Yoga – Ein Wundermittel oder ein gefährlicher Hype?

Gastbeitrag Gesundheitsgeflüster Yoga

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Yoga

Heutzutage verbinden die meisten Menschen mit Yoga vor allem den Wunsch, sich zu entspannen und Stress abzubauen. Aber auch die Koordination und die Beweglichkeit des Körpers kann man durch Yogaübungen verbessern und damit schmerzhaften Beschwerden des Bewegungsapparates vorbeugen.

Und dann tauchen immer wieder die Werbespots auf, wo versprochen wird, durch Yoga leicht zu werden, also Gewicht zu verlieren.

Aber was ist dran an all diesen Versprechen? Ich bin immer wieder überrascht, was Leute sich unter Yoga vorstellen.

Was ist denn Yoga überhaupt?

Yoga ist eine alte philosophische Lehre und Heilkunst, die eigentlich 8 Stufen umfasst. Das Ziel ist die totale Erleuchtung. Obwohl ich bisher noch niemanden kennengelernt habe, der Erleuchtung auf seiner To-Do Liste hat.

  • Yama: Verhalten
  • Niyama: Selbstdisziplin
  • Asana: Körperhaltung
  • Pranayama: Atemführung
  • Pratyahara: Sinnesbeherrschung
  • Dharana: Konzentration
  • Dhyana: Meditation
  • Samadhi: Erleuchtung

Hatha Yoga, die populärste Yogarichtung, konzentriert sich auf körperlichen Übungen (Asanas), Atemübungen und eventuell noch Meditation.

Egal ob Hatha-, Ashtanga-, Kundalini- oder Power-Yoga – mittlerweile gibt es viele Varianten von Yoga.

Viele Volkshochschulen, Yogazentren, Sportvereine und andere Einrichtungen bieten Yoga für alle Stufen an: Anfänger, Fortgeschrittene, zur Entspannung, zum Fit werden, Auch Yoga für Schwangere oder Kinder ist häufig Teil des Yoga-Angebots. Nicht zu vergessen Bier Yoga oder Yoga für Hunde….

Yoga ist also Alles für Jeden, man kann es sich fast aussuchen. Es hat zwar nicht mehr viel mit Yoga im klassischen Sinne zu tun, aber oft werden die Teilnehmer der Kurse neugierig und wollen mehr lernen.

Das führt natürlich zu Auswüchsen, die den seriösen Yogaschulen Kopfzerbrechen bereiten. Aber auch dort gibt es Themen, über die man nicht so gerne redet. Beispiel: Verletzungen.

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Ist Yoga gefährlich?

Wenn man sich erfahrene Yogis in ziemlich abgedrehten Stellungen ansieht, kann man auf die Idee kommen, das nachzumachen. Schlechte Idee. Man sollte immer die eigene Kondition, Beweglichkeit aber auch den Körperbau berücksichtigen. Bei jedem Menschen gibt es Unterschiede im Knochenbauch. Eine extreme Rückwärtsbeuge (Brücke, zum Beispiel) ist durch die Stellung der Wirbel nicht bei jedem möglich.

Selbst wenn man von Hause aus sehr beweglich ist, sollte man vorsichtig sein: fehlendes Aufwärmen oder eine falsche Ausführung können schnell zu Zerrungen führen.

Kritisch wird es bei schon vorhandenen krankhaften Veränderungen. Ein Klassiker: Bandscheibenvorfall. Bei Rückenschmerzen wird oft der Drehsitz empfohlen, der auch sehr wirksam bei Muskelverspannungen im unteren Rückenbereich ist. Besteht aber ein Bandscheibenvorfall, kann der Drehsitz diesen noch verschlimmern. Diese Erfahrung musste ich machen und nach einer Einzelstunde war ich reif für den OP.

Noch kritischer wird es bei Nervenquetschungen: hier sind mir 2 Fälle bekannt, wo Yogaschüler über einen längeren Zeitraum (mehr als 1 Stunde) in Stellungen verbracht haben, wo Nerven gequetscht wurden, bzw. nicht ausreichend mit Blut versorgt wurden. In einem Fall kniete die Person zur Meditation, im anderen Fall ist eine Frau bei der sitzenden Vorwärtsbeuge eingeschlafen. Beide mussten längere Zeit ärztlich behandelt werden.

Gefährlich sind Stellungen wir der Pflug, Schulterstand (oder Kerze), Rad oder Kobra. Bei all diesen Stellungen wird die Halswirbelsäule stark gebeugt oder überstreckt.

