Schmerzempfinden

Unterscheidet sich die Schmerzempfindlichkeit bei Männern und Frauen?
Schmerzempfinden bei Männern und Frauen

Unterscheidet sich das Schmerzempfinden von Männern und Frauen?

In Filmen wird uns ja immer vorgegaukelt, dass Männer und Frauen gleich sind. „Lara Croft“ steckt genauso viel Schläge ein wie der Der New Yorker Polizist John McClane in „Stirb Langsam“. Schmerzen scheinen sie beide aber kaum zu spüren. Doch wie sieht es in der realen Welt mit dem Schmerzempfinden von Mann und Frau aus?

Männlicher Schmerz
Weiblicher Schmerz
Was haben Lara Croft und der Held aus "Stirb Langsam" gemeinsam?
John McClane und Lara Croft schmerzfreie Filmhelden und Filheldinnin

Sind Männer oder Frauen schmerzunempfindlicher?

Schmerzempfindung Männer
Schmerzempfindung Frauen

Andererseits zeigt sich schon eine kleine Diskrepanz in den Antworten. 15% der Befragten gaben an, dass Männer und 22,5% dass Frauen schmerzunempfindlicher reagieren. 7,5% wollten, vielleicht aus Loyalität oder aus political correctness, Männern nicht weniger Schmerztoleranz zugestehen, glauben aber, dass Frauen schmerzunempfindlicher sind.

Schmerz bei Männern und Frauen

Im Folgenden empfinden 25% der Befragten Männer, nur 2,5% Frauen als schmerzempfindlicher. Hierdurch verändert sich das Ergebnis deutlich zu Ungunsten der Männer.

Weiterhin interessierte mich, ob in der Wahrnehmung mehr Männer oder mehr Frauen an einer Schmerzerkrankung erkrankt sind.

chronische Schmerzen

Wer ist nun tatsächlich schmerzempfindlicher?

Die meisten modernen Menschen gehen verstandesmäßig davon aus, dass Schmerzempfindungen bei beiden Geschlechtern auf identische Art und Weise entsteht und wahrgenommen wird. Jedoch zeigen Studien, dass Frauen Schmerz intensiver wahrnehmen. Und bevor jetzt die große „Ja aber Welle“ schwappt, es gibt bei Schmerzempfindung natürlich eine große Bandbreite und deshalb auch immer die berühmten Ausnahmen.

Warum empfinden Frauen mehr und Männer weniger Schmerz?

Ein Unterschied liegt in der Hormonlage des Individuums. Wer kennt es nicht, das Klischee vom harten Kerl. Der testosteronbetonte Mann spürt tatsächlich weniger Schmerz. Testosteron führt also nicht nur zu einem robusten, starken Körperbau, es senkt auch das Schmerzempfinden. Da es aber immer mehr Männer gibt, deren Testosteron sehr niedrig ist, verändert sich dies tatsächlich ständig zu Ungunsten der Männer. Das ist übrigens das Resulat von Umwelthormonen, die wie Östrogene wirken. Hinzu kommen noch Hormone in unserem Trinkwasser die durch hormonelle Verhütungsmittel dort hin gelangen.

Warum halten dann Frauen eine Geburt aus?

Die hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft führt dazu, dass Frauen in dieser Zeit schmerzunempfindlicher werden. Ein zusätzlicher Mechanismus kommt hier zum Tragen. Während einer extremen Schmerzbelastung schüttet der Körper körpereigene schmerzstillende Substanzen, die sogenannten Endorphine, aus. Endorphine gehören zu einer Botenstoffklasse namens Opioide. Diese senken die Empfindsamkeit gegenüber Schmerzen deutlich ab. Dasselbe passiert bei Unfällen: So kommt es, dass Menschen selbst schwer verletzt noch um Hilfe rufen können, weil sie den Schmerz nicht fühlen können.

Chronische Schmerzen, ein weibliches Problem?

Frauen leiden häufiger an chronischen Schmerzerkrankungen als Männer. Dies trifft auf (fast!) alle Arten von Schmerzen zu, wie beispielsweise Kopfschmerzen, Migräne und verschiedene Formen von Muskel-, Gelenk- und Knochenschmerzen. Es gibt Hinweise, dass die Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem, also im Rückenmark und im Gehirn, bei Frauen deutlich sensibler ist, was folgerichtig Prozesse wie die Schmerzchronifizierung begünstigt.

