Weihnachtsgefühle

Weihnachtsgefühle

Bittersüße Weihnachtsgefühle

Viele Menschen mögen Weihnachten nicht. Sie haben keine guten Weihnachtsgefühle. Ich meine nicht die, die den Weihnachtsstress nicht mögen, sondern die, denen es an Weihnachten irgendwie immer schlecht geht. Frage ich, warum das so ist, können die meisten das erst einmal gar nicht richtig benennen. Erst nach einem längeren Gespräch stellt sich dann heraus, dass es an den Erlebnissen aus ihrer Kindheit liegt. Versteht mich nicht falsch, da gab es in den seltensten Fällen etwas Dramatisches und dennoch…

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Dagmar

Da ist Dagmar, sie würde Weihnachten am liebsten ausfallen lassen. Sie hasst wirklich alles daran. Dagmar wuchs in einer großen Familie auf, die wenig Geld zur Verfügung hatte. Klar hat auch jedes ihrer fünf Geschwister, genau wie sie, einen Wunschzettel geschrieben. Das war dann jedes Jahr die Zeit des Hoffens. Jedes Jahr wurde aber diese Hoffnung enttäuscht. Wie kam das? Dagmar war die Jüngste der Geschwister. Da wenig Geld da war, bekam sowieso jedes Kind Kleidung zu Weihnachten. Dagmar bekam so gut wie nie etwas Neues. Immer wurde die Kleidung der älteren Geschwister für sie umgearbeitet und aufgehübscht. So war es auch mit den Spielsachen. Die Spielsachen der älteren Geschwister wurden gereinigt, ausgebessert und dann für Dagmar unter den Baum gelegt. Weihnachten bedeutet daher für Dagmar eine Aneinanderreihung von Enttäuschungen. Mittlerweile ist Dagmar sehr erfolgreich und kann sich alles leisten, was ihr Herz begehrt, doch das ändert rein gar nichts an ihrem Gefühl.

Michael

Michael fliegt schon viele Jahre an Weihnachten in die Karibik. Man könnte besser sagen, er flieht in die Karibik. Warum ist das so? Michael war katholisch, heute ist er das nicht mehr. Als Kind musste Michael vor Weihnachten zur Beichte gehen. Das war ihm immer eine Qual. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und empfand es als Strafe zur Beichte zu gehen. Meist wusste er nicht viel zu beichten und weigerte sich auch etwas zu erfinden, wie es viele seiner Freunde taten. Der Priester bohrte immer nach, da er nicht akzeptieren konnte, dass Michael  keine „Sünden“ begangen hatte. Noch heute wird ihm bei dem Geruch von Weihrauch schlecht. Auch an Weihnachten und den Weihnachtsfeiertagen verbrachte Michael mit seiner streng gläubigen Familie viel Zeit in der Kirche. Heute fliegt er in die Karibik, doch das ändert rein gar nichts an seiner Weihnachtsabneigung.

Die Heilung des Inneren Kindes
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Weihnachtsgefühle – Was passiert da an Weihnachten mit Dagmar und Michael?

Beide sind erwachsene Menschen, die sich ihr Weihnachtsfest gestalten könnten, wie sie es sich wünschen. Dennoch fürchten sie Weihnachten oder haben schlechte Weihnachtsgefühle. Beide haben versucht, mit ihrem Verstand dagegen anzukämpfen, doch vergeblich. Warum ist das so? Der verletzte Anteil in ihnen ist so mächtig, dass er es immer wieder schafft, an Weihnachten das Ruder an sich zu reisen. Dann steht nicht die erwachsene Dagmar, bzw. der erwachsene Michael auf der Bühne, sondern die kleine Dagmar bzw. der kleine Michael. Das innere Kind ist ganz einfach ausgedrückt der Anteil in uns, der für unsere gesamte Gefühlswelt zuständig ist. Betritt das Kind die Bühne spielt es, ohne dass der Erwachsene eingreifen könnte, seine Choreografie. Es spielt das erwachsene Ich an den Rand. Das innere Kind ist nämlich ein unbewusster Anteil von uns selbst.

