Erschöpfte Gesellschaft

Grundlos erschöpft und immer müde?

Fällt es Ihnen auch auf, immer mehr Menschen klagen über chronische Erschöpfung, grundlose Müdigkeit und anhaltende Überforderung. Dementsprechend nehmen Krankheiten wie das chronische Müdigkeitssyndrom, Burnout und Depressionen zu und verbreiten sich in jeder Gesellschaftsschicht und jeder Altersklasse.

Doch warum ist das so?

In den nächsten Wochen werden sich meine Blogbeiträge um dieses Thema drehen.  Ich beantworte Fragen wie: Warum ist das so? Was für körperliche Auswirkungen hat Stress? Kann man das labortechnisch messen? Was für Möglichkeiten gibt es, die Situation zu verbessern?

Stress

Genetisch sind wir Neandertaler

Vielleicht denken Sie jetzt, das kann ja gar nicht sein und doch entsprechen unsere Überlebensmechanismen heute noch denen des Neandertalers.

Die Natur ist nicht an technischem Fortschritt, an tollen Kleidern oder Anti Aging interessiert. Denn die Natur interessiert sich nur für die Reproduktion und den Erhalt der Spezies. Nicht mehr und nicht weniger.


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Physiologische Programme sichern unser Überleben als Individuum.

Werden wir bedroht, greifen wir an, laufen weg oder ergeben uns (erstarren). Haben wir Hunger, suchen wir Nahrung, sind wir müde, gehen wir schlafen. Wir haben Lust auf Sex, um uns fortzupflanzen oder Stress abzubauen. Um einen Überlebensvorteil zu haben  schließen wir uns zu Gemeinschaften zusammen.

Unser Betriebssystem ist veraltet

Bedrohungsmechanismus

Als Neandertaler begegnete uns auf der Nahrungssuche eventuell ein Raubtier. Unser Gehirn schützte uns vor wertvollem Zeitverlust, indem es für eine solche Situation eine automatisch ablaufende Prozedur erschuf. Der Teil des Gehirns, der denkt (Präfrontaler Cortex), wird sofort blockiert. Es wäre nämlich tödlich gewesen, wenn wir uns über das Raubtier Gedanken wie, vielleicht ist es ja satt, was für ein schönes Tier oder das dichte Fell, machen würden. Dafür übernimmt unser Reptiliengehirn (Stammhirn) die Regie. Es setzt eine Kaskade von Alarmreaktionen in Gang, durch die ein Überleben ermöglicht wird.

Kampf oder Flucht

Kampf- oder Fluchtreaktion (fight or flight reaction)

Das Reptiliengehirn setzt durch ein Alarmsignal in der Nebennierenrinde einen Adrenalinausstoß in Gang. Infolgedessen aktiviert das Adrenalin den Sympathikus und wirkt sich sofort körperlich aus.

  • Weitere Hormonausschüttung (adrenocorticotropes Hormon, Cortisol und Adrenalin)
  • Anstieg von Blutdruck, Herzfrequenz, Puls und Atemfrequenz
  • Zuckerfreisetzung
  • Erhöhung von Blutgerinnungsfaktoren
  • Pupillenerweiterung
  • Muskelspannung und Durchblutung wird erhöht
  • Milchsäureanstieg
  • Immunsuppression
  • Verdauungssystem stellt Arbeit ein
  • Sexualtrieb erlischt
  • Tunnelblick (Fokussierung auf das Nötigste)

Muss ich das wirklich wissen? Ja, denn durch dieses Wissen erklären sich die Auswirkungen von Stress. Unser Körper ist durch diese automatisierten Körperreaktionen also optimal auf Überleben programmiert. Doch hat die Natur nicht gewusst, dass wir uns in der modernen Zeit mit ganz anderen Problemen herumschlagen müssen.

Stress löst die Kampf- Fluchtreaktion aus

Der Überlebensmechanismus läuft auch dann ab, wenn es nicht ums nackte Überleben geht. So wird die Kampf- Fluchtreaktion auch ausgelöst durch:

  • Aufbrausende Reaktionen z.B. vom Ehepartner, Lehrer, Chef, Arbeitskollegen
  • Zeitmangel
  • Das Gefühl der Überforderung
  • Befürchtungen und Sorgen
  • Fehlendes Sonnenlicht
  • Zu wenig körperlichen Kontakt
  • Freizeitstress
  • Und vieles mehr

Der Neandertaler musste kämpfen oder fliehen und konnte so die Stresshormone, den Zucker und die Spannung abbauen. Unsere modernen Stressauslöser hingegen lassen keine Entladung zu. Wir müssen/können weder kämpfen noch weglaufen.

