Vom ätherischen Öl zum Geist in der Flasche

Aromatherapie Gastbeitrag Sandra Ananda

Gastbeitrag von Sandra Ananda

Gerade hatte ich meine Ausbildung in der Aromatherapie abgeschlossen und war auf dem besten Wege Heilpraktikerin zu werden, da bekam ich die Möglichkeit zur Mitarbeit in einer Heilpraktikerpraxis. Ein mitreißender Fall: eine junge Patientin, Anfang 20, mit Herzinsuffizienz, Atemnot beim Liegen, vergrößerter Leber, Bauchwassersucht, Darmdysbiose. Im Gespräch wurde deutlich, dass diese junge Frau durch ihren angeborenen Herzfehler noch nie die Kraft gehabt hatte, wirklich im Leben zu stehen. Da ihr Arzt keinen Handlungsbedarf sah und andere Therapien aufgrund diverser Ängste nicht zugänglich waren, sollte ich im Rahmen meiner Weisung mit Aromamassagen etwas Entspannung vermitteln.

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Entspannung. Das, so denken viele, ist die Hauptabsicht und Möglichkeit der Aromamassage. Schließlich hat man sie sicher schon in vielen Spa- und Wellness-Angeboten gelesen.

Die Klientin kam sechs Mal in die Praxis, bekam Aufmerksamkeit, ein Ölrezept für die Anwendung zuhause und natürlich jedes Mal eine Aroma-Teilmassage, die auf die aktuelle Tagesform abgestimmt war. Als ich mit der sechsten Massage fertig war und in den Besprechungsraum zurückging, mich meinen Aufzeichnungen widmete und auf die Klientin wartete, blieb mir plötzlich kurz der Atem stocken. Sie kam herein und strahlte, war präsent und vermittelte zum ersten Mal wirkliche Stärke. Ich war begeistert.

Es war das letzte Mal, dass wir uns sahen. Sechs Monate später bekam ich die Nachricht, ihr aktueller Befund zum Herzen wäre da: Es konnte kein Herzfehler mehr diagnostiziert werden. Schulmedizinisch konnte das nicht erklärt werden.

Ätherische Öle: Vom klassischen Auswahlverfahren zur Psyche

Bis heute beeindruckt mich diese Geschichte. Sie lehrte mich, dass über ätherische Öle, also über die Düfte der Pflanzen, unser Körpersystem zu weit mehr befähigt wird, als „nur“ zur Entspannung. Selbstverständlich hatte ich im Rahmen meiner Ausbildung beispielsweise die individuellen Wirkungsweisen auf das Herz-Kreislaufsystem, die Leberzellen und -funktion, die bakterielle Flora des Darmes gelernt, was meine Auswahl der verwendeten Öle bestimmte. Aber zudem wählte ich auf der damals noch sehr dünnen Informationslage zur psychischen Wirkung der Pflanzen und Düfte. Angelikawurzel war zum Beispiel in fast allen Massagen und in ihrer Zuhausemischung untergebracht. Mit ihr kommen wir in unsere eigene Kraft und lernen, unseren eigenen Weg zu gehen, ohne uns von fremden Sichtweisen beeindrucken zu lassen. Ganz im Sinne: Alle kochen nur mit Wasser. Gleichzeitig stärkt sie das Verdauungssystem und das Immunsystem. Der Duft schien perfekt für eine wirklich tiefgreifende Entspannung meiner Klientin.

Es hatte mich schon immer interessiert, was Düfte noch so alles inspirieren und nie war ich glücklich über die wissenschaftlich erforschten Eigenschaften wie „angstlösend“, „stimmungsaufhellend“, „konzentrationsfördernd“. Ja, welche Angst denn genau? Und in welcher Situation und wozu wird die Konzentration gestärkt? Aus welchen Gedankenkreisen, die unsere Stimmung drücken, befreit uns der Duft? Das kann doch nicht für alle Düfte gleich gelten, die „angstlösend“ sind, „stimmungsaufhellend“ usw..

