
Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunthyreoiditis)
Was verbirgt sich hinter dem japanischen Namen? Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung der Schilddrüse und dennoch bleibt sie oft jahrelang unerkannt. Viele Betroffene leiden lange unter unspezifischen Symptomen, obwohl der TSH-Wert scheinbar „normal“ ist. In diesem Artikel erfährst Du, was sich hinter dem japanischen Namen verbirgt, wie die Erkrankung entsteht, warum es zu einem Auf und Ab der Symptome kommt und weshalb eine ganzheitliche Diagnostik entscheidend ist.
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Was verbirgt sich hinter dem japanischen Namen?
Bei der Hashimoto-Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem das eigene Schilddrüsengewebe fälschlicherweise als fremd erkennt und angreift.
Der Körper bildet sogenannte Autoantikörper gegen Bestandteile der Schilddrüse – vor allem gegen:
- Thyreoperoxidase (TPO-AK)
- Thyreoglobulin (TG-AK)
Diese Antikörper sind im Blut nachweisbar und gelten als diagnostischer Marker der Erkrankung. Durch den immunologischen Angriff entsteht eine chronische Entzündung, in deren Verlauf Schilddrüsengewebe schrittweise zerstört wird. Je länger dieser Prozess anhält, desto weniger funktionsfähiges Gewebe bleibt erhalten. Gelingt es, den Prozess frühzeitig zu bremsen, kann Schilddrüsengewebe erhalten bleiben.
Hashimoto-Thyreoiditis auf einen Blick
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Sie verläuft oft schleichend und beginnt häufig mit wechselnden Über- und Unterfunktionssymptomen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Eine frühe Diagnostik inklusive Antikörpern und freier Hormone ist entscheidend, um Schilddrüsengewebe möglichst lange zu erhalten.
Der typische Verlauf: ein hormonelles Auf und Ab
Am Anfang der Erkrankung kommt es häufig aufgrund der Entzündung und der darauffolgenden Zerstörung von Schilddrüsengewebe zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Warum ist das so? Das Schilddrüsenparenchym beinhaltet die Schilddrüsenfollikel. Das sind abgeschlossene, kugelförmige Räume, in denen die Schilddrüsenhormone gebildet und gespeichert werden. Zerstört die Entzündung viele dieser Bläschen, kommt es zu einer unkontrollierten Freisetzung von Schilddrüsenhormon.
Der Regelkreis der Schilddrüsenhormone – und warum er bei Hashimoto trügt
Damit wir immer und jederzeit optimal mit Schilddrüsenhormonen versorgt sind, bedient sich unser Körper eines sogenannten Rückkopplungsmechanismus. Das kann man sich wie in einer Fabrik vorstellen. Wenn alles optimal läuft, dann kommt es weder zu einem Stau, noch zu ungewollten Produktionspausen. Läuft es nicht optimal, dann greift ein Vorarbeiter ein, bis sich alles wieder gut eingespielt hat.
So ähnlich läuft es auch im Körper. Produziert die Schilddrüse zu wenige Schilddrüsenhormone, sinkt der Blutspiegel ab. Es kommt zur Meldung an die Kontrollinstanz und diese stimuliert die Schilddrüse und bringt sie dazu, mehr Schilddrüsenhormon zu bilden. Genauso funktioniert es auch im umgekehrten Fall. Zu viel Schilddrüsenhormon wird der Kontrollinstanz gemeldet und diese gibt der Schilddrüse die Anweisung, weniger Schilddrüsenhormone zu bilden.
Dieser Regelkreis ist bei der Autoimmunthyreoiditis kurzzeitig ausgehebelt, da er auf das zerstörte Gewebe keinen Einfluss hat. Das ist auch oft der Grund dafür, dass in der Anfangsphase der Hashimoto Thyreoiditis der TSH-Spiegel keinerlei Hinweise auf die Erkrankung gibt. Leider weigern sich aber die meisten Ärzte, mehr als den TSH-Spiegel im Blut zu testen. Das ist der Grund, warum die Erkrankung erst im späten Krankheitsverlauf aufgrund der fortgeschrittenen Zerstörung der Schilddrüse erkannt wird.
Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit den entsprechenden Symptomen. Jeder zehnte Mensch ist betroffen. Frauen bis zu dreimal häufiger als Männer.
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Häufigkeit und Risikogruppen
- Etwa jeder zehnte Mensch ist betroffen
- Frauen erkranken bis zu dreimal häufiger als Männer
- Der Beginn liegt oft zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, kann aber auch früher oder später auftreten
Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis
Die Hashimoto-Thyreoiditis gilt als multifaktorielle Erkrankung. Eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen, reicht allein jedoch nicht aus.
Wesentliche Einflussfaktoren sind:
- Chronischer Stress
- Mikronährstoffmängel (z. B. Selen, Jod, Eisen, Zink)
- Virale Infektionen
- Umweltbelastungen (Schwermetalle, Umweltgifte)
- Darmdysbiosen und Leaky Gut
- Ungünstige Lebensstilfaktoren
Familien zeigen häufig ähnliche Ernährungs-, Bewegungs- und Stressmuster – ein Hinweis darauf, dass die Lebensweise einen größeren Einfluss hat als lange angenommen.
Hashimoto beginnt oft im Darm
Autoimmunerkrankungen gehen häufig mit einer gestörten Darmbarriere einher. Da etwa 70–80 % des Immunsystems im Darm lokalisiert sind, beeinflusst eine Dysbiose das Immunsystem maßgeblich.