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Die Arbeit mit dem inneren Kind

Durch die Auseinandersetzung mit dem inneren Kind bekommt man Zugriff auf ein sehr wichtiges Potenzial: die eigenen Gefühle. Man lernt, diese Kraft zu beherrschen und sie somit bewusst zu nutzen. Die beiden Beispiele zeigen, dass in der Kindheit emotionale Defizite entstanden sind, da Bedürfnisse nicht erfüllt wurden. In der inneren Kindarbeit lernt man alles, was man als Kind vermisst hat, sich selbst zu geben. Wer sich mit seinem inneren Kind auseinandersetzt, gibt ihm und damit sich selbst Trost, Verständnis, Geduld, Achtung, Aufmerksamkeit und Liebe. So gelingt es, den Teufelskreis aufzulösen.

Übung

Setze oder lege dich bequem hin und schließe Deine Augen. Atme tief ein, tief aus und beobachte ein wenig Deinen Atem. Lass vor Deinem inneren Auge Dein inneres Kind auftauchen und betrachte es Dir genau. Wie sieht es aus? Was für Emotionen hat es? Wie alt ist es? Öffne Deine Augen und schreib Dir alles auf, was Du gesehen hast. Du hast die erste Kontaktaufnahme mit Deinem inneren Kind gehabt.

Befreie das innere Kind und werde frei

Wenn es gelingt, dem inneren Kind all die Emotionen zu geben, die es braucht, dann hat es keine Veranlassung mehr, die Bühne Deines Lebens zu betreten. Ihr beide seid dann frei von der Vergangenheit. Nachdem Dagmar und Michael ihre inneren Kinder mit meiner Hilfe von ihren Emotionen befreien konnten, haben beide ihre ganz eigene Weihnachtsroutine entwickelt, mit der sie sich rundum wohl fühlen.

Innere Kinder betreten natürlich nicht nur an Weihnachten die Lebensbühne. Immer wenn ein Verhalten „unerklärlich“ erscheint, kann es sein, dass das innere Kind seine Emotionen ausspielt.

39 Antworten auf „Weihnachtsgefühle“

  1. Mit dem inneren Kind, bzw meinem inneren Kind beschäftige ich mich auch gerade. Und tatsächlich sind viele negative Verhaltensweisen damit zu ändern. Sehr befreiend. Auch anderen Menschen verzeihen befreit einen selbst.

  2. Liebe Annette,

    vielen Dank für den kurzen Einblick in diese „bittersüßen“ Weihnachtsgefühle. Ich persönlich mag Weihnachten, aber eher wegen des Familientreffens, statt der Geschenke wegen.
    Ich mag zum Beispiel Silvester nicht leiden und das könnte für mich auch komplett ausfallen. Aber das ist irgendwie auch nicht mit Weihnachten zu vergleichen.

    Liebe Grüße,
    Mo

  3. Es ist total schade, dass durch frühere Ereignisse das Weihnachtsfest so negativ geprägt ist. Meine Oma hatte auch nicht viel Geld, aber sie hat immer alles für mich getan. Weihnachten war für mich immer toll und noch heute freue ich mich auf das gemeinsame Beisammensein.

  4. Mit dem inneren Kind tue ich mir extrem schwer. Ich glaube, als Erwachsener ist man durchaus in der Lage, gewisse Dinge, die in der Kindheit geschehen sind, aus der Distanz zu betrachten und sich mit Gegebenheiten auszusöhnen. Zu vergeben oder Dinge abzuhaken. Auch ohne ein inneres Kind hervorrufen zu müssen.

    Ich mag alternative Behandlungsmethoden, jedoch bei gewissen – wie dem inneren Kind – tue ich mir halt extrem schwer.

    Aber wenn es gewissen Menschen hilft: Auf alle Fälle fein und ein gerechtfertigter Ansatz.

