Neue Reizdarmdiagnostik
In diesem Artikel geht es um die neue Reizdarmdiagnostik, daher gehe ich nicht näher auf die Symptome und Auswirkungen des Reizdarm-Syndroms ein, denn Du findest dazu hier auf dem Blog Gesundheitsgeflüster den Artikel „Reizdarm-Syndrom (Colon irritable)“, der sich ausführlich mit dem Reizdarm-Syndrom beschäftigt.
Bisher war es nicht möglich, das Reizdarm-Syndrom diagnostisch zweifelsfrei zu verifizieren, sodass es eine Menge Verunsicherung sowohl bei Therapeuten als auch bei den Betroffenen gab und gibt.
Viele Ärzte taten die Diagnose Reizdarm sogar als Verlegenheitsdiagnose ab, fatal für die Betroffenen, die nicht selten als überreizt und psychisch labil hingestellt wurden. Das hat nun ein Ende.
Die Reizdarmdiagnostik ist da!
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Reizdarmdiagnostik: Warum neue Wege nötig sind
Das Reizdarm-Syndrom zählt zu den häufigsten funktionellen Darmerkrankungen. Viele Betroffene haben bereits eine lange medizinische Odyssee hinter sich: unauffällige Befunde, wechselnde Diagnosen und Therapien, die nur kurzfristig oder gar nicht helfen.
Das liegt nicht daran, dass es keine Veränderungen im Körper gibt – sondern daran, dass lange nicht die richtigen Ebenen untersucht wurden. Klassische Diagnostik konzentriert sich vor allem auf organische Veränderungen, Entzündungsmarker oder das Darmmikrobiom. Beim Reizdarm-Syndrom greifen diese Ansätze jedoch oft zu kurz.
Denn Reizdarm ist keine reine Darmerkrankung, sondern eine komplexe Funktionsstörung, bei der mehrere Systeme beteiligt sind. Um die Erkrankung wirklich zu verstehen und nachhaltig zu behandeln, braucht es daher eine erweiterte Diagnostik, die auch die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn berücksichtigt.
Neue Reizdarmdiagnostik – kurz erklärt
• betrachtet die Darm-Hirn-Achse
• misst enterale Neurotransmitter
• erklärt Schmerz, Durchfall und Verstopfung
• ergänzt klassische Darmdiagnostik
• eröffnet neue Therapieansätze
Reizdarmdiagnostik: Reizdarm-Syndrom und Darm-Hirn-Achse
Betrachten wir uns zuerst die Darm-Hirn-Achse und die Reizdarm-assoziierten Symptome
Dein Gehirn und Dein Darm haben eine direkte Verbindung, denn sie kommunizieren bidirektional über die Darm-Hirn-Achse (Gut-Brain-Axis). Das ist wichtig, zu erkennen. Denn wenn Du das verstanden hast, kannst Du verstehen, warum Deine bisherigen Bemühungen mit Darmsanierung, Darmspülungen, Ernährungsumstellungen und vielem mehr keinen durchschlagenden Erfolg hatten. Das Reizdarm-Syndrom ist nicht ausschließlich ein Darmproblem, sondern eine Störung der bidirektionalen Kommunikation zwischen Darm und Gehirn (1).
Typische Reizdarm-Symptome der Darm-Hirn-Achse

Die Reizdarmsymptome, die mit der bidirektionalen Kommunikationsstörung zwischen Darm und Gehirn assoziiert sind, zeigen sich in:
- Entzündungen,
- Motilitätsstörungen (Diarrhö und/oder Obstipation),
- Schlafstörungen,
- Schmerzen,
- Übelkeit und Erbrechen,
- viszerale Hypersensitivität
Das bedeutet nicht, dass es beim Reizdarm-Syndrom keine Veränderungen im Darm gibt, die gibt es natürlich. Das Mikrobiom des Reizdarmpatienten ist meist verändert und häufig liegt auch eine Permeabilitätsstörung, also ein Leaky-Gut-Syndrom, vor. Diese Veränderungen müssen zwingend behoben werden, um eine langfristige Genesung zu erreichen.
Bisher wurde jedoch eine weitere wichtige Ebene der Therapie nicht beachtet, da die Diagnostik fehlte. Die bidirektionale Kommunikation der Darm-Hirn-Achse. Diese Lücke ist jetzt durch Laboruntersuchung Gut-Brain-Axis-Reizdarm geschlossen. Das erweitert die Therapiemöglichkeit endlich um diesen erfolgversprechenden, wichtigen Faktor. In meiner Praxis kann ich schon erste Erfolge bei meinen Reizdarmpatienten verbuchen.
