum an psychiatrischen Symptomen äußern, dazu gehören:

  • Angststörung
  • Depression
  • Epilepsie mit zerebraler Verkalkung (Zöliakie-Epilepsie-zerebrales Verkalkungs-Syndrom CEC)
  • Essstörungen
  • Periphere Neuropathie
  • Schlafstörungen

Wie wird Zöliakie diagnostiziert?

T-Cellspot Gliadin

Mit diesem Test wird die Anzahl gliadinreaktiver T-Lymphozyten im Blut ermittelt.

Gliadin-/ Transglutaminase-Antikörper im Serum oder Stuhl

Da die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) ist eine immunologische Erkrankung des Dünndarms ist werden Gliadin- und Transglutaminase-Antikörper im Serum oder Stuhl nachgewiesen.

Dünndarmbiopsie

Schulmedizinisch wird eine Dünndarmbiopsie durchgeführt.

Wie wird eine Zöliakie behandelt?

Kurzum, es gibt nur eine Therapie: lebenslanger, vollständigen Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Denn schon kleinste Mengen Gluten lösen eine erneute Dünndarmentzündung aus.  Doch nach der Ernährungsumstellung kommt es rasch zu einer Besserung der Symptome. Es dauert aber Monate, bis sich die Dünndarmschleimhaut vollständig regeneriert.

Anfänglich sind orthomolekulare Medikament, Pro- und Präbiotika hilfreich um dem Darm die Regeneration zu erleichtern und die durch die Erkrankung entstandenen Nährstoffmängel auszugleichen.

Im nächsten Blogartigel dreht sich dann alles um die Glutensinsibilität.

Gerne berate ich Sie bei der Umsetzung in Ihrem Alltag (Tel- Nr. 02771-833434, Email: info@annette-pitzer.de).

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6 Antworten auf „Zöliakie – Glutenunverträglichkeit“

  1. Das ist ein interessanter Beitrag von dir. Da ich in der Apotheke gelernt habe, habe ich darüber auch ein wenig etwas gehört. Ich finde es toll, dass solche Themen auch aufgegriffen werden.

    LG
    Steffi

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