Exkurs

Obwohl Frauen deutlich häufiger an chronischen Schmerzen erkranken, werden dennoch Schmerzmedikamente fast ausschließlich an männlichen Probanden getestet. Die Medikamententests sind aber nicht ohne weiteres auf Frauen übertragbar. Das führt deshalb zu unangemessenen Dosierungen mit entsprechenden Nebenwirkungen und Unverträglichkeiten.

Schmerzempfinden – Männer haben Vorteile

Neue Studien konnten zeigen, dass sich Männer schneller an Schmerz gewöhnen können, da sie mehr Endorphine als Frauen ausschütten. Frauen sind sensibler, haben eine besseres sensorisches Empfinden. Deshalb können sie kleinere Temperaturschwankungen oder auch Gerüche und Farben besser unterscheiden. Das könnte einer der Gründe für eine niedrigere Schmerzschwelle sein.

Und was ist mit den Genen?

Es gibt Hinweise, dass sie eine Rolle spielen könnten. Rothaarige, hellhäutige Frauen sind empfindlich auf Kälte- und Hitzeschmerz,  tolerieren jedoch Druckschmerz besser als zum Beispiel brünette Frauen. Ein großes Forschungsfeld.

Das Gen für rote Haarfarbe nennt man Mc1r. Dieses Gen verändert zusätzlich auch die Opioidrezeptoren der Träger und Trägerinnen. Sind Frauen Trägerinnen dieses Gens, sprechen sie auf Schmerzmittel, die diese Rezeptoren nutzen, stärker an als Frauen, die dieses Gen nicht tragen. Männer mit dem Gen Mcr1 hingegen haben diesen Effekt nicht!

Epigenetik

Innerhalb der Geschlechtergruppen gibt es immer Menschen, die schmerzempfindlicher oder schmerzunempfindlicher als die anderen sind. Woran liegt das? Unsere Erfahrungen verändern unsere Schmerzwahrnehmung. Unsere Erfahrungen verändern unsere Genstruktur. Wie funktioniert das? Folgt unserem Schmerz zum Besipiel immer als Reaktion eine große Zuwendung an Liebe, haben wir einen sogenannten Sekundärgewinn. Durch diesen wird ein Gen für unsere Schmerzschwelle modifiziert, sodass wir Schmerz früher und intensiver wahrnehmen.

Mimose oder Held?

Ein Blick ins Gehirn verrät es. Menschen mit einer intensiven Schmerzwahrnehmung besitzen deutlich weniger graue Substanz in der Region, die man dem sogenannten Ruhezustandsnetzwerk zuordnet. Diese Region ist dann am aktivsten, wenn wir Tagträumen. Wer also öfter einmal nur so seinen oder Gedanken nachhängt, stärkt diese Region und kann so seine Schmerzempfindung herabsetzen.

Von Mäusen und Menschen

Die berühmten Schmerz-Studien von Robert Sorge und seinem Team an männlichen und weiblichen Mäusen zeigen deutlich, dass Schmerzempfinden bei weiblichen und männlichen Mäusen auf unterschiedlichen Wegen entstehen.

Kurioses

Werden Labormäuse von  Männern betreut, empfinden sie mehr Schmerz. Sind dagegen Frauen die Betreuer, vermindert das das Schmerzempfinden. Fakt ist, dass Labormäuse auf den Geruch von Männern gestresst reagieren. Sind dagegen Frauen im Raum, entspannen sie sich deutlich. Warum ist das wichtig? Weil Stress das Schmerzempfinden von Versuchstieren und natürlich auch von Menschen verändert. Stress erhöht das Schmerzempfinden und Schmerz löst dann wieder zusätzlichen Stress aus.

Echt jetzt? Ja! Und so lassen sich natürlich auch Medikamententests und wissenschaftliche Studien verändern. Man vermutet, dass durch diesen Mechanismus die Aktivität der schmerzassoziierten Gehirnareale gedämpft wird, was sowohl die Intensität des Schmerzes als auch seine subjektive Wahrnehmung beeinflusst.

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41 Antworten auf „Schmerzempfinden“

  1. Liebe Annette,

    ich denke schon, dass es einen Unterschied zwischen dem Schmerzempfinden einer Frau und eines Mannes gibt. Das liegt, denke ich, auch schon daran, wie unsere Körper aufgebaut sind. Mein Mann beispielsweise steckt Rückenschmerz ganz anders weg als ich.
    Aber ich denke auch, dass wir selbst beim eigenen Geschlecht unterschiede im Schmerzempfinden feststellen werden.
    Bin aber sehr gespannt, wie es in der Realität aussieht.