Die Individualität der Pflanze aus Blaupause für die psychische Wirkung

Ich sog alles auf, was irgendwo über die psychische Wirkung von Düften geschrieben stand. Mir wurde klar, dass jede Pflanze einen ganz eigenen Ausdruck hat, der sie individuell ausschauen, wachsen und sie in ihre Umgebung einfügen lässt. Dies war vielleicht der Abdruck eines dahinterliegenden Grundthemas. So wanderte ich schließlich durch die Signaturenlehre, mit der man lernen kann, an Pflanzen abzulesen, was in ihnen steckt. Immer mehr solcher ganzheitlicher Aspekte wurden mir zugänglich.

Inspirationen aus dem Ökodorf: Mit Pflanzen sprechen

Ich erinnerte mich an Begegnungen vor einiger Zeit mit Menschen, die im schottischen Ökodorf Findhorn lebten. Dieses Dorf wurde auf unwirtlichem, kargen Land in rauem Klima aus der Not geboren. Ein paar wenige Menschen, die sich jedoch seit Jahren in spirituellen Praktiken übten, wurden mittellos und begannen aufgrund tiefer Eingebung auf einem Camping-Platz ein Selbstversorgungsprojekt. In täglichen Meditationen kamen sie in Kontakt mit dem Land und einzelnen Pflanzengeistern. Kurzum, sie redeten einfach mit ihnen und bekamen genaue Anweisungen wie, wo und mit welchen anderen Pflanzen sie gepflanzt werden wollten. Der Garten wuchs und wuchs, ebenso wie die Gemeinschaft, die heute ein Leuchtturm für viele alternative Lebens- und Bauweisen ist. Einfach mit Pflanzen reden… ach, das wäre toll.

Literaturstudien und Praxiserfahrungen zur psychischen Wirkung von Düften

Ein Autor im Kreise der Duftpflanzen machte auch so etwas. Thomas Kinkele war es, der mir damals mit seinem Kartenset den Weg in die psychische Welt der Düfte überhaupt ermöglichte. Durch ihn wählte ich für meine erste Klientin damals u.a. die Angelikawurzel. Ein paar weitere Autoren veröffentlichen weitere Herangehensweisen zur psychischen Ebene der Düfte. Tolle, nein geniale, Informationen stehen uns mit ihnen zur Verfügung. Doch einfach mal etwas nachblättern, für den (Praxis-)Alltag begreiflich und übersichtlich, war für viele damit immer noch nicht möglich.

Ich hatte mittlerweile meine Aromapraxis zunächst als Heilpraktikerin für Psychotherapie aufgebaut. Die psychische Wirkung war ein steter Sog und die Leitfrage immer „Wann ist welcher Duft der richtige?“. Meine Erfahrungen wuchsen, das Detailwissen auch, die Verbindungen zu anderen Sichtweisen bauten sich stetig auf. In mir wuchs immer stärker das Bedürfnis, endlich eine Quintessenz zu den Düften formulieren zu können. Da begegnete mir zu einem erneuten Male der Schamanismus in meinem Leben.

Mein eigener Zugang zur Pflanzenkommunikation

Wenig später lernte ich an der renommierten Foundation for Shamanic Studies das schamanische Reisen. Von nun an hieß es auch für mich: Einfach mal mit Pflanzen reden! Ich hatte meinen eigenen Zugang zur Pflanzenkommunikation gefunden und stellte mich ersten Versuchsreihen. Nachdem ich Informationen zu einigen Pflanzen auf schamanischen Reisen herausfand, studierte ich die Fachliteratur erneut. Was stand schon geschrieben? In der Aromatherapie und der Phytotherapie. Was ist alt-überliefert? Was macht Sinn, aufgrund neuer Forschungen? Es passte wie angegossen. Schon bei der Kommunikation mit den Pflanzen zeigte sich das Bedürfnis, die gewonnenen Erkenntnisse weiter zu vermitteln. Meine Idee war, möglichst greifbare Worte und Situationen für die Pflanzenthemen zu fassen und in ein recht übersichtliches Format zu bringen. So war die Idee für ein Buch geboren.

