Krank durch Vollkorn

Wenn Brot & Getreide krank machen

Vollkorn ist gesund – wirklich?

Die meisten Menschen glauben, dass Getreide gesund ist und können sich nicht vorstellen, dass es Menschen gibt die krank davon werden. In den nächsten Wochen werde ich dieses Thema ausführlich auf meinem Blog „Gesundheitsgeflüster“ beleuchten.

In diesesm Blogbeitrag stelle ich die Frage „kann man krank durch Vollkorn werden?“

Krank durch Vollkorn?

Häufig suchen Menschen meine Praxis auf, die aufgrund einer vollwertigen Ernährung ernsthafte gesundheitliche Probleme haben. Diese Probleme reichen von Durchfall, krampfartigen Bauchschmerzen, Reizdarm über Blähungen und Beinkrämpfen bis hin zu psychischen Erkrankungen.

Krank durch Vollkorn

Zuvor haben die Betroffenen einen Arzt nach dem anderen aufgesucht doch sämtliche Untersuchungen waren „ohne Befund“.

Niemand kommt darauf, die Mineralstoffe und Vitamine im Labor testen zu lassen. Warum nicht? Weil der Betroffenen sich ja vollwertig ernährt und so gut versorgt sein müsste.

Probleme mit dem vollen Korn

Die Randschichten des Getreidekorns enthalten nachweislich viele Mineralstoffe, warum haben dann Menschen mit einer vollwertigen Ernährung häufig einen Mineralstoffmangel? Ein Grund ist die Phytinsäure.

Phytinsäureunverträglichkeit

Phytinsäure findet sich im Getreide hauptsächlich im Keimling und in den äußeren Schichten des Korns. Sie wird als Energie- und Phosphatspeicher genutzt, damit das Samenkorn keimfähig ist. Für den Menschen hat Phytinsäure aber negative Auswirkungen auf die Verdauung .

Phytinsäure findet sich ebenfalls in Hülsenfrüchten, Nüssen und Ölsamen.


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Welche Probleme verursacht Phytinsäure?

Problem Nr. 1

Phytinsäure geht im Darm mit Mineralstoffen wie Eisen, Zink, Magnesium, Calcium, Kupfer, Selen etc. komplexartige Bindungen ein. Anders ausgedrückt ist Phytinsäure eine Mineralienfalle. Diese Mineralienfalle ist effizient und stark, so dass es dem Körper nicht mehr gelingt die Mineralstoffe zu befreien. Deswegen verlassen sie zusammen mit der Phytinsäure den Körper. Es kommt bei übermäßigem Verzehr von Vollkornprodukten zu einer Aufnahmestörung der Mineralstoffe also langfristig zu einem Mineralstoffmangel.

Problem Nr. 2

Phytinsäure inaktiviert Verdauungsenzyme, sodass die Verdauung nicht mehr richtig funktioniert.

Was kann man tun?

Weicht man Getreidekörner oder Hülsenfrüchte für mindestens 12 Stunden in Wasser ein, wird das Enzym Phytase aktiviert, das die Phytinsäure abbaut.

Dieser Mechanismus läuft ebenfalls bei der Teigherstellung des Sauerteigs ab. Allerdings benötigt die Sauerteigherstellung mindestens 12 Stunden Zeit. Diese zeitaufwendige Art der Brotherstellung wird nur noch von wenigen engagierten Privatpersonen beim Brotbacken angewendet. In Bäckereien wird dieses  Verfahren nicht mehr angewendet, sondern der gewünschte Geschmak zugesetzt.

Die Aktivierung des Enzyms Phytalase ist der Grund dafür, warum man Hülsenfrüchte und Reis waschen und für 12 bis 24 Stunden in Wasser einweichen sollte.

Symptome einer Phytinsäureunverträglichkeit

Da die Phytinsäure die Verdauungsenzyme Lipase, Amylase und Protease hemmt, kann es zu Blähungen, Durchfall, Übelkeit und unspezifischen Bauchschmerzen bis hin zu Krämpfen kommen. Die Nahrung kann nur noch unzureichend aufgespalten werden (Maldigestion) und es kommt zu einer mangelhaften Aufnahme (Absorption) von Nährstoffen aus dem vorverdauten Speisebrei (Malabsorption).