    Liebe Grüße,

    Doris

    1. Liebe Doris,
      jeder von uns darf für sich entscheiden ob die innere Kindarbeit das Richtige für ihn ist oder nicht. Allerdings eins am Rande, der Verstand kann das Unterbewusstsein nicht beeinflussen. Meist sind uns die Muster nicht einmal bewusst.
      Alles Liebe
      Annette

  5. Hallo Anette, danke für deine Tipps zur Arbeit mit dem inneren Kind. Die kleine Übung werde ich sicherlich probieren – ich kannte sie noch nicht. Zum Thema Weihnachtsgefühle: als Single stehe ich da inzwischen drüber – es gibt einfach seit Jahren keine Weihnachtsfeier für mich und Weihnachten berührt mich kaum. Schade weil es ein hohes christliches Fest ist, aber es ist so wie es ist…
    Liebe Grüße und frohe Weihnachten,
    Bettina

    1. Liebe Bettina,
      anscheinend macht das Singleleben vielen Menschen solche Feiertage schwer. Es gibt so viele Singles, da könnte man ja eine neue Weihnachtskultur kreieren.
      Alles Liebe
      Annette

  6. Ich denke, es ist ein wichtiger Schritt zu erkennen, warum man sich an Weihnachten unwohl fühlt und wo genau das herkommt. Klar sind wir heute erwachsen, aber Kinderseelen sind zerbrechlich. Und mehrere unangenehme Weihnachtsfeste in der Kindheit hinterlassen ihre Spuren. Klar, ändern kann man es nicht mehr. Aber seit ich verstanden habe, was genau passiert ist und wie es mich geprägt hat, fällt es mir leichter, heute die Feiertage so zu verbringen, wie es für mich gut ist. Was andere von mir erwarten, ist mir an diesen Tagen unwichtig. Danke für den inspirierenden Artikel, liebe Annette.
    Kleine Anekdote am Rande: die Geschichte Michaels hat mich an meine Beichterlebnisse erinnert. Unser Pfarrer war auch sehr streng und ich hatte immer Angst, eine Sünde bei der Beichte zu vergessen. Also habe ich den ganzen Sündenkatalog auswendig gelernt, die ganz krassen Sachen (Mord, Totschlag etc.) weggelassen und alles andere gebeichtet. Auch wenn ich bei vielen Sachen gar nicht wusste, was das ist….Ich frage mich heute manchmal, ob ich noch ein Guthaben habe

    1. Liebe Heike,
      ein Guthabenkonto für Sünden ist ein witziger Gedanke. Danke, dass Du Deine Geschichte hier einbringst und es ist schön, dass Du heute Weihnachten genießen kannst.
      Alles Liebe
      Annette

  7. Schade, dass anscheinend so viele Weihnachten mit einem schlechten Gefühl verbringen (müssen)…ich habe auch nicht immer Bilderbuch-Weihnachten gehabt – aber heute sorge ich selbst dafür, dass die Tage besinnlich, lecker und entspannt im Kreise meiner engsten Freunde, immer eine schöne Zeit am Ende des Jahres werden. Ohne Geschenke, aber mit viel Zeit, für die, die mir wichtig sind.

      1. Wie schön, dass Dagmar und Michael ihre schlechten Weihnachtsgefühle überwinden konnten! Ich liebe Weihnachten und habe nur gute Erfahrungen und Erinnerungen daran. Das versuche ich jetzt auch so meinen Töchtern weiterzugeben

  8. Ich finde es so wichig, dass dieses Thema einmal angesprochen wird, da ich der Meinung bin, dass uns unsere Kindheit extrem prägt, mehr als wir es uns oft eingestehen (wollen). Zudem kenne ich in meinem Umfeld Menschen, die mit Weihnachten genauso wenig umgehen können wie Dagmar und Michael. Erst im Laufe der Jahre begann ich zu verstehen, warum dem so ist…

  9. In den letzten Jahren war ich an Weihnachten auch meist ziemlich traurig, ich versuche es für mein Kind so schön wie möglich zu gestalten … also davor fliehen geht nicht … aber mir fehlt etwas. Auch in diesem Jahr wird es nicht anders sein, aber auch dieses Fest wird überstanden 🙂

    Liebe Grüße
    Jana

    PS: Ich wünsche dir ganz tolle Weihnachten!

