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Hashimoto-Thyreoiditis und Selen

Hashimoto-Thyreoiditis und Selen

Warum ist Selen für Schilddrüse, Stoffwechsel und Psyche unverzichtbar? Selen ist ein oft unterschätzter Mikronährstoff, besonders für die Schilddrüse und ganz besonders bei Hashimoto-Thyreoiditis. Dabei spielt Selen eine zentrale Rolle für die Aktivierung der Schilddrüsenhormone, den Schutz der Schilddrüse vor oxidativem Stress und die Regulation autoimmuner Prozesse. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine gute Selenversorgung den Krankheitsverlauf bei Hashimoto positiv beeinflussen kann.

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Warum ist Selen so wichtig für die Schilddrüse?

Besonders in der Schilddrüse ist die Selenkonzentration sehr hoch. Der Grund: Selen wird für die Bildung des aktiven Schilddrüsenhormons T3 benötigt. Die sogenannten selenabhängigen Dejodasen wandeln das inaktive T4 in das biologisch wirksame T3 um.

Wer Schilddrüsenmedikamente wie L-Thyroxin oder Euthyrox einnimmt, profitiert daher häufig von einer zusätzlichen Selenversorgung. Studien zeigen, dass Selen die Wirkung der Hormonsubstitution unterstützen kann – insbesondere bei bestehender Unterfunktion (Hypothyreose).

Selen und Hashimoto kurz erklärt

Selen ist essenziell für die Umwandlung von Schilddrüsenhormonen, den Schutz vor oxidativem Stress und die Regulation des Immunsystems. Bei Hashimoto-Thyreoiditis kann eine gezielte Selenversorgung Entzündungen reduzieren und Symptome lindern, vorausgesetzt, sie erfolgt individuell und laborbasiert.

Selenmangel – ein unterschätztes Risiko bei Hashimoto

Ein Selenmangel bleibt häufig lange unentdeckt, da er unspezifische Symptome verursacht. Gerade bei Hashimoto-Thyreoiditis ist das problematisch, denn Betroffene haben häufig einen erhöhten Bedarf an Selen. Entzündungsprozesse, oxidativer Stress und eine eingeschränkte Nährstoffaufnahme über den Darm erhöhen den Verbrauch zusätzlich.

Typische Hinweise auf einen möglichen Selenmangel können sein:

  • ausgeprägte Müdigkeit und Erschöpfung
  • Infektanfälligkeit
  • Haarausfall
  • depressive Verstimmungen
  • Konzentrationsprobleme
  • schlechte Umwandlung von T4 in T3 trotz Hormoneinnahme

Besonders kritisch ist, dass ein Selenmangel sowohl die Entgiftungsfähigkeit als auch die antioxidativen Schutzmechanismen der Schilddrüse schwächt – ein ungünstiger Kreislauf bei einer autoimmunen Entzündung.

Euthyreot – und trotzdem Symptome?

In der Praxis zeigt sich häufig folgendes Bild: Patientinnen gelten laborchemisch als „euthyreot“, also mit normaler Schilddrüsenfunktion, leiden jedoch weiterhin unter typischen Symptomen einer Unterfunktion.

Ein genauer Blick auf die Werte offenbart oft:

  • erhöhtes fT4
  • erniedrigtes fT3

Das deutet auf eine gestörte Umwandlung von T4 zu T3 hin, ein Prozess, der ohne ausreichend Selen nicht optimal funktioniert. In diesen Fällen ist eine Selenbestimmung im Labor dringend sinnvoll.

Eine unzureichende T3-Versorgung kann zu Gewichtszunahme, verlangsamtem Stoffwechsel und Müdigkeit führen. Eine optimierte Selenversorgung kann hier unterstützend wirken.

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Selen und die entzündete Schilddrüse

Die Produktion von Schilddrüsenhormonen lässt große Mengen an freien Radikalen entstehen. Diese aggressiven Moleküle können das Schilddrüsengewebe schädigen und Entzündungen fördern. Selenabhängige Enzyme wie Glutathionperoxidasen neutralisieren diese freien Radikale und schützen die Schilddrüse vor oxidativem Stress. Dieser Schutzmechanismus funktioniert jedoch nur bei ausreichender Selenversorgung.

Selen, Darmgesundheit und Autoimmunprozesse

Hashimoto-Thyreoiditis ist keine isolierte Schilddrüsenerkrankung, sondern Teil eines komplexen autoimmunen Geschehens. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Darm. Studien zeigen, dass Selen nicht nur direkt auf die Schilddrüse wirkt, sondern auch das Immunsystem moduliert.

Selen trägt dazu bei:

Da ein großer Teil des Immunsystems im Darm sitzt, ist eine ausreichende Selenversorgung auch aus diesem Grund ein wichtiger Baustein in der ganzheitlichen Hashimoto-Begleitung.

