Gastbeitrag: Wie du mit MBSR Stress deutlich reduzieren kannst

Mit MBSR Stress reduzieren

Stress mit MBSR reduzieren

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Wenn morgens der Wecker klingelt, ist es mit der Erholung erst einmal vorbei.

Der Kopf fängt an zu rattern, die Todo-Listen überschlagen sich im Kopf und beim Zähneputzen und Duschen gehst du im Kopf deine anstehenden Termine durch.

Im Büro geht es mit Volldampf weiter und wenn du schließlich am Feierabend angelangt bist, fühlst du dich von all dem Stress erschöpft und ausgelaugt.

Was auf den ersten Blick übertrieben klingen mag, stellt sich bei näherer Betrachtung als Lebensrealität vieler Menschen heraus.

Laut der Stressstudie der TK aus dem Jahr 2021 steigt das Stressniveau der Deutschen in den letzten Jahren kontinuierlich an. 26% aller Deutschen sind nahezu dauergestresst, 64% aller Deutschen leiden regelmäßig unter Stress.

Stress ist also längst ein gesellschaftliches Problem.

Höchste Zeit hier gegenzusteuern. Ein dafür gut geeignetes Mittel: Achtsamkeit.

Ich will Wissen was was mir gut tut!

Achtsamkeit als Ausweg – ohne Esoterik und Wellnesskonsum

Achtsamkeit ist dir sicher auch ein Begriff.

Vielleicht hast du schon Erfahrungen mit der Achtsamkeit gesammelt, vielleicht hängt dir die mittlerweile an allen Ecken und Enden geforderte Achtsamkeit auch zum Hals heraus.

Es hat jedoch einen guten Grund, dass Achtsamkeit in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt hat: Achtsamkeit wirkt.

Mit Achtsamkeit meine ich nicht die leider oft falsch verstandene, moderne Form der Achtsamkeit, sondern Achtsamkeit im originären buddhistischen Sinn. Bevor du nun dich nun als vielleicht entschiedener Atheist abwendest: Achtsamkeit geht auch ohne Buddhismus.

MBSR als Einstieg in die Achtsamkeit

Tatsächlich war genau das der Ansatz, den Jon Kabat-Zinn, ein Molekularbiologe, verfolgt hat. Kabat-Zinn wollte die Vorzüge der Achtsamkeit und Meditation allen Menschen zugänglich machen, jedoch möglichst ohne allzu viele spirituelle oder religiöse Elemente einzubauen.

Herausgekommen ist das MBSR-Programm. MBSR steht für Mindfulness-Based Stress Reduction oder auf Deutsch: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion.

Das Programm ist gezielt zur Linderung von Stress ausgelegt und in diesem Bereich mittlerweile so gut erforscht, dass sogar viele Krankenkassen einen MBSR Kurs bezuschussen.

Der erste Schritt: Eine gute Kursleitung finden

Neugierig? Das war ich auch und habe daher an einem solchen MBSR Kurs teilgenommen.

Wie läuft ein MBSR Kurs also genau ab und worauf solltest du dich einstellen?

Vor der offiziellen Anmeldung zu einem MBSR Kurs findet in der Regel ein Vorabtelefonat zwischen dir und der KursleiterIn statt. In diesem Telefonat werden gegenseitige Erwartungen und Erfahrungen abgeklopft und beide Parteien versuchen ein Gefühl dafür zu bekommen, ob man irgendwie zusammenpasst.

Ehrlicherweise dachte ich erst, dass dieses Telefonat nicht allzu wichtig ist. Dann bin ich allerdings in meinem ersten Telefonat mit einem unguten Gefühl herausgegangen und merkte, dass die Kursleitung doch nicht allzu unerheblich ist.

Mein Tipp daher: Schau dir die Kursleitung genau an und höre auf dein Gefühl!

Wie funktioniert MBSR?

Der Kurs selbst geht acht Wochen lang und findet in einer Gruppe von 5-10 Teilnehmern statt. In diesen acht Wochen trifft man sich 1x pro Woche für einen ca. 2,5-stündigen Termin. In diesem Termin meditiert man gemeinsam, tauscht Erfahrungen aus und lernt etwas über Achtsamkeit, Stress und unsere Psyche.

Zwischen den Terminen bekommen die Kursteilnehmer „Hausaufgaben“: Neben täglichen geführten Meditationen gibt es auch immer wieder Aufgaben für den Alltag.

Von Woche zu Woche wird der Fokus dabei auf unterschiedliche Dinge gerichtet. Mal soll man beispielsweise besonders auf angenehme Ereignisse achten, mal besonders auf stressige Situationen.