Warum Darmsanierung allein oft nicht ausreicht
Viele Reizdarmpatienten haben bereits einiges ausprobiert: Darmsanierungen, Probiotika, Darmspülungen, Eliminationsdiäten oder umfangreiche Ernährungsumstellungen. Oft berichten sie über kurzfristige Verbesserungen – die Beschwerden kehren jedoch zurück.
Der Grund dafür ist entscheidend: Diese Maßnahmen setzen ausschließlich am Darm an, nicht jedoch an der gestörten bidirektionalen Kommunikation zwischen Darm und Gehirn.
Beim Reizdarm-Syndrom ist diese Kommunikation fehlreguliert. Signale aus dem Darm werden im Nervensystem übermäßig verstärkt oder missinterpretiert, während umgekehrt Stress- und Angstsignale aus dem Gehirn direkt auf den Darm wirken. Solange diese Fehlkommunikation bestehen bleibt, können selbst gut durchgeführte Darmsanierungen keine nachhaltige Heilung bewirken.
Das bedeutet nicht, dass Darmsanierung unnötig ist, im Gegenteil. Sie ist eine wichtige Grundlage, muss jedoch durch eine gezielte Diagnostik und Regulation der Darm-Hirn-Achse ergänzt werden.
Reizdarmdiagnostik: diagnostische Parameter
Schon lange ist bekannt, dass unser Darmmikrobiom eine ganze Reihe enteraler Substanzen wie Hormone und Neurotransmitter beeinflusst. Diese Parameter modulieren die Interaktion zwischen Darm und Gehirn und sie beeinflussen die Darmschleimhaut. Sie sind die Boten, die die Nachrichten transportieren. Laufen sie fehl, kommt es zu fehlerhafter Kommunikation, was sich als Reizdarm-Syndrom manifestieren kann.
Neue Reizdarmdiagnostik: messbare Parameter der Darm-Hirn-Achse
Die Darm-Hirn-Achse war lange ein theoretisches Konzept. Heute wissen wir, dass sie sich über biochemische Botenstoffe reguliert und diese Botenstoffe messbar sind.
Die neue Reizdarmdiagnostik setzt genau hier an. Sie erfasst enterale Neurotransmitter, Hormone und Vorstufen, die die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn steuern. Diese Substanzen beeinflussen:
- die Darmmotilität
- das Schmerzempfinden
- Entzündungsprozesse
- die Stressreaktion
- Schlaf und psychische Stabilität
Sind diese Parameter aus dem Gleichgewicht geraten, kommt es zu einer fehlerhaften Signalübertragung. Die Folge sind typische Reizdarmsymptome wie Durchfall, Verstopfung, Schmerzen, Blähungen oder viszerale Hypersensitivität.
Durch die Labordiagnostik der Darm-Hirn-Achse wird diese bislang „unsichtbare“ Ebene erstmals objektivierbar – und damit gezielt behandelbar.
Welche Parameter spielen in der neuen Reizdarmdiagnostik eine Rolle?
Histamin
Enterales Histamin verstärkt das Reizdarm-Syndrom. Es erhöht das Schmerzgefühl, verursacht Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen, erhöht das Stressempfinden, führt zu Schlafstörungen fördert Leaky Gut und Entzündungen.
Das Gewebshormon Histamin wirkt sich vielfach negativ auf die Reizdarm-Symptomatik aus. Es bindet im Darm an H1-Rezeptoren enteraler Nerven der Submukosa und fördert Schmerzen, Durchfall sowie Übelkeit und Erbrechen (2; 3).
Histamin wirkt natürlich nicht nur im Darm. In den Nebennieren, unseren Stressorganen, bindet es sich ebenfalls an H1-Rezeptoren und regt die Ausschüttung von Adrenalin, unserem Stresshormon, an. Das erhöht dann unweigerlich das Stresslevel des Reizdarmpatienten (4). Dieser Stress verhindert dann das Ausheilen des Reizdarm-Syndroms (5).
Wie ich oben schon geschrieben habe, leiden viele Reizdarmpatienten an einem Leaky-Gut-Syndrom und niedriggradigen Entzündungen (stillen Entzündungen, auch Silent Inflammation). Histamin ist an diesem Phänomen maßgeblich beteiligt, denn es erhöht die Permeabilität der Darmschleimhaut und wirkt entzündungsfördernd.
Reizdarmdiagnostik und Serotonin
Serotonin verändert die Darmperistaltik, erhöht das Schmerzgefühl und verursacht Übelkeit
Reizdarmpatienten weisen oft veränderte Serotoninspiegel im Darm auf. Serotonin wird im Dünndarm gebildet und reguliert die Darmperistaltik und das Schmerzempfinden (6).
