„Eisenmangel beheben mit natürlichen Lebensmitteln“ eine Buchrezension und Interview mit dem Autor Prof. Klaus Günther

Eisenmangel

Eisenmangel ist ein Dauerbrenner in meiner Praxis. Kein Wunder, denn ca. zwei Milliarden Menschen sind weltweit von einem Eisenmangel betroffen. Frauen sind dabei zumindest in meiner Praxis häufiger betroffen als Männer. Das ist auf der einen Seite der Menstruation geschuldet und auf der anderen Seite der Tatsache, dass Frauen im Durchschnitt weniger Fleisch als Männer verzehren. In Zeiten, in denen eine vegane Ernährung hip ist, nehmen die Eisenmangelproblematiken allerdings bei beiden Geschlechtern zu.

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Die Folgen sind:

  • Appetitlosigkeit
  • Blasse Haut und Schleimhaut
  • Brennende Zunge
  • Brüchige Nägel
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Ermüdbarkeit
  • Hauttrockenheit
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Kurzatmigkeit
  • Leistungsabfall
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Nervosität, innere Unruhe
  • Rissige Lippen
  • Schluckbeschwerden
  • Schwächeanfälle
  • Schwindel
  • Sodbrennen
  • Starker Haarausfall, stumpfes, gespaltenes Haar
  • Störungen der Wärmeregulation: Kältegefühl
  • Vergesslichkeit

Mit einer durchdachten Ernährung können aber auch Vegetarier und Veganer ohne Eisenmangel durchs Leben gehen.

Eisenmangel beheben mit natürlichen Lebensmitteln – Ratgeber für alle Ernährungstypen

Schon der Titel hat mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht und ich wurde nicht enttäuscht.

Eisenmangel beheben mit natürlichen Lebensmitteln
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Sowohl die wissenschaftlichen Grundlagen als auch die neusten Forschungsergebnisse in Bezug auf Eisenmangel werden gut verständlich ausgeführt. Egal ob es um Laborparameter geht oder um Krankheitsbilder, es bleiben keine Fakten unerklärt. Was mir ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist, sind die kreativen Kapitelüberschriften. Eine Überschrift wie „Eisen im Blut – Stahl für den Körper“ oder „Janus-Kopf Eisen“ machen sicherlich nicht nur mich neugierig auf das entsprechende Kapitel, oder?

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Natürliche Lebensmittel: Die älteste und beste Eisenquelle

Wahrscheinlich geht es vielen so, dass genau dieses Kapitel der Grund sein wird, warum sie dieses Buch erwerben. So gut wie nichts bleibt ungesagt. Von der Spinat-Affäre, die in der Popeye Cartoon-Figur werbewirksam an den Verbraucher gebracht wurde, bis zu der Erkenntnis, dass pflanzliches Eisen genauso wertvoll wie tierisches Eisen ist, wird alles aufgearbeitet. Mit der Champions League der pflanzlichen Lebensmittel wird es dann wirklich interessant. Durch diese Liste habe ich erstmals verstanden, warum ich in meinen 30 veganen Jahren nie an Eisenmangel gelitten habe. Mit anderen Worten, alleine für diese Liste lohnt sich der Kauf des Buches.

Die Eisenküche

Im Kapitel „Clever und wirksam: Die Eisenküche“ findet man fleischlose Rezeptvorschläge, um die tägliche Eisenversorgung leicht umsetzen zu können. Sicherlich nicht gourmetverdächtig, aber sehr hilfreich, um einen Einstieg in die „Eisenküche“ zu erhalten. Jeder kann ja, wenn er die Grundlagen verstanden hat, seine eigenen Rezeptideen kreieren.

Eisenmangel – Immer gut versorgt

Eine optimale Eisenversorgung ist folglich in jedem Lebensalter und in jeder Lebensphase wichtig. Auch hier ist das Buch sehr gut strukturiert und lässt keine Wünsche offen. Kindheit, Alter, Schwangerschaft und Sport werden kurzweilig und kompetent abgearbeitet.