    Liebe Grüße,
    Mo

  2. Interessante Frage. Grundsätzlich denke ich aber auch, dass Männer ein anderes Schmerzempfinden haben, als Frauen. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Geschlecht mehr Schmerz aushalten kann, es ist denke ich letztlich die Wahrnehmung eine andere…

    Liebe Grüße
    Birgit

  3. Mhh, wer schmerzempfindlicher ist, kann ich gar nicht wirklich sagen. Ich glaube, das ist subjektiv. Meine Mutter ist sehr anfällig für Schmerzen und kommunizert das dann auch gern jedem. Ich persönlich versuche Schmerzen immer auszusitzen oder Hilfsmittel zu finden, klage aber nicht soviel rum. Beim männlichen Geschlecht gibt es glaub ich auch solche und solche! Manche nehmen es wie ein Mann halt, andere sind da eher empfindlich!

    Liebe Grüße
    Jana

  4. Ich glaube Schmerzempfinden ist bei jedem Menschen sehr unterschiedlich und nur schwer vergleichbar. Außerdem geht jeder mit Schmerz anders um … also ich sehe nicht nur Unterschiede zwischen Männern und Frauen, sondern Unterschiede ganz allgemein.

    lg
    Verena

    1. Liebe Verena,
      im Artikel geht es um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Aber Du hast natürlich recht, niemand ist die „Wissenschaft“ sondern einmalig.
      Alles Liebe
      Annette

  5. Also gerade der Teil mit den rothaarigen fand ich persönlich sehr interessant, bin ich doch schließlich auch rothaarig 🙂

    Auch das Frauen gerade bei der Geburt diese Schmerzen aushalten finde ich von Mutter Natur sehr sinnvoll gestaltet, anders wäre es auch kaum auszuhalten.

    Viele Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

  6. Ein sehr spannendes Thema! Leider leidet in meinem nahen Umfeld auch jemand unter dauernden Schmerzen. Es ist leider für Außenstehen oft nur schwer nachvollziehbar, vor allem, wenn man selbst eine hohe Schmerzgrenze hat. Und so viel wie ich tagträume dürfte ich ja gar keine Schmerzen mehr haben! 😉

  7. Also mein Mann ist defintiv sehr schmerzunempfindlich, das ist manchmal aber gar nicht so toll. Er war mit einem Bänderanriss noch arbeiten, wollte bei einer Lungenentzündung nicht zum Arzt und ist überhaupt ein ungeduldiger und uneinsichtiger Patient! Er war übrigens in seinem ganzen Leben (er wird 64) noch nie im Krankenhaus, nur zu einer ambulanten OP in einer chirurgischen Praxis. Also die berühmte Männergrippe kennt er auch nicht 😉

  8. Das war wirklich ein spannender Beitrag! Bei Kopfschmerzen kann ich den Unterschied im Schmerzempfinden zwischen Frau und Mann öfter beobachten. Wo ich schon im verdunkelten Raum liege und fast schon heule vor Kopfschmerz, kann mein Mann noch immer das Tagesgeschäft erledigen.
    Das menschliche Wesen ist spannend.
    LG
    Carina

  9. Liebe Annette, das ist ja ein richtig toller Beitrag!!!
    Ich glaube auch, dass Frauen deutlich häufiger an chronischen Schmerzen erkranken, aber Männer einfach wehleidiger sind, wenn sie mal was haben. Das mit den Mäusen ist ja wirklich lustig, dass diese bei Betreuung eines Mannes wehleidiger sind!

  10. Liebe Annette,
    ich denke es gibt sicher Unterschiede zwischen Mann und Frau. Wobei mein Sohn weniger Schmerz aushält, meine Tochter viel mehr. Es kommt einfach auf den Mensch an. Ich habe auch ständig neuropathische Schmerzen aber gelernt damit umzugehen und gegen den Schmerz z.b. zu Atmen.
    Liebe Grüße Caro

    1. Liebe Caro,
      Individuen unterscheiden sich sicherlich von dem Durchschnitt, dennoch finde ich es sehr interessant, dass die Studien zeigen, dass Männer schmerzunempfindlicher sind.
      Alles Liebe
      Annette

  11. Liebe Annette,

    wow – ein super interessantes Thema! Und wirklich vielseitig. Besonders interessant fand ich, dass sich auch Stress auf unser Schmerzempfinden auswirkt.
    Wirklich ein super Beitrag!