Langfristig entsteht eine Nährstoffunterversorgung (Fette, AS) und ein Mineralstoffemangel. Weshalb es zu massiven Mangelerscheinungen im Körper kommt.

Beispiele für Mangelerscheinungen im Körper

Fette sind lebensnotwendig für unseren Körper. Welche Aufgaben haben sie?

Fette dienen uns als hochwertige Energiequelle und schützen Organe, indem sie ein Polster um das zu schützende Organ legen. Sie regulieren die Körpertemperatur und ermöglichen es uns, fettlösliche Vitamine wie Vitamin A, D, E und K aufzunehmen. Weiterhin liefern Fette essentielle Fettsäuren, die lebensnotwendig für Herz und Immunsystem sind. Die Omega-3-Fettsäuren sind für die kognitiven Fähigkeiten in unserem Gehirn zwingend notwendig. Fette sind außerdem an der Hormonproduktion beteiligt.

Aminosäuren

Es gibt 20 Aminosäuren, von denen 8 essentiell sind, das heißt, unser Körper kann sie nicht selber herstellen. Diese 8 müssen zwingend mit der Nahrung aufgenommen werden. Welche Aufgabe haben sie?

Aminosäurn sind, ebenso wie die Fette, an der Hormon und Enzymbildung beteiligt. Ferner können sich keine Zellen oder Knochen ohne Aminosäuren regenerieren. Sie sind überdies wichtige Regulatoren für Herz und Kreislaufsystem. Als Ausgangssubstanzen für Neurotransmitter sind sie elementar. Des Weiteren sind sie für die Funktion des Immunsystems entscheidend.


Aminosäuren


Mineralstoffmangel am Beispiel von Magnesium, Eisen und Zink:

Eine Unterversorgung mit Mineralstoffen kann Mangelsymptome bis hin zu Mangelerkrankungen verursachen.

Symptome eines Magnesiummangels:

  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Innere Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Muskelzuckungen
  • Reizbarkeit
  • Schwindel
  • Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel)

Symptome eines Eisenmangels:

  • Blässe
  • Brüchige Nägel / eingerissene Mundwinkel
  • Depressionen und Ängstlichkeit
  • Haarausfall
  • Infektanfälligkeit
  • Körperliche Leistungseinbußen / Kurzatmigkeit
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Vergesslichkeit und Konzentrationsschwäche

Symptome eines Zinkmangels:

  • Entzündliche Hauterkrankungen wie Akne und Ekzeme
  • Erschöpfung und Depression
  • Konzentrationsmangel
  • Müdigkeit, Schwäche, Antriebslosigkeit
  • Nachlassende Haarqualität (brüchige und dünne Haare)/ Haarausfall
  • Stimmungsschwankungen
  • Trockene, schuppende Haut
  • Wundheilungsstörungen

Diagnose

Kurzum es gibt kein diagnostisches Verfahren außer dem Auslassversuch.

Das bedeutet, man verzichtet auf Vollkornprodukte und isst stattdessen Weißmehlprodukte. Geht edann symptombezogen besser, sollte man die phytinsäurehaltigen Lebensmittel nur noch nach sorgfältiger Aufbereitung und in kleinen Mengen verzehren. Anschließend ist es sinnvoll, Vitamine (E, D, A, K) und Mineralstoffe testen zu lassen um die Unterversorgung des Körpers auszugleichen.

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4 Antworten auf „Krank durch Vollkorn“

  1. Ich leide zum Glück selbst nicht an irgendwelchen Unverträglichkeiten, aber ich finde es interessant, dass auch Villkorn Probleme hervorbringen kann. Das wusste ich bisher nicht und ich denke so geht es bestimmt auch vielen anderen.
    Super, dass du auf dieses Thema aufmerksam machst!

    Liebe Grüße, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

    1. Liebe Kay,
      ja das ist den wenigsten so bewusst. Aber selbst zu Zeiten wo die Menschen hungern mussten wurde das Getreide geschält. Die waren ja nicht alle dämlich :)!
      Alles Liebe
      Annette

      Annette

  2. Hallo Frau Dr. Pitzer,

    vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich habe vor einigen Jahren festgestellt, dass ich mit Weissmehl-Produkte darmtechnisch wesentlich besser klar komme und war immer der Meinung, dass bei mir etwas nicht stimmt.
    Jetzt verstehe ich es 🙂

    Viele Grüße
    Helga Ranft

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