Selen und Antikörper – Einfluss auf die Autoimmunaktivität

Mehrere Studien konnten zeigen, dass Selen die Bildung von Schilddrüsenantikörpern (insbesondere TPO-Antikörpern) senken kann. Hohe Antikörperspiegel sind ein Zeichen für eine aktive Autoimmunreaktion und stehen häufig mit stärkeren Symptomen in Verbindung.

Eine gute Selenversorgung kann:

  • die Antikörperlast reduzieren
  • entzündliche Prozesse abschwächen
  • das Fortschreiten der Gewebezerstörung verlangsamen

Wichtig ist dabei: Selen ersetzt keine Therapie, kann diese aber sinnvoll unterstützen.

Schilddrüse und Psyche: eine enge Verbindung

Hashimoto-Betroffene berichten häufig über:

  • Antriebslosigkeit
  • depressive Verstimmungen
  • starke Müdigkeit

In frühen Krankheitsphasen mit stark schwankenden Hormonwerten können zudem Unruhe, Schlafstörungen und Gereiztheit auftreten. Unbehandelt erhöht sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion das Risiko für depressive Erkrankungen.

Studien deuten darauf hin, dass ein ausreichender Selenspiegel entzündliche Prozesse und damit auch neuropsychische Begleiterscheinungen positiv beeinflussen kann.

Woher bekomme ich genug Selen?

Selen muss mit der Nahrung zugeführt werden. Es kommt vor allem in Fleisch, Fisch, Eiern, Nüssen, Gemüse, Milch- und Getreideprodukten vor. Besonders selenhaltig sind Paranüsse.

Aufgrund der überdüngten Böden ist der Selengehalt unserer Nahrung aber extrem niedrig, sodass selbst eine ausgewogene Ernährung den Bedarf oft nicht deckt.

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Wie hoch sollte die Selenzufuhr bei Hashimoto sein?

Der individuelle Bedarf an Selen kann bei Hashimoto deutlich vom allgemeinen Referenzwert abweichen. Entzündung, oxidativer Stress, Darmprobleme und Umweltbelastungen erhöhen den Bedarf.

In Studien werden häufig Dosierungen zwischen 100 und 200 µg Selen pro Tag eingesetzt. Eine pauschale Empfehlung ist jedoch nicht sinnvoll. Entscheidend ist:

  • der aktuelle Selenspiegel
  • die Dauer der Einnahme
  • die Nierenfunktion
  • die gleichzeitige Versorgung mit anderen Mikronährstoffen (z. B. Jod, Zink)

Deshalb gilt: Erst messen, dann gezielt ergänzen.

Warum es wichtig ist, Deinen Seelenspiegel zu testen

Selenmangel hat fatale Folgen für Deine Gesundheit, vor allem für Deine Schilddrüse. Eine Unterversorgung zeigt sich im Nährstofftest.

Selen kann überdosiert werden und dann treten Nebenwirkungen auf. Erste Anzeichen sind ein knoblauchartiger Atemgeruch, Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Müdigkeit und Haarausfall.

Im Falle einer längeren Überdosierung kann sich das Nagel- und Haarwachstum verändern und es können Störungen des Nervensystems auftreten.

Ein Nährstofftest stellt den Selenwert ohne viel Aufwand fest. Bei längerer Einnahme sollte dabei der Selenspiegel immer einmal überprüft werden.

Fazit

Eine ausreichende Versorgung mit Selen, idealerweise kombiniert mit einer individuell abgestimmten Jodversorgung, kann den Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis positiv beeinflussen. Studien zeigen, dass Selen:

  • Schilddrüsenantikörper senken
  • entzündliche Prozesse reduzieren
  • die Hormonumwandlung verbessern kann

Selen ist damit ein zentraler Baustein in der ganzheitlichen Begleitung von Hashimoto-Betroffenen.

Studien und wissenschaftliche Quellen:

Gartner et al., Selenium supplementation in patients with autoimmune thyroiditis, JCEM, 2002
Toulis et al., Selenium supplementation in autoimmune thyroiditis, Thyroid, 2010
Rayman MP, Selenium and human health, Lancet, 2012

FAQs

Warum ist Selen bei Hashimoto so wichtig?

Weil es die Umwandlung von T4 zu T3 ermöglicht und die Schilddrüse vor entzündlichen Schäden schützt.

Kann ich bei Hashimoto Selen einfach ohne Labor­kontrolle einnehmen?

Nein, eine Einnahme sollte idealerweise nach Laborkontrolle erfolgen, da Selen überdosiert werden kann.

Reicht Selen aus der Ernährung für eine gute Versorgung aus?

In Mitteleuropa oft nicht, da die Böden selenarm sind.

Hilft Selen auch der Psyche?

Studien deuten darauf hin, dass Selen entzündungsbedingte psychische Symptome positiv beeinflussen kann.