Was muss ich beachten, wenn ich schon etwas älter bin?

Da viele gesundheitsbewusste Yogis in den mittleren Jahren oder älter sind, kann es zu Ablagerungen in Blutgefäßen gekommen sein, die den Betroffenen gar nicht bekannt sind und auch keine gesundheitlichen Beschwerden machen. Oder die Blutgefäße haben insgesamt an Elastizität verloren, was normal ist, Kommt es nun zu Stellungen, wo der Kopf stark Richtung Brust gebeugt ist, oder in den Nacken überstreckt wird, können sich Ablagerungen lösen und einen Schlaganfall verursachen. Oder Blutgefäße können reißen. Auch dies habe ich in der Yogaschule, wo ich meine Ausbildung machte, erlebt und wie ich erfahren habe, ist das bei Weitem kein Einzelfall. Und es trifft auch jüngere, sehr trainierte Menschen. Das macht die Diagnose oft schwierig, weil man bei dieser Altersgruppe nicht gleich an einen Schlaganfall denkt.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Kopfstand: abgesehen von der Erhöhung des Druckes auf die Blutgefäße im Kopfbereich ist der Kopfstand auch eine Übungssache. Zwar stützt man sich mit den Unterarmen ab und hat dadurch eine gewisse Stabilität, aber wenn man durch irgendwas aus der Balance gebracht wird oder die Kraft in den Armen versagt, kann es im schlimmsten Falle zum Genickbruch kommen. Das habe ich zum Glück in meinem Umfeld noch nie erlebt, aber es sind Fälle bekannt.

Abgesehen von diesen „Hardcore“ Verletzungen gibt es noch andere Claims, die so nicht haltbar und nicht wahr sind.

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Kann ich mit Yoga abnehmen?

So wird Yoga oft als Mittel zur Gewichtsreduktion angepriesen. Da stellt sich mir die Frage: was genau ist damit gemeint? Klar, wenn man eine Stunde Power Yoga mit vielen Sonnengrüßen (die gesprungene Variante) macht, ist das ein gutes Fitnesstraining. Aber genauso wenig wie Sport als alleiniges Mittel zum Gewichtverlust geeignet ist, bringen Asanas die Pfunde zum Schmelzen.

Und was ist mit Meditation? Vorsicht, bei der Meditation verlangsamt sich die Atmung, man entspannt sich. Das ist gut, und hilft, besser mit Stress umzugehen.  Wenn ich mit Meditation Stress besser bewältigen kann, kann ich Fressattacken vermeiden. Aber kurzfristig wird der Stoffwechsel gedrosselt. Erfahrene und trainierte Yogis können ihre Atmung dermaßen reduzieren (ohne nach Luft japsen zu müssen), dass der Grundumsatz um durchschnittlich 13% runterging. Und auch hier sind Frauen benachteiligt: bei Männern war die Reduktion 8%, bei Frauen 18%.

Fazit:

ich will hier keineswegs Yoga schlechtmachen oder es herabsetzten. Ganz im Gegenteil! Ich bin bekennender Yoga Fan und habe selbst eine Yogalehrerausbildung. Wenn ich mich etwas näher mit Yoga befasse und meinen Lebensstil entsprechend anpasse, habe ich immens viel für meine Gesundheit getan.

Aber wie in allen Bereichen sollte man auch hier mit gesundem Menschenverstand und realistischen Erwartungen an die Sache herangehen.

Wenn Du mit Yoga beginnen möchtest und in den letzten Jahren (oder Jahrzehnten) nicht aktiv warst, lasse Dich erst mal vom Arzt durchchecken. Suche Dir eine seriöse Yogaschule aus, schaue Dir das Kursangebot an und absolviere eine Probestunde.

Vitae Dr. Heike Franz

Ursprünglich habe ich BWL studiert, mit Schwerpunkt Controlling. Später kamen noch ein MBA und die 1.Promotion dazu.

Obwohl ich 25 Jahre die Karriereleiter hochgeklettert bin und tolle Erfahrungen während mehrjähriger Auslandsaufenthalte (China, Brasilien, USA) sammeln durfte, habe ich in jeder freien Minute Bücher zum Thema Ernährung „verschlungen“.