Aktiviert Serotonin übermäßig die Serotoninrezeptoren 5-HT3 und 5-HT4 im Darm, führt das zu einer vermehrten Darmkontraktion, was dann eine Diarrhö auslösen kann (7).
Bindet das Serotonin hingegen vermehrt an den 5-HT1-Rezeptor, wird die Darmperistaltik gehemmt und es kommt zur Obstipation. Auch niedrige Serotoninspiegel im Darm begünstigen eine Obstipation (8).
Reizdarmdiagnostik und Tryptophan
Tryptophan erhöht die Darmbarriere, vermindert Entzündungen, vermindert Schlafstörungen und stabilisiert die psychische Gesundheit
Tryptophan ist eine Schlüsselsubstanz für unseren Körper. Es ist die Vorstufe des Neurotransmitters Serotonin und des Epiphysenhormons Melatonin. Ein Defizit an Serotonin wird als wesentlicher pathogenetischer Faktor für Depressionen diskutiert.
Der größte Teil des aus der Nahrung aufgenommenen Tryptophans wird im Dünndarm absorbiert. Nehmen wir zu wenig Tryptophan über unsere Nahrung auf, kann die intakte Darmbarriere nicht aufrechterhalten werden. Die Tight-Junction-Proteine, der Schleimhautschutz-Antikörper IgA und die ß-Defensine nehmen ab. Die Folge kann ein Leaky-Gut-Syndrom und eine verminderte Schleimhautimmunität sein.
Zudem aktiviert Tryptophan das sogenannte mTOR-Signalsystem, was für die Neubildung und Reparatur des Darmepithels Sorge trägt (9).
Reizdarmdiagnostik und GABA (γ-Aminobuttersäure)
GABA reduziert das Schmerzgefühl, denn es ist der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im zentralen und peripheren Nervensystem (10). Natürlich hemmt GABA daher auch das Schmerzempfinden über die Darm-Hirn-Achse. Enterales GABA, das von bestimmten Darmbakterien gebildet wird, hemmt also das intestinale Schmerzempfinden.
GABA kann noch eine Menge mehr. Es reguliert Angst, Stress und unseren zirkadianen Rhythmus. Es verbessert zudem die Gedächtnisleistung.
Hier schließt sich wieder ein Kreis zur normalen Darmdiagnostik, denn GABA wirkt pH-abhängig. Optimal ist ein Darm-pH-Wert von 5,3 bis 6,2. Außerhalb dieser pH-Wert-Bandbreite nimmt die Aufnahmefähigkeit der Darmepithelzellen für GABA stark ab.
Welche therapeutischen Möglichkeiten sich daraus ergeben
Die neue Reizdarmdiagnostik eröffnet völlig neue therapeutische Perspektiven. Statt ausschließlich symptomorientiert zu behandeln, kann nun ursachenbezogen gearbeitet werden.
Je nach diagnostischem Befund lassen sich Therapien individuell ausrichten, zum Beispiel durch:
- gezielte Regulation von Histamin
- Modulation der Serotoninbalance
- Stabilisierung des Tryptophanstoffwechsels
- Förderung der GABAergen Signalwege
- Kombination mit klassischer Darmtherapie und Mikrobiomaufbau
Das Ziel ist nicht, Symptome kurzfristig zu unterdrücken, sondern die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn zu normalisieren. Erst wenn diese wieder im Gleichgewicht ist, kann sich die Darmschleimhaut regenerieren, das Schmerzempfinden abnehmen und die Verdauung stabilisieren.
In meiner Praxis sehe ich bereits, dass Reizdarmpatienten von diesem erweiterten Ansatz deutlich profitieren, insbesondere dann, wenn frühere Therapien nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben.
Du glaubst, dass Du an einem Reizdarm-Syndrom leiden könntest?
Dann lass uns reden und die neue Reizdarmdiagnostik und die sich daraus ergebenden Therapiemöglichkeiten zu Deinem Wohle einsetzen. Du hast lange genug gelitten.
Vereinbare gerne ein gratis Klärungsgespräch mit mir.
FAQs
Was ist die neue Reizdarmdiagnostik?
Sie erfasst erstmals die biochemischen Botenstoffe der Darm-Hirn-Achse, die an der Reizdarm-Symptomatik beteiligt sind.
Warum hilft klassische Diagnostik oft nicht?
Weil sie die gestörte Kommunikation zwischen Darm und Gehirn nicht berücksichtigt.
Kann Reizdarm dadurch besser behandelt werden?
Ja, da gezielte therapeutische Ansätze auf Basis messbarer Parameter möglich werden.