Ein Beispiel gefällig? Sie werden zur Chefin gerufen und sie hat eine lange Reihe von Kritikpunkten zu Ihrer Arbeit,  die sie ihnen mitteilt. Die ablaufende automatisierte körperliche Reaktion würde Sie nun dazu bringen, mit Ihrer Chefin zu kämpfen oder zu fliehen. Nichts von den angeborenen Reaktionsmustern ist aber in dieser Situation angemessen. Niemand würde seine Chefin in dieser Situation körperlich angreifen oder fluchtartig den Raum verlassen und soweit wegrennen, wie nur möglich. Es ist also nicht möglich, den natürlichen Impuls auszuleben und die Stressachse wieder zu beruhigen.

Danach nervt ein Kollege und aufgrund des Gesprächs mit der Chefin fühlen Sie sich vielleicht genötigt, Überstunden zu machen, was Ihrem Ehemann missfällt….

All das befeuert ständig Ihre Stressachse. Chronischer Stress macht auf Dauer krank, träge, dumm, unkreativ, gereizt, dick, traurig…. Eine Abwärtsspirale, der man aber mit einigen Maßnahmen durchaus entgehen kann.

Mehr dazu nächste Woche im nächsten Blogartikel.

Vielleicht auch interessant: https://blog.annette-pitzer.de/essentielle-hypertonie-bluthochdruck/

 

12 Antworten auf „Erschöpfte Gesellschaft“

  1. Das ‚erschöpft sein‘ hat unglaublich viele Ursachen, die man nicht wirklich gleich wahr nimmt oder auch gerne verdrängt.
    Herzlichen Dank für Deinen tollen Artikel, liebe Annette

    1. Liebe Kay,
      da bist Du ganz bestimmt in guter Gesellschaft, oder ich könnte auch sagen „Willkommen im Club“.
      Alles Liebe
      Annette

    1. Liebe Inge,
      danke, da ist wohl meine langjährige Tätigkeit in der IT-Branche durchgebrochen. Hab ich selber gar nicht bemerkt.
      Alles Liebe
      Annette

  2. Guter Bericht. Das Problem ist wenn man in der Spirale drin ist wieder rauszukommen. Glücklicherweise habe ich eine Lösung gefunden aber einfach ist das nicht!

    1. Hallo Daniela,
      danke für Dein Feedback. Magst Du uns mitteilen was Dir geholfen hat? Du kannst Dich noch auf einige Blogbeiträge zum Thema freuen.
      Alles Liebe
      Annette

      1. Verschiedene Dinge! Zum einen habe ich meine Ernährung umgestellt. Ich beschäftige mich viel mit Gesundheit/ Ernährung, zwar auch beruflich bedingt aber auch weil es mich sehr interessiert. Ich nehme zusätzlich viele Vitamine und Mineralstoffe auf, die ich nicht über unsere Nahrung zuführen kann weil es unsere Lebensmittel einfach nicht mehr hergeben. Das stellt mich schonmal körperlich und geistig sehr gut auf. Das hätte ich vorher nie gedacht! Dann habe ich gelernt die Sorgen nicht ganz so ernst zu nehmen was als Selbstständiger nicht einfach ist. Dann mache ich mor nebenher mein Hobby zum Nebenerwerb und versuche, dass ich damit bald ein freies, selbstbestimmtes Leben leben kann. Aber einfach ist es nicht aus dem Hamsterrad rauszukommen. ABER was wird wenn ich es nicht schaffe weiss ich leider auch. Liebe Grüße

        1. Liebe Daniela,
          danke, dass Du uns teilhaben lässt. Ja, die Makro- und Mikronährstoffe spielen eine sehr große Rolle. Regelmäßige Laborkontrollen könnten so mancher Krankheit den Nährboden entziehen. Auch an der Einstellung zum Leben und zur Krankheit zu arbeiten ist ein immens wichtiger Punkt.
          Alles Liebe
          Annette

  3. Liebe Annette,
    das ist ein sehr interessanter Artikel. Ich stelle mir gerade vor, wie Chefin und Angestellte einen Kampf im Büro austragen. Keine schlechte Alternative … 🙂
    Aber im Ernst, wir sind schon ganz schön degeneriert. Als Selbständige kenne ich diese kleinen Panikattacken, gerade beim Thema Zeit. Vielleicht wäre es eine Alternative, doch zu überlegen, wie man sich in solch einer Situation angemessen körperlich abreagieren kann, um dem Körperprogramm zumindest ein bisschen gerecht zu werden.
    Schöne Pfingsten
    Tina

    1. Liebe Tina,
      ja Du hast vollkommen Recht, dass sich durch Bewegung Stress abbauen lässt. Aber man kann noch viel mehr tun, Du darfst Dich auf die nächsten Blogartikel freuen :).
      Alles Liebe
      Annette

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