#9 Gesundheitsgeflüster der Podcast

#9 Podcast Gesundheitsgeflüster Mitleid

Warum Du kein Mitleid haben solltest

Wie jetzt, das ist doch wichtig, Mitleid zu haben. Nein, ist es nicht, es ist schädlich. Jeder von uns kennt sicherlich den Spruch „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. In Wahrheit ist geteiltes Leid doppeltes Leid!

Mit anderen mitzuleiden lässt uns leiden. Wer mitleidet, hat dem Leid nichts entgegenzusetzen, da er in den dunklen Sumpf des Leids mit einsteigt. Das macht es unmöglich dem Anderen hilfreich zur Seite zu stehen. Mitleid macht ratlos und hilflos. Wer mitleidet, dem fehlt der Abstand zum Leid des anderen. Wer keinen Abstand hat, kann nichts erkennen und daher auch nichts zur Verbesserung der Situation beizutragen.

Außerdem ist Mitleid nicht immer nett und hat auch etwas damit zu tun, dass der Mitleidende erleichtert darüber ist, nicht selbst betroffen zu sein.

Mitleid nützt dem Gegenüber nichts und schadet Dir. Untersuchungen in Krankenhäusern haben gezeigt, dass Krankenschwestern, die sehr viel Mitleid empfinden, schneller in einen Burnout rutschen als Krankenschwestern, die Mitgefühl entwickeln. Deshalb ist Mitgefühl so enorm wichtig.

Stell Dir einmal vor, Du bist in einer Lebenskrise und jemand teilt Dir ungefragt mit, dass er mit Dir leidet. Was glaubst Du, empfindest Du in dieser Situation? Die ganze Welt bemitleidet Dich, weil Deine Situation aussichtslos ist. Das schwächt Dich und Du ergibst Dich der Situation, anstatt Dir Handlungsoptionen zu eröffnen.

Was ist Mitgefühl?

Wer Mitgefühl mit einem Wesen hat, bei dem geht es nicht um die eigene Person. Wir registrieren das Leid, beziehen es aber nicht auf uns. Wir bleiben auf Distanz. Aus dieser Position heraus ist es möglich, ruhig, gelassen und handlungsfähig zu bleiben. So ist es uns möglich, hilfreiche Empfehlungen abzugeben und dem Anderen wirklich zu helfen.

Fühlen wir mit jeman­dem mit, haben wir genug emo­tio­na­len Abstand, um eine objek­tive Sicht­weise ein­zu­neh­men. Der Schlüs­sel, um zum Fels in der Bran­dung zu werden.

Mitgefühl passiert auf Augenhöhe

Wer Mitgefühl empfindet, gibt nicht ungefragt einen Ratschlag ab, sondern begegnet dem Gegenüber auf Augenhöhe. Ist Hilfe nicht gewünscht übt man sich in Akzeptanz. Man ist da, ohne in hilflosen Aktionismus oder Floskeln, wie „Auch das geht vorbei“, zu flüchten.  Mit­ge­fühl ist stille Anteil­nahme, ohne sofort etwas tun zu wollen oder das Leid abzu­wen­den.

47 Antworten auf „#9 Gesundheitsgeflüster der Podcast“

  1. Liebe Annette, Du hast eine sehr angenehme Stimme., das musste ich erst einmal los werden. 🙂
    Ich glaube, ich kann das Thema nicht so ganz getrennt sehen wie Du. Mitgefühl hat für mich persönlich auch immer etwas Mitleid beigemischt, denn meist leide ich mit. Ich versetze mich zu oft in die Lage des Anderen und es geht mir sehr nah. Zuhören und Rat geben kann ich jedoch auch, aber auch da versetze ich mich in die Lage des Anderen. Dein genanntes Beispiel ist allerdings auch krass, in diesem Fall hilft Mitleid absolut nicht, nur Mitgefühl und echtes Helfen. Aber ja, ich erwische mich oft bei dem Gedanken: „Zum Glück ist mir das nicht passiert, oder zum Glück bin ich nicht in dieser Situation.“

    LG Manja

    1. Liebe Manja,
      danke! Man kann es üben, indem man sich immer fragt, was hat der bemitleidete jetzt davon und was habe ich davon?
      Alles Liebe
      Annette

  2. Das ist ein schöner Beitrag, der einem zum Nachdenken anregt. Man hat oft Mitleid mit anderen und weiß auch oft nicht, wie man sich dabei fühlen soll. Ob man das nun „abschalten“ kann, ist eine andere Frage.

    1. Liebe Claudia,
      ja das ist ein wichtiges Thema im Gesundheitssystem. Oft verhärten sich dann die, die es nicht aushalten können und werden kalt und zynisch. Ein Selbstschutzmechanismus.