Kritisch hinterfragt werden Eisenpräparate. Mit dem Resümee „eine gesunde Person kann ihren Eisenbedarf über eine richtige Auswahl von natürlichen Lebensmitteln decken“. Stimmt, doch hier fehlt mir die Realititsnähe. Wer wie ich mit vielen Patienten arbeitet, weiß, wie wenig bereit viele sind, ihre Ernährung zu hinterfragen. Klar ist es im Prinzip möglich, und wer sich dieses Buch kauft, gehört sicherlich auch zu den Menschen, die das schaffen, doch alle anderen brauchen aus meiner Sicht durchaus bei einem Eisenmangel eine Substitution. Besteht ein massiver Eisenmangel dauert es mit einer Ernährungsumstellung meines erachtens auch viel zu lange um den Eisenspeicher schnell genug aufzufüllen. Dennoch bin ich begeistert, dass es langfristig mit der richtigen Ernährung funktionieren kann.

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Eisenmangel die sieben Faustregeln

Einen gelungenen Abschluss des Buches bildet das Kapitel „Sieben Faustregeln für eine optimale Eisenversorgung“. Sieben Faustregeln, mit denen es leichter gelingt, für einen ausgeglichenen Eisenspeigel zu sorgen.

Interview mit Prof. Klaus Günther

Frage 1

Wir beide haben ja eine Leidenschaft gemeinsam, die Mineralstoffe und Spurenelemente. Was war der Grund dafür, dass Sie sich so intensiv mit dem Thema Eisenmangel und Ernährung auseinandergesetzt haben?

Antwort 1

Ein Eisendefizit ist die bedeutendste Mangelversorgung weltweit. Von der Weltbevölkerung sind 25 % von starkem Eisenmangel betroffen, das sind über 1,5 Milliarden Menschen. Nach den Daten der Nationalen Verzehrstudie II erreichen 75 % der Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland nicht die empfohlene Eisenzufuhr. Ein großes Thema also, auch mit politischen Dimensionen. Schon in meiner Promotions- und Habilitations-Arbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema Spurenelemente auseinandergesetzt und habe es bis heute im Fokus.

Es ist sehr faszinierend: Kleine Mengen haben große Wirkungen auf die Gesundheit des Menschen. Die 3-4 Gramm Eisen im Körper sind enorm wichtig für sehr viele Körperprozesse. Transport und Speicherung von Sauerstoff sind dabei nur die bekanntesten Funktionen. Eisen ist z.B. auch sehr wichtig für das Immunsystem und die Synthese von Botenstoffen im Gehirn, die unsere Gefühlslage stark beeinflussen, die sogenannten Glückshormone. Als Beispiel ist hier Dopamin zu nennen, das Motivation und Antriebssteigerung erzeugt und an dessen Synthese die Eisen-Enzyme Phenylalanin-Hydoxylase und Tyrosin-Hydroxylase beteiligt sind. Ein Eisenmangel kann daher auch eine Depression begünstigen, ein sehr wichtiger Aspekt, gerade in der heutigen Zeit.

Frage 2

Mir war schon immer intuitiv klar, dass pflanzliches Eisen dem tierischen nicht unterlegen ist. Bis vor zwei Jahren lebte ich 30 Jahre vegan, ohne Eisenmangel. Was war Ihr Zugang zu diesem Thema?

Antwort 2

Aufgrund meiner wissenschaftlichen Spezialisierung lag es sehr nahe sich damit intensiv zu beschäftigen und auch in meinen Grundvorlesungen an der Universität Bonn tauchten immer wieder die Fragen auf: Wie kann ich mich vor Eisenmangel schützen? Ich bin Vegetarierin oder Veganerin. Stimmt es, dass pflanzliches Eisen minderwertiger ist wie das Eisen in tierischen Lebensmitteln?

Frage 3

Ohne Zweifel kann man seinen Eisenspiegel durch eine gute Ernährung decken. Dennoch sind viele Menschen dazu nicht willens oder in der Lage. Ich setze bei meinen Patienten schon lange mit Erfolg auf Nahrungsergänzungsmittel aus pflanzlicher Quelle. Haben Sie Erfahrungen mit diesen Nahrungsergänzungsmitteln?

Antwort 3

Die herkömmlichen Präparate zur oralen Eisen-Supplementierung deren Basis oft Komplexe von Eisen-II-Salzen bilden haben häufig eine schlechte Magenverträglichkeit und deshalb sind pflanzliche Produkte sicher die bessere Alternative. Hier bieten insbesondere Präparate aus Hülsenfrüchten einen enormen Vorteil, weil sie Eisen als Ferritin-Komplex enthalten, der nach neueren Untersuchungen direkt von den Darmzellen aufgenommen werden kann. Das in Linsen enthaltene Eisen ist z.B. zu ca. 70 % als Ferritin-Eisen gebunden, deshalb sind Linsen sehr vorteilhaft bei Eisenmangel und außerdem sehr lecker. Ich liebe sie in jeder Form der Zubereitung.