Wie Psycho-Aromatherapie funktioniert – vielleicht

Mir ging es immer darum, eine Brücke zwischen Mensch und Pflanze zu bauen. Denn, wenn wir zum aktuell richtigen Duft greifen oder jene Pflanze aufsuchen und bei ihr innehalten, dann verbinden wir uns mit unserem Ursprung. Dies ist nicht nur tief entspannend, sondern lässt uns und unseren Lebenssinn wieder spürbar werden. Der Duft löst eine innere Spannung, die uns davon bisher trennte. Das ist der Punkt, an dem Selbstheilung ausgelöst wird. Nichts anderes ist wohl das Geheimnis von jenem ersten Fall der Aromatherapie mit der jungen Frau, die ihre Lebenskraft fand und – für uns wunderhaft – ihren angeborenen Herzfehler hinter sich lassen konnte. Ihre eigene Selbstheilungskraft konnte endlich in diesem Prozess fließen. Soweit lautet zumindest meine These, die durch eigene stimmigere Überlegungen gern ersetzt werden kann.

Wann nun ist welcher Duft der richtige?

Auch mein Buch ist dafür nicht die Absolution. Es mit anderen Fachbüchern zur körperlichen Wirkung zu verbinden, ist empfehlenswert. Erfahrung, auch in anderen Bereichen der Pflanzenheilkunde, ist sinnvoll. Dennoch bietet es einen niederschwelligen Zugang, der es ermöglicht, mit dem Herzen der Pflanzenwelt zu begegnen. Wer sich Gefühls- und Gedankenwelten vertraut fühlt, findet sich hier gut zurecht. Die Alltagsgeschichten erinnern an eigene und dennoch schwingt überall eine größere Weisheit mit, die von den Pflanzen getragen wird. Tatsächlich wurden die Texte geschrieben, während ich noch sehr von den Pflanzenbegegnungen berührt war, sodass sich in und zwischen den Worten mehr verbirgt.

Die Sprache der Bilder nutzen

In der ein oder anderen Rückmeldung zum Buch wurde geäußert, dass man sich gern Bilder zu den Pflanzen gewünscht hätte. Da das Buch im Selbstverlag entstand, in kleiner und on-demand-Auflage, hätte das den Preis explodieren lassen. Doch inspirierte mich die Idee, ein Kartenset zum Buch zu gestalten. Hier sind alle 79 besprochenen Düfte aus dem Buch vertreten, mit Farbbild, das die Kraft der Pflanze schon vorausahnen lässt. Sie werden um positiv formulierte Fragen ergänzt, die uns diese Pflanzen und ihre Düfte stellen. Diese sind auch im letzten Kapitel des Buches zu finden. Ein Kartenset eröffnet weitere Arbeitsmöglichkeiten. Vor allem in der Psychotherapie können die Karten Gesprächsöffner sein oder intuitiv zum Träger und Botschafter zwischen Sitzungen werden.

Was als Quintessenz entstanden ist, sind Botschaften der Natur, die uns zurück zur Eigenmacht bringen. Dabei können sie aber professionell genug im therapeutischen Geschehen eingesetzt werden, was mir immer eine wichtige Qualität war.

Auf die Fortsetzung des 1. Buchbandes warten nun schon einige sehnlichst. Es ist aktuell für 2020 geplant und wird wieder um die 80 verschiedenen Düfte miteinander vergleichen.