Studien zeigen Zusammenhänge zwischen:
- Leaky-Gut-Syndrom
- veränderter Darmflora
- erhöhte Autoantikörperbildung
👉 Eine Hashimoto-Therapie ohne Blick auf den Darm greift daher meist zu kurz.
Studien:
- Fasano A. et al., Leaky gut and autoimmune diseases, Clin Rev Allergy Immunol, 2012
- Knezevic J. et al., Gut microbiota and Hashimoto’s thyroiditis, Endocrine, 2020
Diagnostik: Was wirklich getestet werden sollte
Eine fundierte Diagnostik umfasst mehr als den TSH-Wert:
- TSH
- fT3 und fT4
- TPO-AK, TG-AK
- Ultraschall der Schilddrüse
- Mikronährstoffe (v. a. Selen, Jod, Eisen)
- ggf. Darmdiagnostik
Fazit
Hashimoto-Thyreoiditis ist keine reine Schilddrüsenerkrankung, sondern eine systemische Autoimmunerkrankung. Wer sie früh erkennt und ganzheitlich betrachtet, kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und Lebensqualität zurückgewinnen.
FAQs
Ist Hashimoto heilbar?
Die Schulmedizin sagt Nein, aber der Verlauf lässt sich oft deutlich positiv beeinflussen. Meine Hashimoto-Thyreoiditis habe ich ausgeheilt, insofern bleibe ich offen.
Warum reicht der TSH-Wert nicht aus?
Weil er in frühen Phasen normal sein kann, obwohl bereits eine Autoimmunreaktion läuft.
Muss Hashimoto immer mit Hormonen behandelt werden?
Nicht zwingend sofort. Die Therapie richtet sich nach Symptomen, Hormonwerten und Verlauf.
Spielt Ernährung eine Rolle?
Ja, Ernährung, Mikronährstoffe und Darmgesundheit beeinflussen das Immunsystem maßgeblich.



17 Comments
Bo
Hall, da ich selbst darunter leide und mich auch darüber informiert habe, kenne ich einiges davon, aber du hast es gut zusammen gefasst.
Liebe Grüße Bo
Annette Pitzer
Liebe Bo,
schön, dass Dir der Artikel gefallen hat.
Alles Liebe
Annette
Anna
Schöner Beitrag. Ich hatte in der Schwangerschaft Schilddrüseunterfunktion. Da habe ich Medikamente bekommen und war alles OK. Nach der Schwangerschaft hatte ich zum Glück nie mehr Probleme.
Liebe Grüße
Anna
Annette Pitzer
Liebe Anna,
ja Hormonschwankungen lösen gerne einen Hashimoto aus. Schön, dass es Dir jetzt wieder gut geht.
Alles Liebe
Annette
L♥ebe was ist
es ist schon erstaundlich, was gerade Menschen mit Hashiomoto durch einen angepassten Lebensstil alles bewegen können – an ihrer eigenen Gesundheit 🙂
super Beitrag!
liebste Grüße auch,
❤ Tina von liebewasist.com
Liebe was ist auf Instagram
Annette Pitzer
Liebe Tina,
mehr als jeder Arzt oder Therapeut je erreichen könnte.
Alles Liebe
Annette
Bea
Sehr informativer Beitrag und nicht zu kompliziert erklärt. Ich selbst habe damit keine Erfahrungen gemacht, habe nur in der Tierheilpraktiker-Ausbildung davon gehört.
Danke für die tolle Erklärung.
Lieben Gruß, Bea.
Annette Pitzer
Liebe Bea,
danke für Dein Interesse.
Alles Liebe
Annette
Loving Carli
Danke für den informativen Beitrag. Ich selber bin nicht betroffen aber denke es werden immer mehr mit dieser Erkrankung. Da ist so ein Beitrag sehr nützlich.
Liebe Grüße
Melanie von https://www.lovingcarli.com
Annette Pitzer
Liebe Malanie,
ja es erkranken immer mehr Menschen an Hashimoto.
Alles Liebe
Annette
Ina
Gute und übersichtliche Zusammenfassung! Sicher hilfreich für Betroffene. Ich kenne daran Erkrankte und weiss wie schwierig sie manchmal zu händeln ist und wie lang der Weg zur Diagnose sein kann.
LG aus Norwegen
Ina
Avaganza
Liebe Annette,
ich habe zwar schon von dieser Krankheit gehört, aber nicht genau gewusst was dahinter steckt. Danke für diesen informativen Beitrag. Interessant finde ich auch immer wieder zu lesen wie groß der Einfluss von Ernährung und Stress auf den Körper ist.
Liebe Grüße
Verena
Annette Pitzer
Liebe Isabella,
danke, für die wertschätzende Erwähnung in Deinem Blog.
Alles Liebe
Annette
Jana
Ich kenne eine junge Frau, die davon betroffen ist, wusste aber selbst nicht so viel über die Erkrankung. Danke für die Infos!
Liebe Grüße
Jana
Annette Pitzer
Liebe Jana,
leider ist diese Erkrankung weltweit im Vormarsch.
Alles Liebe
Annette
Mo
Liebe Annette,
na klar, von Hashimoto habe ich schon mal gehört. Aber was genau hinter diesem Wort steckt, wusste ich bisher nicht. Ich danke dir für deinen sehr aufschlussreichen, informativen und gut verständlichen Artikel.
Liebe Grüße
Mo
Annette Pitzer
Liebe Mo,
immer gerne.
Alles Liebe
Annette