  3. Ich hab mir noch nie Gedanken über Mitleid und Mitgefühl gemacht. Aber du hast vollkommen recht, dass einem Mitleid nur mit in den Sumpf zieht. Ich erwische mich leider auch sehr oft, wie ich mitleide, aber selbst kein Mitleid haben will. Nur Mitgefühl zeigen fällt mir aber eher schwer!

    Liebe Grüße
    Jana

  4. Ein interessanter Gedanke, wenn man darüber nachdenkt, sicherlich richtig. Außerdem kann das „Mitleiden“ zu noch mehr Stress bei den eigentlich Leidenden führen, da sie meinen, den Mitleidenden auch noch trösten zu müssen.

  5. Liebe Annette,

    der Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl war mir ehrlich gesagt gar nicht so bewusst. Aber ich bin ein sehr mitfühlender und emphatischer Mensch … Mitleid habe ich eigentlich noch nie verspürt.

    lg
    Verena

  6. Huhu,

    als ich nur den Text gelesen habe, dachte ich mir: Hmmm,ich habe doch oft Mitleid?Aber dann hatte ich den Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl verstanden … Das Gefühl von Mitgefühl verspüre ich öfters… Danke für deine ehrlichen Worte.

    LG
    Steffi

  7. Ein toller Beitrag! Arbeitsbedingt habe ich in der ambulanten Kinder-Intensivpflege viel mit Mitleid zu tun. Ich versuche es aber sich auf der Arbeit zu lassen. Man sieht viel schlimmes, aber es lebt sich leichter wenn man im Hinterkopf hat, dass es einfach einen Grund gibt, warum was passiert. Das reicht mir schon um es nicht zu sehr an mich ran kommen zu lassen.

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Liebe Eileen,
      im Prinzip ist es einfach. Schau Dir wenn Du eines der Gefühle hast Dein Körpergefühl und nicht Deinen Verstand an. Willst Du zum Beispiel nur schnell aus der Situation raus, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Mitleid. Bleibst Du ganz ruhig und ruhst in Dir, und betrachtest Dein Gegenüber ohne schlechte Körpergefühle mit milden Augen, dann bist Du im Mitgefühl.
      Alles Liebe
      Annette

  8. Hallo Annette,
    vielen lieben Dank für deinen Podcast zum Thema Mitgefühl und Mitleid wo liegen die Unterschiede. Ich finde deine Gedankenanstöße sehr interessant und gebe dir rech: Ja, ein ungebetener Rat ist oft ein Schlag, das erlebt man ja selber auch: Wenn man gerade in einer etwas unglücklichen Situation ist und Jemand haut einem einfach einen Ratschlag um die Ohren ohne genau zu wissen wo man gerade steht, das ist dann oft nicht das, was man braucht und man ärgert sich oft genug über den Anderen …
    Liebe Grüße
    Bettina

    1. Liebe Bettina,
      leider kennen wir das alle, oder? Sowohl als Ratgeber als auch als Ratempfänger. Fangen wir an es zu verändern.
      Alles Liebe
      Annette

  9. Vielleicht ist Mitleid in seltenen Fällen doch positiv zu sehen. Da wo es Fluchtgedanken und Angst auslöst, ist es sicher nichts nutze. Aber da, wo es bedeutet, jemanden nicht allein zu lassen, obwohl man weiß, dass es nicht gut ausgeht? Ich muss da z.B. an Janusz Korczak denken, den Kinderarzt, der die jüdischen Waisenkinder seines Kinderheims ins KZ und bis in die Gaskammern begleitet hat, obwohl er auf dem Transport gar nicht mitfahren sollte und sich hätte retten können. Aber er wollte die anvertrauten Kinder nicht allein lassen in diesem Schlimmsten alles Vorstellbaren. So war er ihnen zumindest Beistand und Halt, auch wenn er weder die Kinder retten konnte noch selbst „etwas davon hatte“, sondern ebenfalls umgebracht wurde. Das ist mehr als Mitgefühl, das ist schon ein echtes Mit-Leiden, das ich nicht als negativ oder gar „ineffektiv“ bewerten würde.