Die Idee dahinter: einen besseren Überblick über seine eigenen Empfindungen und sein Stresserleben bekommen.

Kleine Alltagshilfen, wie beispielsweise Mini-Meditationen für stressige Situationen runden den metaphorischen Werkzeugkoffer ab.

Am Anfang war der Stress

Nun aber Butter bei die Fische: Wie effektiv ist ein solcher MBSR Kurs und was waren meine Erfahrungen?

Wenn ich ehrlich bin, bin ich wahrscheinlich nicht wirklich die Zielgruppe eines solchen Kurses: Durch meine jahrelange Meditationspraxis konnte ich bereits einige unbewusste Stressmechanismen bei mir aufdecken und intuitiv viele der MBSR Übungen für mich entwickeln und anwenden.

Interessanter finde ich daher, wie MBSR bei den anderen Kursteilnehmern gewirkt hat. Dazu möchte ich dir kurz noch einmal darstellen, was die Teilnehmer dazu bewegt hat, überhaupt einen solchen Kurs zu absolvieren. Die Erfahrungen glichen sich:

‚ich bin im Alltag häufig gestresst, irgendwie gerade auch von kleinen Dingen‘

‚im Berufsleben habe ich mich über die Jahre immer mehr von mir selbst entfernt und die Verbindung zu mir selbst verloren‘

‚ich setze mich selbst zu sehr unter Druck und habe zu hohe Erwartungen an mich selbst‘

Veränderung in nur acht Wochen

Gegen Ende des Kurses berichteten die Teilnehmer dagegen folgendes:

‚Ich habe nun eine bessere Wahrnehmung von mir selbst‘

‚Ich habe einige Aha-Erlebnisse gehabt und nun einen Überblick über meinen Stress im Beruf und im Privaten‘

‚Ich habe große Fortschritte gemacht und fühle mich nun für meinen Alltag wieder gerüstet‘

Ganz ehrlich: Als ich von den Erfahrungen der anderen gehört habe, war ich baff. So viel bewirkt MBSR also in nur acht Wochen…

Auf den zweiten Blick ist das jedoch nur logisch. Auch wenn Achtsamkeit von außen betrachtet nicht viel macht, verändert es bei regelmäßiger Praxis doch Welten: unsere inneren Welten.

MBSR: Nicht das Ende der Fahnenstange

MBSR kann daher einen guten Einstieg in die Welt der Achtsamkeit und Meditation bieten und schnell nachweisbare Erfolge bewirken.

Für mich ist MBSR jedoch noch lange nicht das Ende vom Lied. Denn das, was viele Menschen an MBSR schätzen, halte ich tatsächlich für eine seiner größten Schwächen: Das Entfernen jeglicher buddhistischer Theorie.

Achtsamkeit und Meditation: Mehr als ein Mittel gegen Stress

Originär hat der Buddhismus nämlich die Meditation nicht als Mittel gegen Stress entwickelt, sondern als umfassendes Mittel, unseren Geist zu schulen und tiefgehend zu untersuchen.

Das Untersuchen und Beheben von Stressmechanismen ist im Buddhismus „nur ein netter Nebeneffekt“. (ohne hoffentlich allzu despektierlich zu klingen) 

Was es mit der buddhistischen Meditation auf sich hat und worauf es in der Meditation noch so alles zu achten gilt, erforsche ich in meinen Blog tiefergehend. Solltest du dich für diese Themen interessieren, freue ich mich sehr über deinen Besuch.

Ansonsten hoffe ich, dass du Achtsamkeit als wirksames Mittel für die Stressbekämpfung für dich (wieder-)entdecken konntest, dich in der Meditation ausprobieren wirst oder vielleicht sogar einen MBSR-Kurs absolvieren wirst.

Vita

Steffeln L. Wilch
Steffen L. Wilch

Steffen L. Wilch ist Blogger im Bereich Meditation, Achtsamkeit und Buddhismus.

Seine Leidenschaft fand er 2015 in einem Zen Kloster in Frankreich, in dem er einige Wochen verbrachte und sich in die Meditation verliebte. Es folgten zahlreiche Meditationskurse, Retreats und Seminare, in denen Steffen seine Praxis vertiefen und sein Verständnis vom Buddhismus ausbauen konnte.

Auf seinem Blog „Lebenswerdung“ berichtet Steffen von seinen Erfahrungen und räumt mit gängigen Missverständnissen zur Meditation auf.

Sein Herzensanliegen: Menschen einen leichten Zugang zur Meditation zu ermöglichen, damit wirklich jeder von den Vorzügen der Achtsamkeit im Alltag profitieren kann.

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