
Schwangerschaft und Darmkeime
Schwangerschaft und Darmkeime: Erfahre, wie Babys ihr Mikrobiom erhalten und warum die Darmflora der Mutter so entscheidend ist
Warum der Start ins Leben im Darmkeimen der Mutter beginnt
Wann beginnt die Besiedelung des Menschen mit Bakterien? Geschieht das erst bei der Geburt oder bereits im Mutterleib?
Heute wissen wir: Die ersten Mikroorganismen gelangen schon vor der Geburt in den kindlichen Organismus. Das hat evolutionär einen Sinn, denn die frühen Menschen wurden unter riskanten Bedingungen geboren. Ein vorgeburtlicher „Starter-Schutz“ war überlebenswichtig.
Schwangerschaft und Darmkeime: Wie Bakterien zum Baby gelangen
Neuere Forschung zeigt, dass bestimmte mütterliche Darmbakterien, darunter Bifidobakterien, aus dem Darm der Mutter in die Plazenta gelangen können. Von dort erreichen sie das Fruchtwasser und werden vom Fötus aufgenommen.
🔬 Studienlage
- Aagaard et al., 2014 (Science Translational Medicine): Mikrobielle DNA in Plazentagewebe nachweisbar.
- Collado et al., 2016 (American Journal of Perinatology): Hinweise, dass spezifische Darmkeime der Mutter den fetalen Darm erreichen können.
- Stinson et al., 2019 (Frontiers in Microbiology): Mikrobiom im Fruchtwasser beschrieben – Einfluss der maternalen Darmflora möglich.
Wichtig: Diese Forschung ist noch nicht abgeschlossen. Viele Wissenschaftler vermuten, dass es sich teilweise um immunologische Übertragungsprozesse handelt. Dennoch zeigt die aktuelle Datenlage klar: Die mütterliche Gesundheit beeinflusst den frühkindlichen Darm bereits in der Schwangerschaft.
Die 3 Wege, wie Babys Darmbakterien erhalten
Schwangerschaft: Übertragung ausgewählter mütterlicher Keime über Plazenta/Fruchtwasser
Geburt: Besiedelung durch vaginale Mikrobiota
Stillen: Bakterien und Präbiotika in Muttermilch stabilisieren das Mikrobiom
Geburt: Der zweite große Mikroben-Boost
Bei einer vaginalen Geburt wird das Baby über den Geburtskanal mit weiteren wichtigen Bakterien besiedelt, vor allem Laktobazillen und Bifidobakterien.
Dieses „mikrobielle Geschenk“ bildet die Grundlage für ein gesundes Mikrobiom.
Kaiserschnitt-Geburt: Was ist anders?
Babys, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, haben nachweislich eine andere mikrobielle Zusammensetzung. Studien zeigen:
- weniger Laktobazillen
- weniger Bifidobakterien
- langsamerer Aufbau der Darmflora
- häufigere Infektionen in den ersten Lebensjahren
🔬 Studienlage:
- Dominguez-Bello et al., 2010 (PNAS): Deutlich andere Mikrobiom-Zusammensetzung bei Kaiserschnitt-Kindern.
- Shao et al., 2019 (Nature): Kaiserschnitt vermindert frühe mikrobielle Diversität.
(Wichtig: Ein Kaiserschnitt kann Leben retten wenn er medizinisch notwendig ist. Ansonsten sollte er allerdings nicht in Erwägung gezogen werden.)
Stillen, der dritte Baustein der mikrobiellen Entwicklung
Muttermilch enthält:
- Bifidobakterien
- spezielle Präbiotika (HMO – Human Milk Oligosaccharides)
- immunaktive Stoffe, die das Mikrobiom formen
Dieser dritte Schritt unterstützt den Aufbau einer stabilen Darmflora in den ersten Monaten.
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Warum die Darmflora für Babys so wichtig ist
Der Darm ist ein zentrales Organ für Gesundheit und Immunabwehr, und das bereits ab der Geburt.
Aufgaben des kindlichen Mikrobioms:
- Reifung des Immunsystems
- Schutz vor Krankheitserregern
- Entwicklung der Darmbarriere
- Regulation von Entzündungsprozessen
- Einfluss auf Allergierisiko
Bis zum Alter von etwa 24 Monaten formt sich das kindliche Mikrobiom aus – danach bleibt es relativ stabil.