Frage 4

Wie schätzen Sie den Einfluss eines Eisenmangels bei Alzheimer, Demenz oder AD(H)S ein?

Antwort 4

Bei AD(H)S geht man tatsächlich davon aus das ein Eisenmangel beteiligt sein könnte, da Eisen wie schon beschrieben ein wichtiger Faktor bei der Dopaminsynthese im Gehirn ist und ein niedriger Dopaminspiegel wird als eine der Ursachen für AD(H)S diskutiert. Bei den verschiedenen Demenz-Formen und Morbus Alzheimer geht man eher davon aus, dass durch fehlgeleitet biochemische Mechanismen sich Eisen in bestimmten Hirnabschnitten konzentriert und dort nun im zu großen Überschuss negative Effekte auslöst.

Frage 5

Wie wichtig erachten Sie eine ausreichende Eisenversorgung in der Schwangerschaft für das werdende Leben? Gibt es Studien, die zum Beispiel die Auswirkung eines Eisenmangels der Mutter auf die Gehirnentwicklung des Kindes aufzeigen?

Antwort 5

Die Versorgung des werdenden Lebens mit Eisen ist äußerst wichtig und es gibt dazu zahlreiche Studien. Kein Wunder, wenn man bedenkt an wie vielen zentralen biochemischen Prozessen das Element, auch im Gehirn, direkt beteiligt ist.

Kurz-Vita

Professor Dr. Klaus Günther lehrt und forscht als Biochemiker am Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und am Institut für Bio- und Geowissenschaften des Forschungszentrums Jülich. Promotion und Habilitation an den Universitäten Münster und Bonn. Zusätzliche Berufungen als Honorarprofessor an die Technische Universität Graz, Österreich und die Nanchang University, China. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Bioverfügbarkeit von Mineralstoffen und Spurenelementen in Lebensmitteln und deren Bedeutung für den Menschen.

17 Antworten auf „„Eisenmangel beheben mit natürlichen Lebensmitteln“ eine Buchrezension und Interview mit dem Autor Prof. Klaus Günther“

  1. Danke für deinen schönen informativen Beitrag. Ich hatte und habe ständig einen Eisenmangel. Jetzt gerade nehme ich Tabletten dagegen. Ich kenne also fast jedes Symptom. Damit ist wirklich nicht zu spaßen, man fühlt sich einfach nur schlecht.

    Mit freundlichen Grüßen
    Miss Katherine White

    1. Liebe Katherine,
      tut mir leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest. Im Buch kannst Du viele Nahrungsmittel finden, die Dir eine Wiederholung dieser Erfahrung ersparen können. Tabletten sollten nur kurzfristig zum Einsatz kommen und auch da solltest Du auf natürliche Variante setzen.
      Alles Liebe
      Annette
      Annette

  2. Hallo Annette, gerade gab’s hier rote Linsen mit Bratkartoffeln und Zucchini-Gemüse, gut zu wissen, dass ich mit den Linsen ordentlich verwertbares pflanzliches Eisen aufgenommen habe 🙂 Danke für die Buchrezension und das Interview. Das Buch ist eine echte Kaufempfehlung, ich kenne es und weiß es ebenso zu schätzen wie du, seit ich vor Jahren Eisenmangel hatte, bin ich sehr besorgt und passe auf, das brauche ich kein zweites Mal. Das mit den Präparaten aus Hülsenfrüchten finde ich interessant. Wo bekommt man die? Im Internet hatte ich soeben danach gesucht, aber Fehlanzeige? liebe Grüße Bettina

    1. Liebe Bettina,
      schön, dass auch Du vom Buch begeistert bist! Ich kenne die natürliche Variante nur aus Curryblatt, da kann ich also nicht weiterhelfen. Das von mir empfohlene Präparat ist sehr gut verträglich und daher sehr empfehlenswert.
      Alles Liebe
      Annette

  3. Huhu,
    ein total interessanter Beitrag da ich tatsächlich regelmäßig Eisenmangel habe und dadurch einige der oben genannten Symptome zu gut kenne. Bisher nehme ich immer Kapseln dagegen ein.

    Das Buch kenne ich nicht, aber werde ich mir anschauen.

