Ayurveda im Winter

Die Zeit der Einkehr und Stärkung

Der Winter lässt uns in den Rückzug gehen. Die Tage sind kurz, kalt und dunkel. Unser Körper möchte den Rückzug, deshalb ziehen uns das Sofa und die kuschelige Decke magisch an. Wir möchten bequem und energiesparend Tee trinken, ein Buch lesen oder am Ofen sitzen. Doch mal ehrlich, gibst Du Deinem biologischen Impuls nach? Oder machst Du weiter wie immer? Die ayurvedische Gesundheitslehre zeigt, dass dies richtig und wichtig ist, im Winter den Rückzug anzutreten.

In der ayurvedischen Gesundheitslehre spielen saisonale Faktoren eine große Rolle. Wieso ist das so? Mit dem Wechsel der Jahreszeiten verändern sich das Zusammenwirken der Doshas (Konstitutionstypen) und auch unser Agni (Verdauungsfeuer).  Sowohl unsere Dosha-Zusammensetzung als auch unser Agni sind für körperliches und mentales Wohlergehen verantwortlich.

Vata im Winter

Im Winter steigt unser Vata-Anteil an. Das ist sinnvoll, denn so kann unser Immunsystem besser auf äußere Reize reagieren. Aber auch unser Nervensystem wird durch einen größeren Vata-Anteil empfindlicher. Ein Immunsystem in Habachtstellung erfordert mehr Energie. Ein empfindliches Nervensystem möchte den Rückzug. Wie wunderbbar dieses Zusammenspiel ist. Das ist der Grund dafür, dass uns nun Wärme, Ruhe und Entspannung so gut tun.

Agni im Winter

Unser Verdauungsfeuer Agni steigt im Winter an, was uns mehr Hunger beschert, aber auch einen besseren Stoffwechsel. Das erlaubt es uns, üppigere Mahlzeiten und schwer verdauliche Speisen reuelos zu konsumieren. Wer sich dieser Tatsache verweigert, wird unweigerlich zu den Menschen gehören, die im Winter frieren.

Ayurvedischer Winter und das Verdauungsfeuer

Im Ayurveda unterscheidet man die frühen Wintermonate (von Ende Oktober bis Ende Dezember) und die späten Wintermonate (von Ende Dezember bis Ende Februar). Diese beiden Winterphasen unterscheiden sich in ihrer Stoffwechselqualität. Das ist wichtig, wenn man nicht mit dem berühmten Winterspeck aus der Winterzeit gehen möchte.

In den frühen Wintermonaten wird die Nahrung katabol, also Energie (Wärme) freisetzend, verstoffwechselt. In den späten Wintermonaten wird die Nahrung anabol, also Energie speichernd (Fettzellen anfüllend) verstoffwechselt.

Das bedeutet, die frühen Wintermonate können hervorragend zur Gewichtsreduktion genutzt werden. In den späten Wintermonaten ist das so gut wie nicht möglich.

Später Winter – Zeit für den Winterschlaf

Der Körper speichert nun vermehrt Kapha, um ihn vor Kälte und Auszehrung zu schützen. Dies schützt auch unser Immunsystem zu einer Zeit, in der es stark gefordert ist.

Es ist nun sinnvoll, seinen Alltag dem ruhigen und langsamen Stoffwechsel anzupassen. Der Körper benötigt viel Schlaf, längere Entspannungsphasen und nährende, wärmende Kost. Damit man keine ungeliebten Fettdepots anlegt ist es wertvoll, den Stoffwechsel anzuregen. Das lässt sich leicht bewegstelligen, indem man viel abgekochtes, warmes Wasser oder Ingwerwasser über den Tag verteilt trinkt.

Gesundheitsmaßnahmen im Winter

Kälte, Nässe, Lichtmangel und wenig frische Nahrung schwächen uns in der Winterzeit. Das macht uns anfällig für Krankheiten der Atemwege, des Bewegungsapparates und der Psyche. Wichtig ist es deshalb, das übermäßige Vata im Griff zu haben. Dabei hilft ausreichend Schlaf, Bewegung an der frischen Luft, Massagen und stärkende Nahrungsmittel.