Während eines Sabbaticals habe ich dann im Zweitstudium angefangen, Ernährungswissenschaften zu studieren. Längere Geschichte, die mit einem PhD abschloss. Anschließend noch eine Yogalehrerausbildung, sowie Fitnesstrainerzertifizierung. Damit habe ich vor 4 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Heute berate überwiegend Frauen ab der Lebensmitte, die Probleme mit der Figur haben und schon lange keinen Sport mehr getrieben haben.

Während eines Sabbaticals habe ich dann im Zweitstudium angefangen, Ernährungswissenschaften zu studieren. Längere Geschichte, die mit einem PhD abschloss. Anschließend noch eine Yogalehrerausbildung, sowie Fitnesstrainerzertifizierung. Damit habe ich vor 4 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Heute berate überwiegend Frauen ab der Lebensmitte, die Probleme mit der Figur haben und schon lange keinen Sport mehr getrieben haben. https://fit-und-in-form-40plus.com/

Dr. Heike Franz Yoga Gesundheitsgeflüster
Dr. Heike Franz

10 Antworten auf „Yoga – Ein Wundermittel oder ein gefährlicher Hype?“

  1. Immer wieder gerne komme ich auf deinen Blog vorbei, liebe Annette, weil ich hier immer so wahnsinnig informative Artikel lese.
    Yoga habe ich noch nie gemacht, aber ich habe schon von vielen Kollegen viel Gutes gehört.
    Daher finde ich es ausgesprochen interessant auch mal was über die „Nebenwirkungen“ von Yoga zu lesen. Und, wie schon im Artikel erwähnt, in Maßen ist recht viel gesund 😉

    Liebe Grüße,
    Mo

  2. Ich habe schon soviel Positives über Yoga gelesen, es aber tatsächlich noch nie selbst ausprobiert. Da bin ich wohl eher ein Mensch, der Action braucht – mir ist Yoga zu ruhig. Wieder ein sehr informativer Beitrag. Danke dafür.
    Viele liebe Grüße
    Sandra

  3. Ich habe noch nie Yoga gemacht, irgendwie konnte ich dem bisher nicht abgewinnen. Zudem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es wirklich etwas bringt, außer beweglicher zu werden. Vielleicht sollte ich es doch einfach mal ausprobieren 🙂

  4. Danke für diesen informativen Beitrag! Das war mir bisher alles noch gar nicht so bewusst. Ich bin ja erstaunt, dass man sogar seinen Grundumsatz durch Meditation reduzieren kann. Ich habe schon mal Yoga gemacht, aber das war sehr einfach gehalten mit einfachen Übungen, die auch Laien umsetzen können.

    Liebe Grüße,
    Diana

  5. Hallo liebe Annette,
    danke für die tollen Beiträge in Deinem Blog.
    Ich habe mit 17 Jahre Yoga angefangen in Belgien, bin mit 28 nach Deutschland gekommen und bin hier mehrmals umgezogen und habe immer Yoga weitergemacht in den verschiedenen Städte und mir ist bis Dato noch niemals einen Fall bekannt geworden mit den Beschwerden die oben beschrieben wurden.
    Übertreibung ist natürlich niemals sinnvoll, nur das wird in einer GUTEN Yogaschule auch immer wieder mitgeteilt „geh nicht über deine Grenzen“. Weiterhin muss ich sagen, dass ich wahrscheinlich immer Yogalehrer/innen hatte die uns immer wieder daraufhin gewiesen haben.
    Es gibt wohl viele Menschen, ich inbegriffen, die ihre Rückenschmerzen, Unbeweglichkeit ( sogar nach schwere Operationen) alles wieder in den Griff bekommen habe. Dass ist also eine andere Variante die ich kennenlernen durfte.
    Für mich ist Yoga ein Allheilmittel im richtigem Maße ausgeführt. Von Atmung über Bewegung bis hin zur Tiefenmeditation. Ich kenne nichts besseres.
    Alles liebe Dir
    Christiane

    1. Liebe Christiane,
      auch ich praktiziere seit meinem 18ten Lebensjahr Yoga und stimme Dir zu, dass es wundervolle Möglichkeit der Prävention und Therapie sein kann.
      Alles Liebe
      Annette

  6. Yoga ist ja ein richtiger Trend. Auch ich habe ja schon ein Berufsinterview mit einer Yoga-Lehrerin gehalten. Das Thema ist wirklich spannend. Von der anderen Seite, eben der Seite die du beachreibst, habe ich Yoga noch gar nie betrachtet. Wirklich spannend!

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