    1. Liebe Jana,
      auch ich wünsche Euch zauberhafte Weihnachten. Wer den Fokus wechseln kann hin zum Positiven der erfährt das Wunder.
      Alles Liebe
      Annette

  10. Ich habe vor ein paar Tagen erst einen Beitrag zum Feeling Code auf meinem Blog hochgeladen in dem es ähnlich darum ging als vorgestelltes kleines Ich auf Entdeckungsreise im Körper zu gehen und sich auch hier Notizen zu machen. Das Thema ist auf jeden Fall wichtig, oftmals rennt man sein Leben lang mit inneren Blockaden oder Verhaltensmustern herum, die man eigentlich ablegen könnte, wenn man sich damit auseinandersetzt. Daher ein sehr toller Beitrag!!

    Liebe Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

  11. Ein toller Artikel! Meine Psychologin hat erst letztens mit mir gemeinsam mit meinem inneren Kind Kontakt aufgenommen. Ich war wirklich erstaunt, was ich über mich selbst lernen konnte! Sie sprach übrigens auch von der inneren Bühne.
    Viele Grüße
    Wioleta

    1. Liebe Wioleta,
      wer es erlebt hat wie Du, der kann die Macht der Arbeit mit dem inneren Kind erst richtig verstehen. Danke, dass Du das mit uns geteilt hast.
      Alles Liebe
      Annette

  12. Liebe Annette,

    ja unsere Erfahrungen und Erinnerungen prägen uns … und das innere Kind trägt dann die Sehnsüchte und Enttäuschen mit sich herum. Ich kann das gut verstehen dass Weihnachten nicht bei allen Menschen schöne Gefühle auslöst …

    lg
    Verena

  13. Ich hatte zu essen, ich hatte Kleidung und Liebe. Dafür bin ich dankbar. Mein Kind in mir hat also kein Weihnachten aufzuarbeiten. Außer vielleicht das Pony, das ich nie bekommen habe. Ja genau! DAS ärgert mein inneres Kind heute noch! Frohe Weihnachten, Annette.

  14. Hallo liebe Annette,
    wie schön zu lesen, das es eine Möglichkeit gibt, sich dieser kindlichen Gefühle bewusst zu werden.
    Ich persönlich, fand dieses Herausarbeiten der kindlichen Anteile sehr spannend und es ließ mich so sehr wachsen – Erwachsen werden! 🙂
    Alles Liebe und einen guten Rutsch ins Jahr 2020
    Karin aus http://www.badpyrmont.de

  15. Liebe Annette,

    bei mir ist Weihnachten zum Glück positiv geprägt … aber der 24.12. selbst vor der Bescherung negativ … da gab es zu Hause einfach immer Streit und diese Erinnerung begleitet mich auch jetzt noch, wenn ich genau darüber nachdenke.

    lg
    Nena

  16. Liebe Annette,

    ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die viele wunderschöne und positive Gefühle mit Weihnachten verbinden.

    Kann man denn alleine an seinem inneren Kind arbeiten?

    Liebe Grüße Katja

    1. Liebe Kata,
      wenn es keine gravierenden Probleme sind kann man es versuchen. Hilfreich ist es dennoch wenigstens eine Sitzung mit einer Fachfrau zu haben. Das geht auch via Zoom.
      Alles Liebe
      Annette

  17. Mit dem Inneren Kind habe ich auch schon viel gearbeitet 🙂 Über Jahre hinweg in der Therapie. Das ist so wichtig.
    Ich glaube, dass viele, die sehr einsam sind, sich so ein Traumbild von Weihnachten erschaffen: Lichter, Ruhe, Kerzen, Familie, ganz viel Liebe. Sie sehen dann nicht, was dahinter steckt und dass das alles gar nicht so besinnlich und ruhig ist, wie sie sich das ausmalen.

    1. Liebe Miriam,
      sich ein Traumbild zu kreieren ist nicht hilfreich. Da ist es doch viel sinnvoller sich sein Weihnachtsfest nach den eigenen Wünschen zu gestallten. So gut es eben geht.
      Alles Liebe
      Annette

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