Naschen ohne schlechtes Gewissen

Oh ja, im Winter ist naschen erlaubt. Schwelgen Sie in Mandeln, Walnüssen, süßem Getreidebrei, warmem Kakao und Trockenfrüchten. Nutzen Sie Gewürze wie Anis, Zimt, Nelken, Ingwer, Safran und Muskat und stärken Sie Ihre Gesundheit.

24 Replies to “Ayurveda im Winter”

  1. Liebe Annette,

    jetzt wo ich deinen Beitrag so gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich darüber noch gar nicht richtig nach gedacht habe. Klar, im Winter bin ich ziemlich Motivationslos (gehöre auch zu den Menschen die Schwierigkeiten haben im Dunkeln aufzustehen), aber wie komplex das ist und warum, habe ich noch nie hinterfragt. Danke für diesen interessanten Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Mo

  2. Ich finde es immer wieder faszinierend wie die Umwelt unseren Körper beeinflusst und was alles zusammenspielt. Leider ist es mir noch nie gelungen im frühen Winter an Gewicht zu verlieren. Vielleicht gehe ich die Sache einfach falsch an, oder ich ernähre
    mich komplett falsch.
    LG
    Carina

  3. Danke fur diesen Beitrag.
    Ich mache mir oft Gedanken darüber wie ich es schaffen soll nicht mehr so schwach und müde im Winter zu sein ..
    Die Müdigkeit wird immer mehr und mehr bei mir. Und Hunger habe ich in Winter nicht so.

  4. Ich beschäftige mich regelmäßig mit unterschiedlichen Energien im Winter und Sommer, Natürlich ist da alles anders und ich bin ein Mensch der das sehr deutlich spürt. Ich ziehe mich im Winter auch gerne zurück, denke nach und sammle Kraft.

    lg
    Verena

  5. Hallo meine Liebe,

    durch deinen Blog lerne ich immer wieder allerhand dazu oder erhalte wertvolle Tipps.

    Ich habe bisher noch nie darüber nachgedacht woran es liegt, das ich im Winter deutlich mehr hunger habe oder wieso ich so schwer aus dem Bett komme. Habe es immer nur auf die Dunkelheit geschoben, aber wieso weshalb und warum, das habe ich mich nie gefragt.

    Lg

    Steffi

  6. Wieder einmal sehr informativ 🙂
    Ich hab mir ehrlich gesagt noch nie so richtig Gedanken darüber gemacht. Aber ja, ich esse im Winter auch wesentlich mehr als im Sommer. Und ich nehme leider immer zu.

    Liebe Grüße,
    Sarah

  7. Winter ist einfach keine Jahreszeit für Vatas 🙂 das denke ich mir immer wieder.
    Aber mal abgesehen von der Jahreszeit, im ayurvedischen gibt es keine besonderen Ideen zum Thema Detox, oder? Denn die indische Lehre geht doch garnicht davon aus, dass der Körper speziell durch Kuren entgiftet werden muss, oder?
    Hast du dazu Erfahrungen?
    Liebe Grüße, Katja

  8. Liebe Annette!

    Ich musste bei einigen Punkten nicken und feststellen, dass ich das so noch gar nie gesehen habe. Erst jetzt wo ich es gelesen habe, ist mir das bewusst geworden.

    Danke für das Aufmerksam machen.

    Alles Liebe,
    Julia

  9. Toller Beitrag. Ich bin derzeit auch extrem müde und wache auch morgens schon müde auf. Hunger habe ich allerdings das ganze Jahr. Es wird Zeit, etwas abzuspecken.

    Lieben Gruß, Bea.

  10. Vor vielen Jahren habe ich mich mal mit diesem Thema befasst und daher sagen mir die Begriffe Agni und Vata auch noch was, aber in den letzten Jahren habe ich so gut wie alles verlernt und bin froh, wenn das wieder aufgefrischt wird 😉

  11. Toll liebe Annette!

    Jetzt weiß ich warum ich gerade viel Ingwerwasser mag und in Nüssen schwelge…Ich arbeite schon lange daran, dass mein Körper mir sagt, was er braucht und ich mache Fortschritte!
    Herzliche Grüße
    Inge

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