Aromatherapie -Vom Geist in der Flasche
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Vita:

Aromatherapie Sandra Ananda
Sandra Ananda

Sandra Ananda ist Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Aromatherapie und Microkinesitherapie in Berlin. Sie sieht vor allem die psychischen Ursachen im Kontext chronischer Erkrankungen und die Chancen von Lebenskrisen, die mit jenen Methoden elegant und wohltuend aufgefangen und begleitet werden können. Ihren psycho-aromatherapeutischen Ansatz vermittelt sie in Ausbildungen und Seminaren an verschiedenen Orten im In- und Ausland. Mehr dazu auf www.sandraananda.de.

11 Antworten auf „Vom ätherischen Öl zum Geist in der Flasche“

  1. Es gibt soviel mehr zwischen Himmel und Erde, als wir bewußt wahrnehmen. Daher finde ich das Thema ätherische Öle und ihre Wirkung immer sehr interessant.
    Denn alles, was den Körper in seiner natürlichen Selbstheilung unterstützt, ist gold wert.
    Was haben wir denn wichtigeres als unsere Gesundheit?

    Liebe Grüße, Katja

  2. Es gibt so viele Dinge, mit denen ich mich bisher nicht oder kaum auseinandergesetzt habe. Bin da aber auch irgendwie immer etwas skeptisch, was die Wirkung betrifft. Gibt ja leider auch viel Humbug auf dem Markt. Daher finde ich es gut, dass du, liebe Anette, durch deine eigenen und auch Gastbeiträge auf vieles aufmerksam machst!

  3. Hallo, ich denke es gibt so einige Themen, mit denen wir uns nicht wirklich auseinandersetzen und somit diesen Wirkung nicht bewusst sind. Sich mit ätherischen Ölen so gut auszukennen ist vom Vorteil, gerade wenn es um einen selbst geht. Danke für diesen tollen Artikel, liebe Grüße Claudia

  4. Huhu,

    über Aromatherapie habe ich mir noch nie Gedanken gemacht und finde daher solche Erfahrungsberichte oder Berichte im allgemeinen immer hilfreich. Vielleicht sollte ich da mal offener werden 🙂

    LG
    Steffi

  5. Ein sehr interessanter Beitrag! Ich wusste gar nicht, dass es solche Aromatherapien gibt! Mich persönlich macht der Duft von Zitronen total glücklich 🙂 Solch eine Massage würde ich auch mal ausprobieren!

    Liebe Grüße
    Jana

  6. Auch so ein Thema, über das ich mir noch nie Gedanken gemacht habe. Aber was du hier beschreibst hört sich sehr interessant und spannend an. Es gibt einfach so viel, was wir nicht wissen.

  7. Was für eine positive Geschichte, ich beschäftige mich viel mit Kräutern, ätherische Öle habe ich bisher nie beachtet, da meine Jungs und mein Mann immer die Nase rümpfen.
    Aber, das werde ich jetzt einmal mehr ins Auge fassen.

    Vielen Dank und liebe Grüße
    Manja

  8. Hallo Annette, dein interessanter Beitrag erinnert mich an meine eigenen Begegnungen mit der Aromatherapie vor Jahren: Ich habe mit Duftlampen gearbeitet, jedoch ohne zu wissen, wie viel wirklich dahinter steckt. Habs dann einschlafen lassen, aber dein Bericht inspiriert mich neu, mich mit dem Thema zu befassen, Danke! liebe Grüße Bettina

  9. Als ich schwanger war, bekam ich ätherische Öle geschenkt. Ich fand wirklich, dass der Duft mich belebt aber auch beruhigt hat. Damals hatte ich ziemliche schlafprobleme und habe etwas gebraucht, das mich runter holt.
    An meiner Haut vertrage ich die leider nicht so gut.
    Viele Grüße
    Wioleta

  10. Schade dass die Praxis in Berlin ist. Ich hätte sonst jemanden, den ich vorbeischicken würde. Aber ich werde jetzt eine Praxis in der Nähe suchen. Vielleicht kann die Aromatherapie dann auch helfen. Das Thema finde ich jedenfalls unglaublich spannend, auch weil meine Schwester sich immer mehr mit Pflanzenheilkunde befasst.

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