    LG
    Steffi

  4. Liebe Annette,

    Eisenmangel hatte ich während meiner Schwangerschaft und es war ein Alptraum. Ich habe die Eisenpräperate alle nicht vertragen. Also habe ich meine Ernährung umgestellt und konnte damit den Mangel zum Glück dauerhaft beheben. Daher habe ich auch mit großem Interesse deinen Artikel gelesen.

    Liebe Grüße
    Mo

  5. Während der Schwangerschaft musste ich erstmals Eisentabletten nehmen, ich glaube in den Jahren danach auch noch mal. Ich hatte früher schon mal gelesen, wie viele Symptome so ein Eisenmangel auslösen kann und denke manchmal, dass ich mich noch mal testen lassen sollte! Ich esse zwar Fleisch, aber auch nicht übermäßig viel. Schön, dass man Eisenmangel auch pflanzlich vorbeugen kann. Auf diese Liste hast du mich jetzt neugierig gemacht!

    Liebe Grüße
    Jana

    1. Liebe Jana,
      im Buch werden Nahrungsmittel die als Eisenquellen dienen für jede Ernährungsform genannt. Es lohnt sich bei Eisenmangel dieses Buch zu besitzen um eben nicht mehr auf Tabletten zurückgreifen zu müssen.
      Alles Liebe
      Annette

  6. Danke für den sehr interessanten Artikel. Ich habe zum Glück keinen Eisenmangel, dafür alle Vitaminmangel, mal mehr mal weniger. Ich esse auch viel Gemüse, seit Jahren auch super gerne Hülsenfrüchte und Co.
    Ich sehe es so wie du: einen Teil kann man mit der Ernährung relativ schnell umstellen, aber auch nicht sofort. Wenn Menschen einen sehr hohen Eisenmangel haben, dann sollte in der Anfangszeit ein gutes Präperat genommen werden, bis die Ernährung dann umgestellt wurde. Und die gehört für mich auf jeden Fall dazu. Ausschließlich auf Ergänzungsmitteln oder Tabletten sollte man da auch nicht drauf abzielen.

  7. Liebe Annette
    Wieder einmal ein ganz toller Beitrag von dir. Ich kannte dieses Buch noch gar nicht werde es mir aber auf alle Fälle merken. Ich hatte trotz veganer Ernährung glücklicherweise erst einmal Eisenmangel vor einigen Jahren und wurde geradezu zu einer Ferinject-Behandlung gedrängt, obschon ich noch über dem Grenzwert war. Heute würde ich das nicht mehr so machen, da auch die Nebenwirkungen nicht ohne sind. Ich schaue wirklich auf eine gute Ernährung mit verschiedensten pflanzlichen Eisenquellen und lasse jährlich meinen Ferritin-Wert bestimmen. Ich gebe dir total recht, dass viele nicht bereit sind ihre Ernährung umzustellen oder dann irgendwann daran scheitern – was ich auch absolut verstehe. Aber es ist sicher gut präventiv und unterstützend wenigstens zu versuchen ein Augenmerk darauf zu legen. Das Interview hat mich auch gerade angespornt ein bisschen zu googeln. Da ich eigentlich gelernt hatte(oder gedacht hatte – man vergisst und verwechselt ja schnell), dass die Aggregation von Aluminium Ionen problematischer sei als jene von Eisen(bzw. dies wurde fast gar nicht angesprochen) bei Alzheimer. Wird ein spannender Abend heute! Danke für die Inspiration.

    1. Liebe Lena,
      das Problem ist sicherlich, dass durch Umweltfaktoren/Medikamente die Blut-Hirn-Schranke für Metalle geöffnet wird. Dennoch sei angemerkt, dass Alzheimerpatienten nicht selten an einem Eisenmangel im Blut leiden. Das verschlechtert dann den Sauerstofftransport und so verschlimmert sich die Gedächtnisproblematik. Hier muss sanft, am besten natürlich über Ernährung gegengewirkt werden.
      Alles Liebe
      Annette

  8. Interessante Buchrezension! Eisenmangel ist in der Tat so ein „Frauenproblem“. Ich habe es aber ganz gut unter Kontrolle. Dennoch kann es nicht schaden, wenn ich das Buch mal im Hinterkopf behalte.

  9. Ich hatte tatsächlich noch nie Probleme mit Eisenmangel, ich Glückskind! Dabei höre ich immer wieder, dass das Thema doch sehr viele beschäftigt.
    Super informativer Beitrag, tolle Inspiration, danke.

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