26 Comments

  • Marit

    Ehrlich gesagt hatte Ich nicht gedacht Welche Einfluss Hashimoto auf men Leben hatte.
    Inzwischen sind meine Werten immer gleich und Internist hat festgestellt Ich habe fast Kein Schilddrüsegewebe mehr.
    Soll Ich wirklich SELEN neben mein Thyrex nehmen?

    • Annette Pitzer

      Liebe Marit,
      für Deine restliche Schilddrüse und für Deine Entgiftungsenzyme auf jeden Fall. Lass doch Deinen Selenwert einmal im Vollblut (nicht im Serum) testen. Du wirst erstaunt sein.
      Alles Liebe
      Annette

  • Corinna

    Wow! Vielen Dank für den interessanten Artikel und die wertvollen Infos zum Thema Selen! Wieder was dazugelernt. Einen sehr schöner Blog, den packe ich mir am besten gleich mal auf die Leseliste! 🙂

    Schönes Wochenende und liebe Grüße aus Tirol,
    Corinna

  • Ramona

    Wow, ein super Beitrag: Gernade für mich sehr interessant. Ich leider schon seit Jahren an einer Schildrüsenunterfunktion und bin gerade mal wieder auf der Suche nach einem Spezialisten- super schwer hier überhaupt noch Termine zu bekommen!

    Danke für die Hilfe!!!

    Liebe Grüße

    • Annette Pitzer

      Liebe Ramona,
      das scheint überall ein Problem zu sein. Hinzu kommt, dass die „Spezialisten“ dann oft wenig daran interessiert sind, was sich so in der Forschung tut und weiterhin mit den alten überholten Therapiemustern therapieren.
      Alles Liebe
      Annette

    • Annette Pitzer

      Liebe Tina,
      schön, dass Du meinen Blog „Gesundheitsgeflüster“ gefunden hast. Freue mich mehr von Dir zu hören/lesen.
      Alles Liebe
      Annette

  • Wioleta

    Liebe Annette,
    Vielen Dank für den wertvollen Beitrag! Schön mein ganzes Leben lang leide ich an einer Schilddrüsenunterfunktion. Ich habe jedoch noch nie gehört, dass Selen dabei helfen soll, geschweige denn, was das genau sein soll. Daher war dieser Beitrag wirklich sehr informativ für mich!

    • Annette Pitzer

      Liebe Wioleta,
      das Du noch nie im Zusammenhang mit einer Schilddrüsenunterfunktion von Selen gehört hast ist beängstigend. Deshalb um das Wissen über Gesundheit in die Welt zu tragen betreibe ich den Blog „Gesundheitsgeflüster“. Schön, dass ich Dir beitragen konnte.
      Alles Liebe
      Annette

  • Mo

    Liebe Annette,

    vielen lieben Dank für den wirklich ausführlichen und interessanten Beitrag. Den hätte ich so gerne meiner Oma gezeigt, aber dafür ist es jetzt leider zu spät.
    Dennoch bin ich froh diesen Bericht gelesen zu haben, denn das wird mir sicherlich noch einmal nützlich sein.

    Liebe Grüße,
    Mo

  • Blog-Pirat

    Hey Annette,
    meine Frau hat letztes Jahr eine Operation der Schilddrüse gehabt und hat den ganzen Quatsch durch mit Einstellen der Thyrox-Höhe etc.
    Das mit dem Selen war uns beiden neu. Also danke für den input, das wird meine Frau mal überprüfen, wie da ihre Werte sind.
    Beste Grüße
    Blog-Pirat
    blog-pirat.com

    • Annette Pitzer

      Hallo Blog-Pirat,
      da wird Deine Frau sicherlich von einer Substitution profitieren. Aber erst den Ist-Wert testen lassen.
      Alles Liebe
      Annette

  • Steph

    Sehr, sehr interessant. Mir wurde ein Selenmangel diagnostiziert. Deswg nehme ich aktuell Selen ein. Dass das wichtig ist für die Schilddrüse wusste ich noch gar nicht.
    Lg Steph

  • Elisa

    Mir wurde vor einigen Jahren auch das Hashimoto-Syndrom diagnostiziert… glücklicherweise habe ich es aktuell so im Griff, dass ich keine Medikamente nehmen muss.
    Allerdings setze ich trotzdem immer auf Job und Selen, was mir anscheinend sehr gut tut.

    Die Tipps sind echt klasse!

    Liebste Grüße,
    Elisa

  • Jana

    In meiner Kindheit hab ich Paranüsse so gern gegessen! Die muss ich mir mal wieder kaufen, wenn die so gut sind. Meine Schilddrüse wurde schon häufiger untersucht, weil man irgendeinen Mangel vermutete, aber bisher war immer alles gut.

    Liebe Grüße
    Jana

    • Annette Pitzer

      Liebe Jana,
      wurde denn auch der Selenwert getestet? Wenn nicht unbedingt nachholen, denn die Schilddrüse kann lange kompensieren aber beim Selen- oder Jodmangel machen wir es ihr schwer.
      Alles Liebe
      Annette

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