    1. Liebe Susanne,
      das sehe ich anders. Er hat sein Leben gegeben und konnte für keinen mehr etwas bewirken. Märtyrer sterben früh und meist umsonst. Er hat sein Licht dem dunkeln geopfert anstatt es weiterhin leuchten zu lassen.
      Alles Liebe
      Annette

      1. Hm, das versteh ich nicht – warum dem Dunklen geopfert? Gerade er nicht… im Gegensatz zu denen, die ihr Leben tatsächlich an das Dunkle (= die Ideologie) verplempert haben. Während er den Opfern der Ideologie noch Licht gebracht hat. Er hat ja nicht beschlossen „Ich werd jetzt mal Märtyrer“, er wollte einfach nur seine Kinder nicht im Stich lassen. Und das bedeutete dann ein Mit-Leiden. Das in der Tat niemandem half als nur diesen todgeweihten Kindern auf der letzten Wegstrecke.
        Ob er aber etwas Besseres bewirkt hätte, wenn er noch 40 Jahre länger gelebt hätte, und hätte den Kindern beim Abtransport in kluger Voraussicht gesagt „Tschüß, macht’s gut, ihr müsst jetzt mal alleine dahinfahren, weil ich noch anderswo dringender gebraucht werde“…?
        Er hätte vielleicht 40 Jahre ohne Frieden mit sich gelebt und dann auch niemandem mehr mit Überzeugung helfen können.
        Vielleicht muss man aber hier dem Ganzen auch einen anderen Namen geben als das missverständliche „Mit-Leid“… Ich kannte es halt eher in dem o.g. Sinne, nicht im Sinne von Mitjammern und damit doppelt destruktiv wirken. 🙂

        1. Liebe Susanne,
          vielleicht trifft der Begriff Mitleid hier gar nicht zu und sollte mit dem Begriff Liebe ersetzt werden. Er ist seinem Herzen gefolgt und hat sich in Liebe dem Schicksal der Kinder angeschlossen. Wahrscheinlich war das sein einziger gangbarer Weg.
          Alles Liebe
          Annette

  10. Wenn man sehr sensibel ist, dann leidet man schnell mit, ob man will oder nicht. Aber dann ist Mit-Leid wirklich Programm. Ich kenne das von meiner Tochter. Sie ist so Empathisch, dass sie das Leid anderer zu ihrem eigenen macht.

  11. Ein wichtiger Unterschied. Mitleid und Mitgefühl ist eben nicht das Selbe und viele kennen diesen Unterschied nicht. Ich selbst finde es auch ganz schlimm bemitleidet zu werden, weil es eben nicht auf Augenhöhe stattfindet. Ich möchte lieber jemanden, der sachlich ein Problem mit mir bearbeiten kann, statt mir immer wieder zu versicher, was für eine arme Wurst ich doch bin.

    1. Liebe Anika,
      Du hast es auf den Punkt gebracht. Daher ist es oft sinnvoll sich professionelle Hilfe zu holen. Klar nicht mit jedem kleinen Problem, aber bei den größeren.
      Alles Liebe
      Annette

  12. Interessantes Thema und Du hast sicher recht, dass Mitleid nicht gerade hilfreich ist. Andererseits kann man es ja nicht nach Belieben an- und ausschalten. Man hat es erstmal oder man hat es nicht, denke ich. Mitgefühl ist aus meiner Sicht eher ganz ähnlich wie Mitleid, geht sogar noch weiter. Das Mitgefühl, das Du wahrscheinlich meinst, würde ich eher als Empathie verstehen. Aber das ist vielleicht Wortklauberei.:-) Jedenfalls hast Du mich zum Nachdenken angeregt…
    LG Renate von http://www.trippics.de

    1. Liebe Renate,
      Leid und Gefühl unterscheiden sich für mich sehr. Jeder versucht Leid zu vermeiden, man wird handlungsunfähig. Hört man auf sein Gefühl ist man meist gut beraten und ein guter Ratgeber.
      Alles Liebe
      Annette

  13. Liebe Annette,

    so habe ich das noch nie gesehen. Aber ja, Mitleid und Mitgefühl sind zwei verschiedene Gefühlsregungen. Ich persönlich mag es auch nicht, wenn Menschen mit mir Mitleid haben. Das bringt mich einfach nicht weiter.
    Wenn ich mich in einer, aus meiner Perspektive, ausweglosen Lage befinde, dann möchte ich, das mir mein Gegenüber sagt welche Möglichkeiten ich doch habe. Abstand finde ich wichtig. Ich brauche das auch, sonst kann ich nicht überlegt handeln.

    Liebe Grüße,
    Mo

  14. Huhu,

    der kleine aber feine Unterschied und du hast sowas von Recht. Mitleid ist nicht das richtige, Mitgefühl da schon eher. Toller Poadcast!

    LG
    Steffchen

    1. Liebe Heike,
      Dein Kompliment freut mich sehr. Ich bin immer so beschäftigt und schon ganz Stolz, dass ich einen Podcast im Monat schaffe. Ich arbeite daran!
      Alles Liebe
      Annette

  15. Du hast wirklich eine ganz ganz angenehme Stimme, da hört man gerne zu!
    Bisher habe ich mir noch gar keine Gedanken über den Unterschied von Mitleid/Mitgefühl gemacht – danke, dass du darauf aufmerksam machst… Ist ja tatsächlich etwas ganz anderes!

    Alles Liebe, Katii

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