Schwangerschaft und Darmkeime: Was werdende Mütter tun können
Eine gesunde mütterliche Darmflora erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby optimal versorgt wird.
Sinnvolle Maßnahmen:
- Ein Florastatus zur Bestimmung der wichtigsten Bakterienstämme
- Ernährung reich an Ballaststoffen, fermentierten Lebensmitteln und Polyphenolen
- Stressreduzierung
- ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen
- Förderung der Darmbarriere
Die Optimierung der mütterlichen Darmflora kann das Risiko für:
- Dreimonatskoliken
- Allergien
- Hauterkrankungen wie Neurodermitis
laut Studien reduzieren.
🔬 Studienlage:
- Arrieta et al., 2015 (Science Translational Medicine) – Allergieentwicklung und Mikrobiom
- Wopereis et al., 2014 (Allergy) – Zusammenhang zwischen Mikrobiom und atopischer Dermatitis
Du möchtest schwanger werden und Deinem Baby einen guten mikrobiellen Start ins Leben geben? In der Darmsprechstunde erfährst Du, wie Du das erreichen kannst. Dann vereinbare gleich ein gratis Klärungsgespräch mit mir.
Schwangerschaft und Darmkeime: Häufige Fragen (FAQ)
1. Kann man die Darmflora bereits in der Schwangerschaft messen?
Ja. Ein Florastatus zeigt, wie die mütterlichen Bakterien zusammengesetzt sind.
2. Können Kaiserschnitt-Kinder Mikrobiom-Nachteile ausgleichen?
Ja. Das Mikrobiom ist in den ersten Lebensjahren sehr formbar. Ernährung, Stillen und altersgerechte Probiotika können unterstützen.
3. Welche Auswirkungen hat ein gestörtes Mikrobiom beim Baby?
Ein unausgeglichenes Mikrobiom wird in Verbindung gebracht mit Allergien, Infektanfälligkeit und Hautproblemen. Es ist jedoch niemals der alleinige Auslöser, sondern ein Risikofaktor unter vielen.
4. Ist eine Darmflora-Optimierung in der Schwangerschaft sicher?
Für gewöhnlich ja, sofern sie fachlich begleitet wird. Es handelt sich um Ernährung, Lebensstil und spezifisch ausgewählte Prä- und Probiotika.



28 Comments
Mo
Liebe Annette,
zwar war mir gar nicht bewusst, wie gut ausgeklügelt das Sytsem der Weitergabe nützlicher Bakterien ist, aber ich habe vermutet, dass es bei uns Menschen auch so etwas geben muss. Wirklich gewusst habe ich das nur von Koalabären.
Die Biologie ist echt spannnend.
Liebe Grüße,
Mo
Annette Pitzer
Liebe Mo,
ja Biologie ist die spannendste Naturwissenschaft überhaupt.
Alles Liebe
Annette
Kay
Eine intakte Darmdlora ist wichtig für unsere Gesundheit und ich wusste bereits, dass die immunsystemstärkenden Keime bereits im Mutterlein auf das Kind übertragen werden. Ein spannendes Thema, das du hier aufgegriffen hast 🙂
Liebe Grüße, Kay
http://www.twistheadcats.com
Annette Pitzer
Liebe Kay,
als Mikrobiologin kann ich Dir da nur zustimmen.
Alles Liebe
Annette
Steffi
Huhu,
Wow, wusste nicht das eine intakte Darmflira evtl Allergien oder Neurodermitis vorbeugen konnte. Wahnsinn wir alles irgendwie zusammenhängt und wie man vorbeugen kann.
Lg
Steffi
Annette Pitzer
Liebe Steffi,
auch für eine erwachsene Person trifft das zu.
Alles Liebe
Annette
Julia
Wieder ein sehr interessanter und informativer Beitrag. Es ist nicht nur wichtig als nicht-schwangere Person auf eine gesunde Darmflora zu achten sondern auch wenn man schwanger ist. Danke das du nochmal darauf aufmerksam machst.
Alles Liebe,
Julia
https://www.missfinnland.at
Annette Pitzer
Gerne, liebe Julia.
