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Schilddrüsenunterfunktion und Sodbrennen

Schilddrüsenunterfunktion als Ursache für Sodbrennen

Sodbrennen gehört zu den häufigsten Verdauungsbeschwerden. Viele Betroffene gehen automatisch davon aus, dass zu viel Magensäure die Ursache ist, und greifen zu säurehemmenden Medikamenten.
Doch genau hier liegt oft das Problem: Nicht selten steckt ein Magensäuremangel dahinter, insbesondere bei Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion. Hier erfährst Du mehr über den Zusammenhang zwischen Schilddrüsenunterfunktion und Sodbrennen.

Magensäure: lebenswichtig für Verdauung und Nährstoffaufnahme

Unser Magen produziert täglich etwa 1,5 bis 2,5 Liter Magensaft, davon rund einen Liter Magensäure (Salzsäure).
Magensäure ist unverzichtbar für:

  • die Eiweißverdauung
  • die Abtötung von Keimen
  • die Aktivierung von Verdauungsenzymen
  • die Aufnahme von Vitamin B12, Eisen, Zink, Kalzium und Magnesium

Produziert der Magen zu viel Säure, kann es nach bestimmten Mahlzeiten, etwa fettigem, süßem Hefegebäck, zu Sodbrennen kommen. Die Magensäure steigt in Richtung Speiseröhre auf und reizt die Schleimhaut.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit.

Schilddrüse und Sodbrennen auf einen Blick

Typische Kombination bei Hypothyreose:
Sodbrennen trotz Völlegefühl
Blähungen, langsame Verdauung
Vitamin-B12-Mangel
Eisenmangel
Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
???? Häufig liegt keine Übersäuerung, sondern ein funktioneller Magensäuremangel vor.

Sodbrennen trotz Magensäuremangel (Hypoazidität)

Sodbrennen wird nicht immer durch eine Übersäuerung (Hyperazidität) verursacht.
Im Gegenteil: Viele Patientinnen und Patienten leiden an einer zu geringen Magensäureproduktion.

Was passiert dann?

  • Der Nahrungsbrei wird nicht ausreichend aufgeschlossen
  • Er verbleibt zu lange im Magen
  • Der Druck im Magen steigt
  • Der Mageninhalt wird Richtung Speiseröhre gedrückt

➡️ Das Ergebnis: Sodbrennen trotz zu wenig Magensäure

Zusätzlich kommt es langfristig zu Nährstoffmängeln, die sich durch Müdigkeit, Haarausfall, Infektanfälligkeit oder Blutarmut äußern können.
Diese Mängel lassen sich oral oft nicht ausgleichen, da ohne Magensäure die Aufnahme blockiert ist.

Der entscheidende Zusammenhang: Schilddrüse und Magensäure

Hier kommt die Schilddrüse ins Spiel.

Unser Hormonsystem funktioniert über fein abgestimmte Regelkreise. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) ist der gesamte Stoffwechsel verlangsamt, inklusive der Verdauungsorgane.

Warum die Schilddrüse die Magensäure beeinflusst

  • Schilddrüsenhormone stimulieren die Aktivität der Magendrüsen
  • Sie beeinflussen die Bildung von Gastrin, dem Hormon, das die Magensäureproduktion steuert
  • Bei Hypothyreose wird zu wenig Gastrin gebildet
  • Die Belegzellen produzieren zu wenig Salzsäure

➡️ Ergebnis: funktioneller Magensäuremangel mit Refluxsymptomen

Hashimoto und autoimmune Gastritis Typ A

Leidest Du an einer Hashimoto-Thyreoiditis, ist besondere Vorsicht geboten.

Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung und Autoimmunerkrankungen kommen selten allein.
Häufig tritt begleitend eine autoimmune Gastritis Typ A auf.

Was bedeutet das?

  • Das Immunsystem greift die magensäurebildenden Belegzellen an
  • Die Magensäureproduktion sinkt drastisch
  • Vitamin-B12-Mangel und Anämie sind häufig
  • Langfristig steigt das Risiko für Magenkrebs

???? Eine Hashimoto-Thyreoiditis ist keine harmlose Befindlichkeitsstörung, sondern eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Selbsttests: Zu viel oder zu wenig Magensäure?

Wenn Du nicht weißt, wodurch Dein Sodbrennen verursacht wird, können diese orientierenden Selbsttests Hinweise liefern:

Rote-Bete-Test

  • Nüchtern 60 ml Rote-Bete-Saft trinken
  • Verfärben sich Urin oder Stuhl rötlich → Hinweis auf Magensäuremangel

Natriumbicarbonat-Test

  • Nüchtern ein Glas Wasser + 1 TL Natriumbicarbonat
  • Aufstoßen innerhalb von 5 Minuten → Hinweis auf Übersäuerung

⚠️ Diese Tests ersetzen keine Diagnostik, geben aber erste Hinweise.

Wichtiger Warnhinweis

Bei Magensäuremangel dürfen keine Protonenpumpenhemmer (z. B. Omeprazol) eingenommen werden.
Sie verschlechtern:

  • Nährstoffmängel
  • Darmflora
  • Infektanfälligkeit
  • langfristig auch Refluxbeschwerden

Was jetzt sinnvoll ist

  • differenzierte Diagnostik (Schilddrüse, Magensäure, Vitamin B12, Eisen)
  • keine pauschale Säureblockade
  • Behandlung der Ursache statt Unterdrückung der Symptome

Schilddrüsenunterfunktion und Sodbrennen: Studien und wissenschaftliche Einordnung

Häufige Fragen (FAQ)

Kann Sodbrennen durch zu wenig Magensäure entstehen?
Ja. Ein Magensäuremangel ist eine häufige, aber unterschätzte Ursache für Reflux.

Warum hilft Omeprazol oft nicht dauerhaft?
Weil es die Ursache nicht behebt und bei Magensäuremangel sogar verschlimmert.

Ist Hashimoto immer mit Magenproblemen verbunden?
Nicht immer, aber das Risiko für eine autoimmune Gastritis ist deutlich erhöht.

Kann ich Nährstoffmängel einfach supplementieren?
Nicht ohne ausreichende Magensäure, sonst werden sie nicht aufgenommen.

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