    Viele liebe Grüße,

    Tabea

  12. Der Beitrag ist echt mega interessant und zeigt mal wieder was unser Körper eigentlich so drauf hat. Stichwort: Endorphine … Ich hätte aber der Umfrage aber auch auf jeden Fall geantwortet, dass Männer definitiv das wehleidigere Geschlecht sind. Ich sag nur: Männergrippe 😀

    Liebe Grüße, Milli
    (https://www.millilovesfashion.de)

  13. Ich habe auch schon bemerkt, dass das Schmerzempfinden bei Männern und Frauen anders ist. Im Alltag tue ich mich öfter weh als mein Mann oder aber ich empfinde es einfach anders. Bei der Geburt meinet Tochter war es allerdings ganz anders, vielleicht weil es ein ganz anderes Schmerz ist, den man da empfindet.

    Viele liebe Grüße Anja

  14. Liebe Annette, wieder ein sehr interessanter Beitrag zu einem attraktiven Thema. Spontan hätte ich gesagt, wir Frauen halten mehr aus als Männer, aber ganz so einfach ist es ja dann doch nicht. Vielen lieben Dank, ich lese immer wieder gerne bei dir, weil du kurz und knapp und auf den Punkt schreibst, zu komplexen medizinischen Sachverhalten, liebe Grüße Bettina

  15. Sehr interessantes Thema! Auch interessant es mal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Im Ethnologiestudium hatten wir das Thema auch mal ein Semester, aber aus gesellschaftlicher / kulturwissenschaftlicher Sicht. In erster Linie ging es dort um die Zuschreibungen des Geschlechts und der Schmerzresistenz. Diese Annahme zeigt sich vllt auch hier in den Kommentaren, wenn man diese so durchliest 😉

  16. Danke für diesen interessanten Beitrag.
    Ich bin ja prinzipiell für eine geschlechtsspezifische Medikamentenforschung, da der weibliche und der männliche Körper einfach (besonders biochemisch!) verschieden funktionieren.

    Sehr interessant finde ich den angesprochenen Punkt Epigenetik: Ich reagiere prompt auf das Weinen meines Kindes, das sich gerade verletzt hat. Damit möchte ich aber nicht das Schmerzempfinden erhöhen, sondern eher mein Kind stärken, die Bindung zu meinem Kind. Darum bin ich nun irritiert, dass eine prompte Reaktion auf Schmerz diesen früher auslösen sollte. Vielleicht lese ich diesen Sachverhalt auch einfach falsch. Prinzipiell verstehe ich Epigenetik, besonders in Bezug auf Krankheitsentstehung. Dieser Zusammenhang erschließt sich mir momentan auch rein (evolutions-) biologisch nicht. Oder verwechsel ich „Liebe“ mit „Aufmerksamkeit“? Vielleicht kannst du mir auf die Sprünge helfen 🙂

    1. Liebe Charlie,
      Du hast es schon ganz richtig verstanden. Wenn ein Kind sich weh tut (ich meine damit keine bedrohliche Situation) und bekommt von jedem in der Umgebung Zuwendung, lernt es diese Zuwendung mit dem Schmerz zu verbinden. Bekommt das Kind aber in vielen positiven Situationen ebenfalls Zuwendung verfestigt sich diese Verbindung Schmerz = Zuwendung nicht. Genauso „schädlich“ ist es den Schmerz des Kindes zu ignorieren. Nach dem Motto „stell Dich nicht so an“, oder „ein Indianer kennt keinen Schmerz“. So entstehen Menschen, die sich selber nicht mehr spüren und auch für andere kein Mitgefühl entwickeln können. Wenn ein geliebter Mensch sich verletzt, dann leiden wir mit. Darin liegt die Gefahr, dass wir unseren Schmerz zusätzlich übertragen. Hilfreich ist es, sich angewöhnt sachliche Fragen während des Tröstens zu stellen und seine eigenen Emotionen zu kontrollieren. Du findest sicherlich das richtige Maß.
      Alles Liebe
      Annette

  17. Super spannendes Thema. Auch wenn ich glaube, dass es enorm schwierig ist, da eine Aussage treffen zu können, denn es kann ja immer jeder nur sein eigenes Schmerzempfinden angeben. Aber auf jeden Fall sehr cool, dass du da ein paar Infos und Statistiken zusammen getragen hast!

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