Alles Liebe
Annette
L♥ebe was ist
eine gesunde Darmflora ist ja immer wichtig – aber natürlich natürlich in der Schwangerschaft nich umso wichtiger!
liebste Grüße auch,
❤ Tina von liebewasist.com
Liebe was ist auf Instagram
Julia
Danke für den tollen Artikel, liebe Annette. Ich selbst hatte gerade eine Sectio und meine Kleine kämpft momentan sehr mit ihrem Darm.
Annette Pitzer
Liebe Julia,
da kann ich Dir nur raten eine kompetente Mikrobiologin aufzusuchen.
Alles Liebe
Annette
Katii
Der Artikel passt gerade so perfekt – ich bin ja momentan schwanger und mir war gar nicht bewusst, wieviel Einfluss unsere Darmflora auf das Baby hat!
Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…
Annette Pitzer
Liebe Katii,
schön, dass ich Dir beitragen konnte.
Alles Liebe
Annette
Kerstin
Dass eine gesunde Darmflora extrem wichtig ist, weiss man ja. Trotzdem habe ich beim Lesen dieses Beitrags wieder einiges dazu gelernt. Vielen Dank dafür!
Herzliche Grüße von
Kerstin
Annette Pitzer
Freut mich, liebe Kerstin.
Alles Liebe
Annette
Anna
Wirklich ein sehr interessanter und informativer Blogpost!
Annette Pitzer
Danke, liebe Anna!
Alles Liebe
Annette
Heike
Liebe Annette!
Was für ein interessanter Bericht. Ich wusste das alles gar nicht und ich finde sowas total spannend. Es ist einfach ein Wunder der Natur.
Liebste Grüße
Heike
Annette Pitzer
Liebe Heike,
ja wer als Wissenschaftler nicht an Gott glaubt, hat nichts verstanden.
Alles Liebe
Annette
Sabrina
Huhu,
klingt interessant dein Beitrag. Was es alles so gibt.
Wobei ich sagen kann mein Kind ist ein Kaiserschnitt und trotzdem deutlich weniger Krank wie die anderen Kids.
Aber jeder Körper ist anders.
Vielen Dank für den Beitrag.
Sabrina
Bea
Wahnsinn, was da in meinem Bauch alles vor sich ging, als ich einfach nur „Mutterschiff“ war und Dinge gegessen hab, bei denen es mir jetzt eiskalt über den Rücken läuft. Aber ich kann mir das auch gut vorstellen, dass das so ist. Wie wichtig es also auch ist, dass Mama sich richtig ernährt und keinen Mist zu sich nimmt, geschweige denn Medikamente (ich durfte keine Medikamente nehmen, die über die Darmschleimhaut ins Blut geraten, jetzt weiß ich wieder, warum!) oder Drogen. Unglaublich, was man auch durch das Stillen an das Kind weitergibt. Ich hab da sehr darauf geachtet.
Lieben Gruß, Bea.
Annette Pitzer
Liebe Bea,
danke, für deinen wertschätzenden Kommentar und Deinen Erfahrungsbericht.
Alles Liebe
Annette
Silke Steigerwald
Wieder ein sehr wertvoller Beitrag, liebe Annette. Es ist einfach immer wieder erstaunlich, wie genial wir „ausgestattet“ sind. Danke, dass du uns immer wieder so anschaulich durch all diese hochkomplexen Themen führst.
Annette Pitzer
Liebe Silke,
ich freue mich, wenn ich Dir Beitragen konnte.
Alles Liebe
Annette
Who is Mocca?
Wieder sehr viel dazugelernt, danke für den tollen Beitrag! Knackig alles wichtige auf den Punkt gebracht!
Liebe Grüße,
Verena von whoismocca.com und thepawsometyroleans.com
Annette Pitzer
Liebe Verena,
danke für Deinen wertschätzenden Kommentar.
Alles Liebe
Annette
Bettina Halbach
Liebe Anette, ein spannender Beitrag, ich habe ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht, wann die Darmkeime unseren Darm eigentlich besiegeln und wie früh im Leben das ist. Wieder was gelernt. Herzliche Grüße Bettina
Annette Pitzer
Liebe Bettina,
ohne Darmkeime sind wir nicht lebensfähig, daher ist es wichtig, dass das sofort nach der Geburt passiert.
Alles Liebe
Annette